Leserbriefe

"Versorgung muss gesichert sein"

Der Ausstieg aus der Kernenergie ist akzeptabel, es darf aber nicht überstürzt gehandelt werden. Die Etappen des Ausstiegs müssen physikalisch sinnvoll sein. Alle, die zurzeit wieder Kritik daran üben, sollten die parteiideologischen Denkweisen mal zur Seite legen. Allein nur mit Energiesparen, die Energieeffizienz erhöhen und auf regenerative Energien setzen, werden die Ziele nicht erreicht. Hauptgegenstand muss die Versorgungssicherheit für die Haushalts- und Industriekunden in Deutschland sein. Für die Versorgungssicherheit und Netzstabilität ist entscheidend, dass das Stromangebot zu jeder Zeit des Jahres der Stromnachfrage entsprechen muss. Nun kommt es darauf an, dass beim Planen und Bau von neuen Höchstspannungsnetzen Tempo gemacht wird. Großen Nachholbedarf gibt es aber auch noch bei den Stromspeichern, hier muss noch viel Forschungsarbeit geleistet werden. Es geht auch darum, die Energiewende so zu gestalten, dass keine Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft oder gar neue Risiken für das Klima entstehen dürfen.

Norbert Neugebauer, Mitte

Der Atomausstieg bis 2022 dauert mir zu lange. Das ist wieder so ein trickreiches, undurchsichtiges Pokerspiel unserer Regierung, das den Energiekonzernen letztlich ein Hintertürchen offen hält. Frau Merkel bemüht sich, Grüne und SPD in ihrem Regierungshandeln links zu überholen, doch aufmerksame Bürger haben dies längst durchschaut und lassen sich davon nicht blenden.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Der Atomausstieg ist unsinnig. Jeder moderne Mensch braucht Strom, das wissen selbst die Kernkraftgegner. Ich bin mal gespannt, was jetzt passiert, wie viele Windräder und Solaranlagen gebaut werden und, vor allem, woher das Geld dafür kommt. Die jetzt abgeschalteten Kernkraftwerke müssen schon deshalb wieder ans Netz, weil es keine Ersatzenergien gibt, jedenfalls nicht so kurzfristig. Recht wenig, um nicht zu sagen, gar nichts, lese ich im Bericht der Ethikkommission über ethische Fragen im Zusammenhang mit der Kernenergie. Umso mehr stehen technische Aspekte im Vordergrund, dabei sind den Autoren Fehler unterlaufen, etwa bei den Kraftwerkskapazitätsangaben, die viel zu optimistisch sind, oder bei der Beurteilung von alternativen Entsorgungstechnologien. Sehr wohl ist es heute machbar, die Strahlungszeiten des radioaktiven Mülls zu verkürzen, und zwar erheblich, auf einen Zeitraum, den wir überblicken können. Der Bericht taugt somit nur eingeschränkt als Argumentationshilfe zur Begründung des bis 2022 geplanten Atomausstiegs. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als schnellstens ein Endlager in Betrieb zu nehmen. Da bleibt Gorleben die erste Wahl.

Christian Lukner, per E-Mail

Die Frage ist, wo kommt ab 2022 der Strom her, wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet sind? Zum Glück wird die anstehende Energiewende vom demografischen Wandel begünstigt. De facto soll es laut Prognose des Statistischen Bundesamtes 2022 etwa 2,6 Millionen Menschen weniger in Deutschland geben. Und weniger Menschen verbrauchen auch weniger Strom.

Roland Klose, per E-Mail

Keine Sternstunde deutscher Gerichtsbarkeit

Zum Artikel: "Ein Urteil voller Zweifel" vom 1. Juni

Nach dem Freispruch bleibt die wichtigste Frage unbeantwortet: Wer stellt den die Ehre von Jörg Kachelmann wieder her? Ein honoriger Mann ist recht dürftigen Anschuldigungen einer enttäuschten Geliebten zum Opfer gefallen und für mehrere Monate in Untersuchungshaft gesteckt worden. Bleibt zu hoffen, dass künftig schon am Beginn eines Verfahrens strenger geprüft wird, ob tatsächlich eine Vergewaltigung vorliegt.

Ralf Drescher, per E-Mail

Der Fall Kachelmann ist ein handfester Justizskandal. Da weiß die Staatsanwaltschaft, dass das sogenannte Opfer gelogen hat, und unternimmt nichts. Zu diesem Zeitpunkt hätte das Gericht das Verfahren einstellen müssen. Durch ihr Verhalten hat die Justiz Kachelmann schwer geschadet.

Herbert Korte, per E-Mail