Leserbriefe

"Notwendige Proteste"

Die Berliner Morgenpost hat in den letzten Monaten sehr ausführlich über die sehr schlechten Bedingungen (keine Lehrer, Ausfallstunden, marode Schulgebäude und vieles mehr) an den Schulen berichtet. Dass so viele Schüler trotz Drohungen der Schulbehörde auf die Straße gegangen sind, zeigt, wie dringend hier Handlungsbedarf besteht. Und die vielen Lehrer, die sich in den vergangenen Monaten massiv über die desolaten Bedingungen sowie die miese Bezahlung beklagt haben, wo waren die? Anstatt an der Seite ihrer Schüler zu stehen, haben sich viele anscheinend einschüchtern lassen. Aber auch die Eltern müssen sich die Frage stellen lassen, warum sie durch Abwesenheit geglänzt haben, anstatt zum Wohle ihrer Kinder auf die Straße zu gehen.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Wer will schon im Saustall lernen? Niemand. Schüler dürfen keinen unzumutbaren Bedingungen ausgesetzt sein. Gleiches gilt für die Lehrkräfte an den Berliner Schulen. Von der Politik sind mehr als nur die Rahmenbedingungen für eine funktionsfähige Schule zu gewährleisten. Um die beste Ausgestaltung der Schulen ist ständig zu streiten und zu kämpfen. Der von den politischen Parteien versprochene Bildungskonsens war von Anfang an nicht ernst zu nehmen. Wie die aktuellen Wahlaussagen aller Parteien zeigen, werden auch in Zukunft die Schulen mit Veränderungen rechnen müssen. Der vielfach versprochene "Schulfrieden" oder der "Reformstopp" werden nicht eingehalten werden können. Die Schule ist nun einmal ein Ort des ständigen Wandels. Veränderungen zu untersagen heißt letzten Endes, sich den Bedingungen der Zukunft zu verweigern. Eine Schule lebt von gesellschaftlichen Einflüssen und Bedingungen. Dazu gehören die Voraussetzungen zur Gewinnung der Lehrkräfte, die in den kommenden Jahren eingestellt werden müssen, um die etwa 10 000 Lehrer, die bis 2017 altersbedingt in den Ruhestand gehen, zu ersetzen. Die Erhöhung der Studien- und Ausbildungsplätze und vorgezogene Gehaltserhöhungen allein sichern nicht das Verbleiben der Junglehrer in Berlin. Das Land Berlin muss langfristige Bedingungen für die Gewinnung und den Verbleib der pädagogischen Fachkräfte schaffen. Der Konkurrenzkampf der Schulträger um die Lehrkräfte nimmt an Schärfe zu. In Berlin wird das Augenmerk auf die Einstellungszahlen gelegt, nicht aber auf die Erfüllung der Anforderungsprofile für Lehrkräfte. Ganze Gruppen von hervorragend ausgebildeten Lehrern gehen in andere Bundesländer. In Berlin fehlt ein Programm zur Personalsicherung für die Schulen. Schade, dass Ansätze dazu immer wieder verhindert worden sind.

Joachim Jetschmann, per E-Mail

Der Konter von Bildungssenator Jürgen Zöllner auf die Bildungsproteste klingt verständlich, kann aber dennoch nicht überzeugen. Denn in einer Stadt fallen aufgrund der viel schwierigeren Sozialstruktur in der Regel höhere Kosten als im ländlichen Raum an. Weswegen der Hinweis, dass Berlin weit mehr Geld für seine Schulen ausgibt als der Durchschnitt der anderen Bundesländer, einem Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen entspricht. Und sich die Frage, ob die bisherigen Mittel ausreichen, eher dadurch beantworten lässt, wie man gegenüber anderen europäischen Metropolen beim Erreichen einer modernen Wissensgesellschaft im Rennen liegt. Wobei es noch viel aufzuholen gibt, gerade was neue Lernformen und Sozialkonzepte betrifft. Weshalb der jetzige und künftige Senat gut daran täte, die Talentförderung für den Lehrerberuf von vornherein auf ein festes Fundament zu stellen, indem man als erstes deutsches Bundesland jedem Bachelor-Absolventen einen Masterstudienplatz garantiert.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Ein Tier aus dem Heim ist oft die bessere Wahl

Zum Artikel: "Arbeitsloser hält 122 Kaninchen auf Hochhausbalkon" vom 15. Juni

Es ist erschreckend, aber wenig verwunderlich, dass Zoohandlungen bei einem derartigen Massenzüchter, der unter illegalen Haltungsbedingungen seine Tiere produziert, zum Mengenrabatt von sechs Euro je Kaninchen eingekauft haben. Diese werden dann mit höchster Gewinnsteigerung an Kunden verkauft, wo es dann wohl heißen wird, diese Tiere stammen aus einer liebevollen Hobbyzucht. Nicht nur dass bei einer derartig unkontrollierten Zucht viele Tiere unter Spätfolgen der schlechten Aufzucht zu leiden haben, es werden auch viele Tiere ansteckende Krankheiten haben. Das Verhalten einiger Betreiber von Zoohandlungen zeigt deutlich, worum es dort geht, um Profit. Das Berliner Tierheim meldet immer wieder, dass das dortige Nagerhaus überfüllt ist und viele Tiere auf ein neues und liebevolles Zuhause warten. Daher sollte jeder Tierfreund, der einer Kreatur ein artgerechtes Leben ermöglichen kann, immer erst das Tierheim aufsuchen und dort nach einer Beratung sich sein Tier aussuchen.

Stefan Klippstein, Charlottenburg