Leserbriefe

"Ein mobiler Schweinestall"

Berlins Innensenator stimmte der Verlängerung der Antiterrorgesetze zu, boxte den neuen Polizeipräsidenten - der als Hardliner gilt - durch und spricht sich für die Ausdehnung des Alkoholverbots auf die U-Bahnhöfe aus. Dagegen sind der BVG-Aufsichtsratschef, Finanzsenator Ulrich Nußbaum, und die BVG-Chefin, Sigrid Nikutta, die die Trinker weiter dulden wollen, weit hinterher. Am vergangenen Freitag stieg ich um fünf Uhr morgens in einen Zug der U7 und wäre dabei fast in einer Lache von Erbrochenem ausgerutscht. Als ich eine Station weiter den Waggon wechselte, stieß ich auf eine auf zwei Sitzen liegende Schnapsleiche. Drei Stationen weiter stieg ein Pseudomusikant in den Zug ein, der mit einer erheblichen Alkoholfahne die Fahrgäste zum Mitsingen animieren wollte. Zurück im Feierabendverkehr, zählte ich auf einer Strecke von nur 15 U-Bahn-Stationen fünf Männer mit einer geöffneten Bierflasche in der Hand. Erlebnisse an einem einzigen Tag im Berliner öffentlichen Verkehr. Weit spannender ist die Reise in Berliner Bussen und U-Bahnen am Wochenende und spätabends. Im Anbetracht der vielen Touristen, die die U-Bahnen nutzen, ist der dort ausufernde Alkoholkonsum ein erheblicher Imageschaden für die Stadt. Im Vergleich etwa mit der Madrider oder Athener Metro ist die Berliner U-Bahn ein mobiler Schweinestall.

Gerhard Spisla, Haselhorst

Die Einstellung der BVG ist nicht nachvollziehbar. Es kommen Fahrgäste nachweislich durch Alkoholisierte zu Schaden. Und was macht der Betreiber? Er redet es klein. Er ignoriert das Gefühl der Unsicherheit der Fahrgäste. Vor allem ist das Alkoholverbot schon lange in den Beförderungsbestimmungen geregelt. Aber eine klare Aussage hätte vielleicht die Schließung einiger Kioske auf Bahnhöfen und einen Einnahmeverlust bei den Mieten für die BVG zur Folge.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Ausgleichszulage dient lediglich einer Besitzstandswahrung

Zum Artikel: "Beamtengehalt Ost plus zehn Prozent" vom 4. Juli

Der Vorschlag der Landesregierung in Brandenburg, für Beamte und Richter eine Ausgleichszulage beim Wechsel von einem Bundesland mit höherer Besoldung nach Brandenburg mit vergleichsweise niedrigen Gehältern vorzusehen, wird vom DBB - Beamtenbund und Tarifunion Berlin - begrüßt. Der DBB Berlin sieht in der Gesetzesinitiative des Nachbarlandes eine sachlich gebotene und dringend auch für Berlin notwendige gesetzliche Ergänzung zu den bestehenden Rechtsgrundlagen über die Gewährung von Ausgleichszulagen bei Verringerung der Dienstbezüge. Die Länder Berlin und Brandenburg sind geradezu darauf angewiesen, dass sie offen sind für Bewerbungen von besonders geeigneten Beamten und Richtern aus anderen Bundesländern oder des Bundes. Wenn dies nicht ermöglich wird, dann werden Lehrkräfte, Ministerialbeamte, Beamte des mittleren Justizdienstes, Professoren, Führungskräfte sowie Nachwuchskräfte, die nach dem Studium in einem anderen Land ihre berufliche Karriere begonnen haben, Berlin und Brandenburg meiden.

Joachim Jetschmann, per E-Mail

Bunte Vielfalt trotz Regen und Sturm

Zum Artikel: "In 27 Stationen um die Welt" vom 2. Juli

Weder Dauerregen noch stürmische Böen haben uns davon abgehalten, am Wochenende auf eine Reise um die Welt zu gehen und einige der Botschaften und Kulturinstitute anlässlich des All Nations Festivals zu besuchen. Es ist immer wieder interessant, über andere Länder, Gebräuche und Sprachen etwas zu erfahren. Allerdings gab es auch kleine Wermutstropfen, einmal durch Mazedonien, welches die Zusage zurückgezogen hatte, da im Festival-Pass die frühere Jugoslawische Republik Mazedonien statt Republik Makedonien abgedruckt wurde. Und das Koreanische Kulturinstitut am Leipziger Platz 3 in Mitte hatte bei unserem Eintreffen gegen 16 Uhr bereits geschlossen.

Andreas K. Walter, Wilmersdorf

Ausrufezeichen in einer grauen Stadtlandschaft

Zum Artikel: "Stadtschloss - 8000 Besucher in der Humboldt-Box" vom 4. Juli

Die Info-Box zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses empfinde ich wie ein buntes Ausrufezeichen in einer grauen Stadtlandschaft: Seht her, hier entsteht etwas Neues. Sehr zu Unrecht wird ihr Äußeres kritisiert. In der Stadt müssten viel mehr farbige Bauwerke mit neuen Bauformen entstehen, die auf ein neues Jahrtausend hindeuten. Wenn man genau hinschaut, sehen die bisherigen Gebäude wie graue Lego-Kästen aus.

Walter v. Mensenkampff, Qingdao (China)

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