Leserbriefe

"Keine weiteren Geldgeschenke"

Angesichts der überstandenen Finanz- und Wirtschaftskrise und der akuten Schuldenkrise im Euro-Raum ist die Forderung von Jean-Claude Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), nach einem EU-Finanzministerium absolut berechtigt. Dies wäre schon eine Voraussetzung für die Einführung des Euro als Bargeld zum 1. Januar 2002 gewesen. Damit hätten die 17 Euro-Länder der insgesamt 27 EU-Staaten uns das Schuldendesaster mit Griechenland, Portugal oder Irland ersparen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel irrt, wenn sie Trichets Forderung für nicht notwendig hält. Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Die EU kann nur überleben, wenn sie nach dem Vorbild der USA die Vereinigten Staaten von Europa gründet. Dafür sollten wir schnellstmöglich mit den 17 Ländern der Euro-Zone beginnen.

Roland Klose, per E-Mail

Deutschland versteckt sich hinter der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), weil die Verantwortlichen der Bundesregierung ahnen, dass sie ein neuerliches Hilfspaket nicht durch den Bundestag bekommen, denn für die eigenen Bürger ist kein Geld da. Damit der Schutzschirm der EU finanziert werden kann, wird bei uns schon jetzt kräftig gespart. Personalabbau, Steuern rauf, Renten runter, Krankenkassenbeiträge rauf, Benzin teurer. Bloß nicht in Bildung investieren, die Bürger könnten sonst mitbekommen, dass die Politiker uns veralbern.

B. Kammer, per E-Mail

Aus meiner Sicht sollte man Griechenland keine weiteren Geldgeschenke gewähren, sondern in die Pleite gehen lassen. Damit wäre ein Signal gesetzt. Wenn erneut Geld fließt, dann wissen die Betroffenen für die Zukunft, dass es sowieso nie richtig ernst wird und es immer wieder neue Finanzspritzen gibt. Mit einer Pleite hätte Griechenland die Chance, sich finanziell zu sanieren, um danach wieder Mitglied der Euro-Gemeinschaft zu werden.

Prof. H. R. Engelhorn, per E-Mail

Kein Umdenken in politischer Bewertung des Krieges

Zum Artikel: "Afghanistan - Bundeswehr soll drei Angreifer erschossen haben" vom 6. Juni

Die Hoffnung, dass mit dem Wechsel der Bundeswehrführung auch ein Umdenken in der politischen Bewertung des Krieges in Afghanistan eintreten würde, hat sich nicht bestätigt. Der Verteidigungsminister und seine Generäle bewerten zwar die Angriffsmethoden der Taliban in Übereinstimmung mit dem Wortlaut der Bundeskanzlerin ebenso als hinterhältig, heimtückisch und jenseits aller Grundsätze des Völkerrechts, wie es die Vorgänger taten. Doch sind sie wirklich so naiv zu glauben, dass Kriege heutzutage nach den Regeln der Hager Landkriegsordnung geführt werden? Kriege werden schon lange nicht mehr unter Wahrung von bestimmten Rechtsgrundsätzen geführt.

Harry Döring, per E-Mail

Welche Züge sollen auf neuer Bahnlinie verkehren?

Zum Artikel: "Baubeginn für die neue S 21 am Hauptbahnhof" vom 6. Juni

Da wird eine neue S-Bahn-Linie in Berlin gebaut, und ich frage mich, auf welchem Planeten die Verantwortlichen wohl leben. Auf den bestehenden Linien reichen die Wagen nicht aus, neue soll es laut Bahn-Chef Rüdiger Grube nicht geben. Was soll dann dort fahren? Man hätte sich mal bei der BVG über die sogenannte Kanzler-U-Bahn informieren sollen. Die wird nämlich auch nicht gebraucht. Die neue S-Bahn-Verbindung, unterirdisch wie die Drei-Stationen-Linie zum Brandenburger Tor oder das Projekt Stuttgart 21, bringt ebenfalls kaum etwas. Würden die Verantwortlichen selbst einmal mit der Bahn fahren, wüssten sie, von Jungfernheide gibt es eine Querverbindung über den Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz, und es gibt die Nord-Süd-Verbindung der U-Bahn über Gesundbrunnen, Friedrichstraße zum Potsdamer Platz.

Johannes Kollenda, Erkner

Die Deutsche Bahn sollte sich erst einmal um die elementarsten und einfachsten Dinge eines geregelten Personenfern- und -nahverkehrs kümmern, als großspurig den Bau einer neuen Linie S 21 anzukündigen. Bisher haben wir noch immer keinen normalen S-Bahn-Verkehr mit normaler Zuglänge im gesamten Berliner S-Bahn-Netz, einige Linien wie die S 85 (Waidmannslust-Schöneweide/Grünau) verkehren noch immer nicht. Wie will man denn eine neue S-Bahn-Strecke bedienen, wenn man vor allen Dingen noch keine neuen Züge bestellt hat? Bahn-Chef Rüdiger Grube sollte sich um vernünftig klimatisierte ICE-Züge kümmern, statt sich mit scheinbar zukunftsweisenden Projekten wie Stuttgart 21 zu beschäftigen.

Thomas Henschke, Waidmannslust