Leserbriefe

"Zurück bleiben Scherbenhaufen"

Mein Bedauern über den Abgang des Schulsenators hält sich sehr in Grenzen. Jammern auf hohem Niveau eines Mannes, der sich über seinen Job doch wohl vorher hätte informieren können. Das Jammern steht wohl mehr den Schülern zu, die sein Ressort mit unsinnigen, unnötigen, kontraproduktiven und nicht nachvollziehbaren Maßnahmen überzogen hat. Beispiele? Verlässliche Ganztagsschule, die weitgehend unverlässlich geblieben ist. Zusammenlegung der Schultypen zum Einheitsbrei der Sekundarschule. Abitur nach zwölf Schuljahren ohne Vorsorge für die Zukunft. Hürdenlauf und Bittstellertum bei der Schulsuche. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Er macht es sich mit seinem geplanten Abgang einfach. Er hinterlässt verbrannte Erde, unsere Kinder dürfen den Mist ausbaden.

Matthias Graichen, per E-Mail

Wenn Bildungssenator Zöllner schon 2008 festgestellt hat, dass sein Ressort zu groß und nicht führbar ist, hätte er seinen Job sofort aufgeben müssen. Dann hätte er nicht so viel Schaden angerichtet. Heute sich hinzustellen und Eltern, Schulleitern, Lehrern und Gewerkschaften die Schuld zu geben ist eine Frechheit. Dass auch noch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit meint, ,,er habe gut mit Zöllner zusammengearbeitet", ist nicht nachvollziehbar. Somit ist er mitschuldig an Zöllners Missmanagement.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff. Da er nun geht, kann es mit der Bildung in Berlin nur besser werden. Er hinterlässt genug Scherbenhaufen, halb fertige Baustellen und Potemkinsche Dörfer. Damit wird es in den kommenden Jahren noch große Probleme geben.

K. Kienitz-J., per E-Mail

Wir werden Zöllner keine Träne nachweinen, denn er hat die Lehrerschaft mit ihren gravierenden Problemen an den Schulen alleingelassen und sie auch noch schlechter bezahlt als im übrigen Bundesgebiet. Und nicht nur er, sondern der gesamte Senat steht mit dem öffentlichen Dienst seit Jahren auf Kriegsfuß, weil es sich doch so schön populistisch verkaufen lässt, die Beamten und Angestellten für elementare politische Fehler in der Vergangenheit mit Gehaltskürzungen in Haftung zu nehmen.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Sinn des verkürzten Schulbesuchs ist nicht erkennbar

Zum Artikel: "Kaum noch Zeit für Hobbys" vom 25. Mai

Die vom achtjährigen Gymnasium (G8) betroffenen Schüler können einem nur leidtun. Denn man stiehlt ihnen einen Teil ihrer Jugendzeit, und sie haben keinerlei Vorteil davon, ein Jahr früher Abitur zu machen. Abgesehen von den beschriebenen Nachteilen, bekommen sie dann in Berlin auch nur mit einer Eins vor dem Komma einen Studienplatz. Und das, obwohl wir angeblich ja dringend Akademiker brauchen. Ich bin vor 43 Jahren mit einem Dreierabitur Lehrer geworden, nach Aussagen meiner Schulleiter, Kollegen und Eltern nicht der schlechteste. Wenn ich dann noch lese, dass Bildungssenator Zöllner die Einführung von G8 als Fehler ansieht, verstehe ich nicht, warum man diese "Reform" nicht wieder rückgängig macht.

Manfred Böhme, Rudow

Atomenergiebehörde in Wien gibt schon Standards vor

Zum Artikel: "G 8 für höhere Sicherheitsstandards von Kernkraftwerken" vom 27. Mai

Wenn jetzt weltweit Stresstests für Atomkraftwerke durchgeführt werden sollen, dann ist das sinnvoll, aber nicht neu. Wofür haben wir seit Jahrzehnten eine Atomenergiebehörde in Wien? Dort werden ständig Richtlinien produziert, die die Sicherheit zum Thema haben. Wir sollten zunächst die genauen Analysen des Unfallverlaufs in Fukushima abwarten, bevor Geld für eventuell unnötige Projekte verschleudert wird.

Christian Lukner, per E-Mail

Erfahrung im Straßenverkehr ist durchaus von Vorteil

Zum Artikel: "Ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung" vom 27. Mai

Die Debatte ist nicht neu. Unstrittig aber dürfte sein, dass ältere Menschen sich aufgrund ihrer Erfahrung im Straßenverkehr umsichtiger und unfallfreier verhalten als jüngere. Wer das nicht wahrhaben will, der sei auf die Statistik verwiesen. Natürlich sollte bei den Senioren auch die Einsicht herrschen, wenn es wirklich nicht mehr geht und die Sicherheit nicht mehr vorhanden ist, das Autofahren aufzugeben. Wer aber etwas vorsichtiger und auch langsamer fährt, muss noch lange keiner Untersuchung unterzogen werden.

Wolfgang Pickert, per E-Mail