Leserbriefe

"Das Gerangel ist beschämend"

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Das Gerangel um die Nachfolge von Dieter Glietsch ist beschämend für Berlin. Der Geeignete - Klaus Keese - ist von Innensenator Ehrhart Körting nicht gewollt, Frau Koppers hat klar zum Ausdruck gebracht, dass sie dieses Amt nicht möchte. Nun will Körting um jeden Preis Udo Hansen in dieses Amt berufen. Unabhängig von dessen beruflicher Vergangenheit kann es doch nicht sein, dass jemand, der aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand getreten ist, ein solch verantwortungsvolles und schwieriges Amt bekleiden soll. Herr Körting sollte sich von dem Parteiengemauschel frei machen und einen kompetenten, für Berlin verantwortungsbewussten Mann wie Klaus Keese nicht außen vor lassen.

Sylvia Otte, per E-Mail

Wieder einmal soll hier per Gutsherrenart eine wichtige Personalie in dieser Stadt entschieden werden. Vollkommen unverständlich ist die Tatsache, dass bei einem geordneten Verfahren ein strukturiertes Auswahlverfahren hätte durchgeführt werden müssen, so wie es im Amtsblatt von Berlin auch angekündigt war. Für die beiden Bewerber, die nicht krankheitsbedingt auf dem Altenteil waren, muss dieses Verfahren nicht nur bedenklich sein, sondern auch an der Ernsthaftigkeit der Entscheidungsträger dieser Stadt zweifeln lassen.

I.H. Korn, per E-Mail

Es ist mir ja schon schleierhaft, wie in der Bundespolitik die Minister ihre Posten bekommen. Alles Experten für alles. Und nun das Postengeschiebe um den Job des Polizeipräsidenten in Berlin! Kaum zu verstehen, dass es jetzt ein nicht mehr ganz gesunder Frührentner werden soll, von dem niemand sagen kann, warum ausgerechnet er dafür geeignet sei. Wer auch immer es wird, es wäre schon schön zu wissen, dass wir armen Parksünder künftig von einem Polizeipräsidenten Liebesbriefe bekommen, der es versteht, die Polizei mit Vernunft und Geschick einsatzbereit zu halten. Da wünschte ich oft mehr Freundlichkeit, mehr Bürgernähe und Angemessenheit im Handeln.

Matthias Schramm, Köpenick

Interessen der Kunden nicht vergessen

Zum Artikel: "Beim Billigflieger Easyjet droht Streik in der Ferienzeit" vom 23. Juni

Wir erleben ein typisches Verhalten von Gewerkschaften: Ausnutzung von einer Zwangssituation zugunsten der eigenen Klientel. Bei allem Verständnis für berechtigte Interessen der Angestellten von Easyjet dürfen allerdings die Interessen der Kunden nicht vergessen werden. Hier sind nicht "Reiche" betroffen, die eine ausgefallene Verbindung durch einen anderen Linienflug mit wenig Verspätung ersetzen, sondern Normalbürger, deren Reiseerlebnis schlicht gestrichen wird. Auch Angestellte sind ihren Kunden verpflichtet, nicht nur die Konzernmutter.

Lothar Goehlich, per E-Mai

Grünes Mäntelchen für die Verlagerung der Produktion

Zum Artikel: "Grüner wird's nicht" vom 22. Juni

Wenn die von Siemens in Auftrag gegebene Studie "Green City Index" im Ergebnis zu dem Schluss kommt, dass sich die Luftqualität Berlins "vor allem durch den Strukturwandel vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort stark verbessert" habe, dann drängt sich doch der Verdacht auf, dass der eigenen Arbeitsmarktpolitik (nämlich der Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer) nachträglich ein grünes Mäntelchen umgehängt werden soll. Dass der Autor zu einem ganz anderen Schluss kommt (weniger Dreck in der Luft ist mit Verlust von Arbeitsplätzen "erkauft"), darf hingegen eher als ein Argument aus der Mottenkiste der Gegner grüner Umweltpolitik verstanden werden.

Bernd Höfer, per E-Mail

Grillen und Skaten reicht nicht als Nutzungskonzept

Zum Artikel: "Unternehmen kritisieren fehlende Vision für Tegel" vom 23. Juni

Die Konzeptlosigkeit des Berliner Senats setzt sich fort. Wie schon beim ehemaligen Flughafen Tempelhof fehlt auch beim Flughafen Tegel ein überlebensfähiges Nutzungskonzept. Das Deutsch-Amerikanische Volksfest könne nicht auf dem Flughafen Tempelhof stattfinden, weil dies das Nutzungskonzept störe, heißt es beim Senat. Welches Nutzungskonzept? Ein paar Blumen pflanzen, grillen und Inline skaten? Sehr zukunftsträchtig! Und so wird Tegel auch enden, Hauptsache alle West-Berliner Institutionen werden geschlossen, was dann passiert ist unserem Senat offenbar egal.

Kristopher Jurk, per E-Mail