Leserbriefe

"Lehrer nach Leistung bezahlen"

Eine Demonstration während der Schulzeit zu machen trägt wohl kaum zur besseren Bildung unserer Kinder bei. Wenn die Lehrer als einziges Ziel ihre Verbeamtung und weniger Schulstunden sehen, dann besteht hier wohl ein Interessenkonflikt zwischen Eltern und Lehrergewerkschaft. Ich empfehle die Einführung einer leistungsorientierten Bezahlung für Lehrer. Mit weniger Geld beginnen, dafür bei guter Leistung auch gut verdienen können.

Alle Eltern wissen, dass man gut erkennen kann, ob sich ein Lehrer auf den Unterricht vorbereitet, den Kindern etwas vermitteln und sie motivieren kann und seinen Beruf ernst nimmt. Ich habe noch keine Tätigkeit erlebt, wo für so gravierend unterschiedliche Leistungen alle das gleiche Geld bekommen. Hier liegt der Fehler im System, den alle Eltern täglich erleben und der mit mehr Geld und weniger Stunden nicht geheilt wird. Ich bewundere Lehrer, die trotzdem mit Hingabe ihren Unterricht durchführen.

Robert Holzenkamp, Lichterfelde

Die Lehrer sind überlastet? Das hört sich so an, als wenn ihnen der Unterricht zu schaffen macht. So ist es aber nicht. Es ist die ausufernde Bürokratie, die zusätzlich von der Bildungsverwaltung geschaffen wurde und die beinahe monatlich schlimmer wird. Die Lehrer sind also mit unterrichtsfremden Tätigkeiten beschäftigt. Ist wirklich jedes zweite Kind ein potenziell anormales Kind? Wohl eher nicht. Diese Kinder fallen durch das künstlich geschaffene Raster der Bildungsverwaltung, nur weil sie einen altersbedingten Bewegungsdrang haben, der in den ersten Schuljahren so gründlich abgestellt wird, dass er im späteren Leben dieser armen Geschöpfe nie mehr auftaucht. Die Lehrer dürfen sich wegen des Maulkorbs vom Bildungssenator ja nicht selbst äußern, aber irgendetwas läuft schief, wenn sie über jedes Kind eine Akte führen müssen.

Regina Kröning, Spandau

Mangelhafte Moral der Mitarbeiter und Gewerkschaften

Zum Artikel: "Ein entspannter Streik - ohne Chaos im Berufsverkehr" vom 9. Juni

Die Unzuverlässigkeit der S-Bahn den Kunden gegenüber ist der Profitgier und dem Mangel an Technik geschuldet. Die Unzuverlässigkeit der BVG dem Kunden gegenüber ist dem Mangel an Moral der Mitarbeiter und ihrer Gewerkschaft geschuldet.

H. Friedrich, Hoppegarten

Zu handlungsunfähiger Provinzpolizei verkümmert

Zum Artikel: "Neue Arbeitszeit der Polizei ist ein Sicherheitsrisiko" vom 7. Juni

Es ist schon eine beachtliche Leistung, dass es dem rot-roten Senat unter Führung von Innensenator Ehrhard Körting gelungen ist, eine gut funktionierende Hauptstadtpolizei zu einer handlungsunfähigen Provinzpolizei verkümmern zu lassen. Immer weniger Beamte, immer weniger Abschnitte, ein nicht funktionierendes Dienstzeitmodell und die Suche nach einem Polizeipräsidenten, bei dem Loyalität und parteipolitische Zugehörigkeit wichtiger sind als fachliche Kompetenz.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Kostengünstige Lichtinstallation statt teurer Luftschlösser

Zum Artikel: "Erster Blick in das neue Berliner Schloss" vom 8. Juni

Es gibt eine Alternative zum Schlossbau: Die komplette Schlossfassade wird errichtet - aus Licht. Eine Lichtinstallation lässt in der Abenddämmerung das Schloss entstehen, in der Morgendämmerung verschwindet es wieder. Schlösser gibt es viele, so etwas wäre einmalig. Die Installation gibt ein getreues Abbild des Stadtschlosses wieder. Aber es ist keine "Fälschung", da es nicht so erscheint, als wäre das alte Schloss noch da. Der Lichtbau ist deutlich billiger. Er ist nicht für die Ewigkeit. Neue Ideen könnten später ohne Abrisskosten realisiert werden. Werbeeinnahmen sind realisierbar, so kann das Projekt zeitweise vermietet werden. Auch der Palast der Republik könnte so zeitweise wieder sichtbar werden. Es geht schnell. Der Lichtbau kann 2012 stehen. Es ist preiswert. Der Lichtbau kostet nur einen Bruchteil des geplanten Humboldt-Forums. Es ist flexibel. Lichtkunst kann etwa Filme integrieren, Teile der Schlossfassade verändern. Es wäre einzigartig in der Welt - nicht nur ein Schloss mehr. Ganz neu ist die Idee der Fassade als Illusion nicht: Eine Installation wurde schon 1993/94 realisiert. Damals wurden bedruckte Planen produziert und aufgestellt, die einen Eindruck des Berliner Schlosses auf den Betrachter vermittelten. Das war sehr wirksam. Die heutigen Schlossbeschlüsse der Berliner und der Bundespolitik wären - nach Einschätzung vieler - wohl kaum ohne diese Fassaden-Konstruktion zustande gekommen.

Brigitte Kunze, per E-Mail