Leserbriefe

"Unseriöse Geldpolitik"

Nicht Euro-Skeptiker gefährden die Vision vom starken und geeinten Europa. Totengräber europäischer Solidarität und Zuversicht sind jene Politiker, welche ihre eigenen Verträge und Versprechen seit Jahren missachten. Hatte man nicht vor der Euro-Einführung feierlich verkündet, dass aus der EU keine Transferunion werden darf? Kein Mitgliedsstaat sollte die Schuldenlast eines anderen tragen. Heute haben wir eine Transferunion und schütten immer neue Steuermilliarden in Fässer ohne Boden. Allen voran Deutschland - mit öffentlichen Schulden von zwei Billionen Euro - muss für die Bankschulden anderer Länder geradestehen. Unlängst noch waren die Euro-Befürworter des Lobes voll über die angeblich so neutralen und gestrengen Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB). Heute offenbart sich diese EZB als Instrument unseriöser Geldpolitik. Der im Stillen erfolgte Ankauf griechischer Schrottpapiere im Wert von geschätzten 60 Milliarden Euro macht die EZB abhängig, erpressbar und vielleicht selbst zum Insolvenzkandidaten.

Herbert M. Rauter, per E-Mail

Bei der Euro-Einführung wurde ein schwerwiegender Fehler begangen. Die Politik hat den Bürger entmündigt. Wäre eine Volksabstimmung erfolgt, hätten wir noch die D-Mark. Nun haben wir viele Ost- und Südeuropäer in der Euro-Zone und bekommen die Probleme der jungen EU-Staaten nicht in den Griff. Die Strukturen in den einzelnen Ländern sind viel zu unterschiedlich.

Stefan Adler, Reinickendorf

Was die Griechen im Augenblick in ihrem Land veranstalten, ist alles andere als vertrauenerweckend. Streiks und Unruhen lassen zunehmend Zweifel aufkommen, ob weitere Milliardenhilfen gerechtfertigt sind. Und wenn der deutsche Steuerzahler mitbekommt, wie Griechen die Deutschen anpöbeln, sinkt die Bereitschaft, Griechenland vor der Pleite zu bewahren. Also, ihr lieben Griechen, es gilt, die Ärmel hochzukrempeln um mit unserer Finanzhilfe das Land wieder zu einem soliden Staatswesen zu machen. Denn die Sehnsucht nach einem schuldenfreien Griechenland gibt es auch bei den Bürgern in den europäischen Nachbarländern.

Wolfgang Heller, Westend

Fehlende Begeisterung ist unverständlich

Zum Artikel: "Laudehr schießt Deutschland ins WM-Viertelfinale" vom 1. Juli

Ich wundere mich über die Berliner Fußballfans. Bei der Herren-WM konnten nicht genug Fähnchen geschwenkt werden. Aber was ist jetzt bei den Frauen? Die Fahnen an den Autos und an den Häusern kann man an einer Hand abzählen, dabei zeigen die Frauen der deutschen Nationalmannschaft doch wirklich tolle Spiele. Und auch die anderen Staaten und deren Spielerinnen sollten mit ein bisschen mehr Freude und Begeisterung geehrt werden.

Jutta Hoffmann, per E-Mail

Bei aller Euphorie ist sicherlich auch ein kritisches Wort erlaubt. Im Gegensatz zum kommerzträchtigen Auftreten für Deutschland fällt das persönliche Bekenntnis einiger Spielerinnen zur Republik eher bescheiden aus. Beim Ertönen der Nationalhymne zeigen Textunsicherheiten oder gar verkniffenes Zusammenpressen der Lippen, wie schwer sich einige Spielerinnen (ebenso wie Spieler der Männernationalmannschaft) tun, zu ihrem Land zu stehen. Wer meint, dass Einigkeit und Recht und Freiheit an ihm vorbeigehen, den sollte man nicht für unser Land auflaufen lassen. In Zeiten des Rap kann man den Text auch sprechen, statt ihn zu singen.

H. Friedrich, Hoppegarten

Spätere negative Folgen sind zu befürchten

Zum Artikel: "Abschied von der Schreibschrift" vom 30. Juni

Warum muss es eine neue "Grundschrift" statt der bewährten Schreibschrift geben? Der Grundschulverband hat anscheinend nichts Wichtigeres zu tun, als sich der Entwicklung dieser neuen Schrift zu widmen. Die Absicht, in Hamburg wahlweise die "Grundschrift" oder die Schreibschrift an den Schulen zu lehren, wird zu einem großen Durcheinander führen. Die angebliche Erleichterung beim Erlernen des Schreibens wird sich für die Grundschüler später negativ auswirken, etwa beim Lernen von Fremdsprachen, wozu auch das Schreiben gehört. Da in anderen Ländern selbstverständlich nicht in abgewandelter Druckschrift geschrieben wird, müssen deutsche Schüler dafür die Schreibschrift erlernen und diese auch lesen können. Deutsche Bildungseinrichtungen sollten in Zeiten der Globalisierung internationale Standards vermitteln und nicht einen deutschen Sonderweg gehen. Die Behauptung, die wenigsten Menschen nutzten die Schreibschrift nach der Schulzeit, ist äußerst realitätsfremd.

Joachim Koch, Lankwitz