Leserbriefe

"Ein einseitiges Vergnügen"

Die Berliner sollen umweltbewusst ihr Verhalten ändern, indem sie die öffentlichen Nahverkehrsmittel benutzen, besser noch, auf das Fahrrad umsteigen. Grundsätzlich ein guter Gedanke. Die Realität sieht leider anders aus: Die dafür proklamierten Event-Veranstaltungen in den Innenbezirken und auch die "Sternfahrt der Radfahrer" hat bewirkt, dass der Autoverkehr aus der Mitte von Berlin in angrenzende Berliner Bezirke verlagert wurde. Zum Beispiel Kreuzberg, Schöneberg und Tempelhof haben dadurch auch am Sonntag ein überdurchschnittlich hohes Verkehrsaufkommen von Kraftfahrzeugen bis hin zu Großlastern in der Dudenstraße, Tempelhofer Damm und Mehringdamm. Trotz Umweltzone. Wo bitte wird hier für die Bürger gesorgt? Für die Umwelt sehe ich auch keine Entlastung.

Veronika Ratajczak, per E-Mail

Was haben wir nur für eine Verkehrsverwaltung: laufende Sperrungen der Straßen, Baustellenchaos und dazwischen ungehemmte Radfahrerverkehr. Am Sonntag war mal wieder so ein schöner Tag, wo man die meiste Zeit in glühender Hitze im Stau verbrachte. Berufsbedingt können viele leider nicht auf den Pkw verzichten, auch wenn es manchem Radfahrer schwerfällt, daran zu glauben. Was haben wir nur für eine Verwaltung, bei der verkehrshemmende Events Vorzug gegenüber notwendigem Autoverkehr haben?

Thomas Hansen, per E-Mail

Wenn man in die begeisterten Gesichter der Teilnehmer der Sternfahrt geschaut hat, könnte man verstehen, wenn die Radler sich dieses Vergnügen künftig nicht mehr von anderen Leuten bezahlen lassen und künftig eine angemessene Fahrradsteuer bezahlen würden. Ferner werden sie auch die Einführung eines Fahrradkennzeichens, verbunden mit einer Fahrradhaftpflicht, begrüßen, damit es endlich mit der leidigen Unfallflucht bei den Radfahrern ein Ende hat und der Bußgeldkatalog für Radfahrer nicht nur auf dem Papier steht. Vielleicht fahren Fahrradfahrer ja nur deshalb gegenwärtig noch auf den Bürgersteigen und missachten Ampeln, insbesondere die eigens für sie vorgesehenen Fahrradampeln, die für sie aufgestellten Ge- oder Verbotszeichen, weil sie die zig Millionen Euro, die dafür ausgegeben werden, nicht selbst bezahlt haben.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Berlin stand am Sonntag bei schönstem Wetter erneut unter Hausarrest. Wer nicht in der Nähe eines S- oder U-Bahnhofes wohnte, war seiner Freiheit beraubt. Der Sonntagsausflug mit Oma und Enkeln fiel aus, Behinderte und ahnungslose Touristen saßen in der Falle. Ausgerechnet der undiszipliniertesten und aggressivsten Gruppe unter den Verkehrsteilnehmern wurde gehuldigt. So kann es nicht weitergehen. Die Stadt wird immer öfter für irgendwelche privatwirtschaftlichen Veranstaltungen missbraucht, die Belange der Bevölkerung werden vom Senat ignoriert.

Hans-Joachim Junge, Lankwitz

Auf die Autofahrer wird dauernd der Frust abgelassen. Doch die Radfahrer sollten mal überlegen, wer die Fahrradwege finanziert. Viele Radfahrer sind nur frech und werden den Autofahrern gegenüber immer unverschämter. Auch der Fahrradfahrer sollte zur Kasse gebeten, eine Kennzeichnungspflicht und Fahrradabgabe sowie eine Haftpflichtversicherung sollten Pflicht werden. Man soll nicht nur immer fordern, sondern als Fahrradfahrer auch etwas dazu beitragen.

Ulrike Hoffmann, per E-Mail

Die Autorin Susanne Leinemann gab ihrer Elternkolumne ("Berlin ein Dauerfreizeitpark") zwar ein versöhnliches Ende, aber recht hat sie. Kaum ein Wochenende ohne eine Fahrradveranstaltung, immer schön zulasten derer, die durch Berlin hindurchmüssen. Mit einer unverfrorenen Selbstverständlichkeit wird Rücksichtnahme vorausgesetzt, ja geradezu gefordert. Auf der anderen Seite werden Fußgänger nur kurz angeklingelt und rücksichtslos beiseitegedrängt.

Gabriele Kussmann, per E-Mail

Er hat mit seinem Humor das Leben etwas leichter gemacht

Zum Artikel: "Geheimschlüssel zum deutschen Wohnzimmer" vom 6. Juni

Mit Curth Flatow ist ein großer Boulevard-Autor, der uns im Theater, Kino und Fernsehen unvergessliche heitere Stunden beschert hat, von uns gegangen. Wer erinnert sich nicht an Theaterstücke wie "Das Fenster zum Flur" (mit Horst Pillau), "Vater einer Tochter" oder "Herr mit grauen Schläfen", an Fernsehserien mit Inge Meysel ("Gertrud Stranitzki"), Harald Juhnke ("Preußenkorso") oder Thekla Carola-Wied und Peter Weck ("Ich heirate eine Familie"). Flatow war auch ein wichtiger beruflicher Wegbegleiter und Freund des unvergessenen Hans Rosenthal, mit dem er viele Hörfunk- und Fernsehreihen ("Das gibt's nur einmal", "Dalli, Dalli") gestalten konnte.

Thomas Henschke, Waidmannslust