Leserbriefe

"Unnötige Eile beim Ausstieg"

Nun ist es also erreicht: Die Abschaltung der Atomkraftwerke ist beschlossene Sache. Die Atomkraftgegner können zufrieden sein, dies durchgesetzt zu haben. Bleibt die Frage, was passiert, wenn das Stromnetz zusammenbricht? Der GAU steht noch bevor, wenn die Wirtschaft durch Stromausfälle zusammenbricht, die Geschäfte ihre elektronisch gesteuerten Türen nicht öffnen können, Computerkassen nicht mehr funktionieren, das Gefriergut auftaut, Fahrstühle stecken bleiben oder Tanksäulen ausfallen. Kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet, keine Zeitung. Ganz abgesehen von der Gesundheitsversorgung in unseren hoch technisierten Krankenhäusern. Unsere ohnehin angeschlagene Deutsche Bahn fällt total aus, das Verkehrswesen bricht zusammen. Es gab einen dreiwöchigen Stromausfall vor Jahren in Südafrika. So ein Szenario könnten wir auch erleben.

Ilse Zippel, per E-Mail

Es darf nicht sein, dass die Bosse weniger großer Energieunternehmen, welche uns jahrzehntelang in die teure und gefährliche Sackgasse der Atomwirtschaft geführt haben, Politik gegen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung machen. Es gibt im Volk einen breiten Konsens hinsichtlich eines endgültigen und raschen Ausstiegs aus der technisch nicht ausreichend beherrschbaren und nicht zukunftsfähigen Atomenergie.

Frank Albohn, per E-Mail

Aus der Atomkraft auszusteigen ist eine politische Entscheidung. Es wäre nicht nachvollziehbar, würden die Grünen dem jetzt erzielten Gesetz nicht zustimmen. Denn der schwierige Aufbruch in ein neues Energiezeitalter braucht eine breite partei- und gesellschaftspolitische Basis. Außerdem liegt der Vorschlag von Schwarz-Gelb im Wesentlichen auf der Linie des Ausstiegsplans von Rot-Grün. Man sollte jedoch Folgendes bedenken: Wir verzichten ab sofort auf eine zuverlässige und bis jetzt bei uns sichere und zudem noch wirtschaftliche Energie, die Politik hat dafür einen genauen Fahrplan aufgestellt. Ein ebensolcher exakter Plan muss aber auch für den Einstieg her, damit die von den Atomkraftwerken bislang produzierte Energie künftig durch regenerative Energien kompensiert werden kann. Denn einer Illusion sollte man sich nicht hingeben, dass ab sofort massiv Strom gespart wird. Deutschland wird auch künftig Strom benötigen, denn wir wollen uns ja nicht als Industriestandort von der Weltbühne der Nationen abmelden.

Christian Lukner, per E-Mail

Was hier beschlossen wurde, ist vor allem ein Konjunkturprogramm, das im Gegensatz zur Abwrackprämie bei Automobilen den Stromversorgern für die Stilllegung ihrer Atomkraftwerke zusätzlich finanzielle Belastungen aufbürdet. Auch wird erwartet, dass die großen Stromerzeuger sich finanziell an dem Ausbau zur Nutzung erneuerbarer Energien beteiligen. Doch ich hoffe, dass sie sich diesen Investitionsforderungen verweigern und geplante Investitionsvorhaben drastisch abbauen. Wer alternativen und erneuerbaren Strom produziert, muss auch für die entsprechenden Stromleitungen sorgen - ohne wettbewerbswidrige Bedingungen.

Wolfgang Heller, Westend

Ich bin erstaunt zu hören, dass Weltkonzerne wie jetzt die Energieerzeuger keinerlei Rücklagen bilden, sondern jedes Mal sofort nach dem Steuerzahler schreien und die Regierung das auch völlig natürlich findet. Das Betreiben einer Firma beinhaltet auch immer ein wirtschaftliches Risiko. Warum in aller Welt muss ich denn dieses Risiko als Steuerzahler übernehmen?

Regina Kröning, Spandau

Um den Atomausstieg zu schaffen, müssen nicht nur die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, sondern es muss auch im großen Umfang Energie eingespart werden, etwa mit Energiesparmaßnahmen an öffentlichen und privaten Gebäuden. Da fast jeder Mensch in diesem Land irgendwo wohnt, müssen alle dafür bezahlen. Wir haben gerade ein 23 Jahre altes Dachflächenfenster gegen ein modernes mit sehr guten Wärmedurchgangswerten ausgetauscht. Wir konnten es alleine austauschen und haben deshalb nur 700 Euro dafür ausgegeben. Das Zimmer mit einer Größe von elf Quadratmetern und reiner Südlage hatte bis jetzt einen anteiligen Verbrauch von etwa 120 Kubikmetern Gas im Jahr. Bei Kosten von etwa 70 Cent pro Kubikmeter haben wir bis jetzt 84 Euro im Jahr für das Beheizen dieses Zimmers ausgegeben. Künftig wird der Energieverbrauch optimistisch gesehen halbiert, und wir sparen dadurch 42 Euro im Jahr. Da kann sich jeder ausrechnen, wann sich der Austausch amortisiert hat und das auch nur, weil wir das Fenster selbst tauschen konnten und nicht noch Handwerkerkosten entstanden sind. Fest steht jedenfalls, dass der Sommerurlaub mit unseren vier Kindern dieses Jahr ausfällt, weil die investierten 700 Euro fehlen. Mal sehen, wann das Volk zu maulen anfängt, unsere Kinder haben es jedenfalls jetzt schon getan.

Ute Pigeon, Lichtenrade