Leserbriefe

"Sicherheitsgefühl sinkt weiter"

Interessante Vorgehensweise: Zuerst spart man (zu viele) Polizeibeamte ein. In der Folge werden weniger Straftaten entdeckt, was sich positiv auf die Statistik der aufgeklärten Fälle auswirkt. Dadurch werden auch weniger Gefängnisplätze belegt, also kann man angeblich Justizvollzugsbeamte einsparen. Was ist denn das für eine kranke Logik? Mein Sicherheitsgefühl sinkt weiter, und in den Gefängnissen werden wir dann wohl bald Revolten wie in den Bananenrepubliken haben. Warum sollen wir sparen? Wir schicken doch Milliarden über Milliarden nach Griechenland und nach Nordafrika. Wir haben genug Geld für Bildung, Polizei und Strafvollzug, aber leider wird es ohne den Willen der Bevölkerung anderweitig versenkt.

Regina Kröning, Spandau

Als derzeitiger Insasse der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Tegel kann ich über die Personalabbau-Pläne von Senator Nußbaum nur den Kopf schütteln. Die Verantwortlichen sollten sich unbedingt mal vor Ort informieren und nicht nur vom Schreibtisch aus Entscheidungen treffen. Gerade in meiner Abteilung "SothA" wäre es wichtig, dass die einzelnen Stationen regelmäßig mit Justizvollzugspersonal besetzt sind. Die wenigen Beamten, die derzeit noch im Dienst sind, sind dementsprechend überarbeitet, oft krank und für uns Insassen kaum mehr greifbar vorhanden. Ein weiterer Personalschwund wäre für uns katastrophal!

Jürgen Ney, Berlin-Tegel

600 Leute will die Justizbehörde einsparen, und sie teilte gleich auch den Männern und Frauen, die momentan gerade für den Einsatz im Vollzug ausgebildet werden, mit, dass man sie eigentlich gar nicht mehr benötigt. Wieso aber hat man sie vor ein paar Jahren und Monaten noch benötigt? Vielleicht sollte man jetzt vor allem darüber nachdenken, auf welche der weitsichtigen Beamten die Behörde selbst verzichten kann. Die sinkenden Strafgefangenenzahlen würden eine Neustrukturierung des Berliner Justizvollzugs nötig machen, wird behauptet. Neustrukturierung aber heißt nichts anderes als Entlassung. Da ahnt der Berliner Bürger doch, was - siehe Folgen der Sparmaßnahmen der S-Bahn - die sogenannten Experten da heraufbeschwören können. Plötzlich gibt es wieder mehr Straßendiebe und windige Finanzberater, plötzlich büchsen wieder ein paar Schwerverbrecher mehr aus, nur weil ein paar überarbeitete Mitarbeiter ihren Job nicht mehr anständig erledigen können. Und plötzlich will den unattraktiven Job sowieso keiner mehr machen. Dann wird das Geschrei wieder groß sein und der Ruf nach ausgebildeten Beamten im Jobcenter verhallen. Und was spart das Land Berlin eigentlich, wenn es die Personalkosten der eingesparten Entlassenen aufs Arbeitsamt delegiert?

Jörg Graefensteiner, Reinickendorf

Bahnhof Zoo bietet morgens ein jämmerliches Bild

Zum Artikel: "Den Berlinern ist Berlin zu dreckig" vom 18. Juni

Es ist traurig, aber wahr: In puncto Ästhetik und Sauberkeit gibt Berlin unter den anderen europäischen Großstädten leider das jämmerlichste Bild ab. Ich würde gerne die Verantwortlichen vom Senat zu einer Rundfahrt der besonderen Art einladen. Inkognito und ohne Dienstlimousinen sowie Personenschützer sollten sie sich morgens fünf Uhr die Gegend rund um den Bahnhof Zoo inklusive des Breitscheidplatzes und die Bereiche um die U-Bahn-Knotenpunkte ansehen. Von den Parkanlagen am Wochenende und mit Graffiti besudelten Brücken und Gebäuden ganz zu schweigen. Langsam gewinnt man den Eindruck, diese Berliner Erscheinungen gehören zu einer Art neuer Pop-Kultur, und man kommt sich irgendwie unmodern und spießig vor. Ich habe bereits Berliner gehört, die solche Zustände als "gemütlich" bezeichnen. Da können nur Kontrollen und empfindliche Bußgelder helfen, damit die Menschen endlich begreifen, dass die Regeln der Allgemeinheit auch für sie gelten.

Gerhard Spisla, Haselhorst.

Abiturienten hätten nur einen Vorschuss zahlen sollen

Zum Artikel: "Betrogene Abiturienten feiern ihren Ball" vom 18. Juni

Das Erschreckende an dem Abi-Ball-Desaster ist doch die Leichtsinnigkeit der Schüler, mit der sie mit den ihnen anvertrauten Geldern umgehen. Vorschuss ist notwendig, aber alle anderen Zahlungen nur auf Nachweis der entsprechenden Leistungen. Viele der Abiturienten haben bereits gejobbt und kennen das Prinzip. Deshalb verstehe ich die ganze Aufregung nicht, wenn sie feststellen müssen, dass sie getäuscht wurden. Und wenn dann auch noch die Schulen direkt oder indirekt beteiligt sind, frage ich mich, was die Lehrer den Schülern bis zur Reifeprüfung beigebracht haben.

Jochen Gasch, Prenzlauer Berg