Leserbriefe

"Es reicht nicht zum Leben"

Warum wird nirgends darüber gesprochen, in welchem Maße sich diejenigen bedroht fühlen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind? Ich bin Schauspielerin, Sprecherin, Autorin und habe ein Kind allein großgezogen. Durch dreijährige schwere Erkrankung erhielt ich nach 40 Berufsjahren mangels Anspruch auf ALG I und Krankengeld Hartz-IV-Leistungen. Man erhält einen Regelsatz, der zum Leben nicht reicht, dazu falsche Bescheide, vorenthaltene Leistungen und widerrechtliche Sanktionen. Es sind kleine Beträge. Ja, natürlich, es geht immer um kleine Beträge. Große gibt es bei Hartz IV nicht. Aber kaum jemand, der noch "normal" lebt, kann sich vorstellen, dass es genau diese kleinen Beträge sind, deren Fehlen eine Existenz restlos vernichten kann, dass Menschen wegen fehlenden 50 Euro verzweifeln.

Bettina Kenter, per E-Mail

Auch ich lebe leider vom Jobcenter. Wir haben nur Pflichten und keine Rechte, verstoßen wir dagegen, gibt es weniger oder gar kein Geld.

Wenn die Jobcenter gegen ihre Pflichten verstoßen, etwa den Arbeitssuchenden nicht bei der Jobsuche zu helfen, oder es werden wichtige Papiere verschlampt, dann werden wir auch dafür bestraft. Wenn man innerhalb einer Frist ein Formular nicht einreicht, wie etwa den Lohnnachweis (da ist man von der Schnelligkeit des Arbeitgebers abhängig) oder den Nachweis von der Familienkasse, dann wird die Leistung bis zu 100 Prozent gekürzt, ohne Vorankündigung. Oder wenn ein Dritter bei einem Antrag eine von fünf Unterschriften vergisst, dann muss man bis zu zwei Monate auf sein Geld warten. All dies ist meiner Freundin und mir passiert.

Stefan Fellgiebel, per E-Mail

Auch mich hat der Umgang mit dem Jobcenter derart krank gemacht, dass eine fachärztliche Behandlung mit medikamentöser Therapie notwendig wurde. Erwähnen möchte ich noch die finanzielle Situation wegen der völlig unzureichenden Regelsätze, die eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt nahezu unmöglich macht und eine würdevolle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben verhindert. SPD und Grüne erfreuen sich seit den Wahlen wachsender Beliebtheit, obwohl diese Parteien die Hartz-IV-Gesetze eingeführt haben, und Union und FDP führen eine Politik fort, in der die Bevölkerung rücksichtslos gegeneinander ausgespielt wird.

Uwe Burdinski, Charlottenburg

Mehr Transparenz zum Finanzstatus der Krankenkassen

Zum Artikel: "Steht auch meine Kasse vor der Pleite?" vom 23. Mai

Obwohl die Versicherten mit ihren Beiträgen und Zusatzbeiträgen im Wesentlichen die finanzielle Grundlage der gesetzlichen Krankenversicherung schaffen, besteht für sie kein Anspruch, über den gesamten Finanzstatus, insbesondere über die Verschuldung ihrer eigenen und aller anderen Krankenkassen informiert zu werden. Dies ist aber für die Ausübung ihres Kassenwahlrechts und nicht nur dafür unerlässlich, denn vor dem Hintergrund der verschuldeten Krankenkassen ermöglicht erst der Vergleich des Schuldenfinanzstatus zwischen der eigenen und den anderen Krankenkassen den Versicherten, die Krankenkasse zu wählen, die nicht von der Schließung oder der Erhebung beziehungsweise der Erhöhung ihrer Mittel bedroht ist. Dies ist inakzeptabel. Dies zeigt, dass die Versicherten weiterhin unmündig gehalten werden, indem man ihnen notwenige finanzielle Daten zur Ausübung des Kassenwahlrechts vorenthält. Damit werden auch die mit den GKV-Reformen verfolgten Ziele, wie die Förderung eigenverantwortlicher Entscheidungen und die Stärkung des Kostenbewusstseins der Versicherten, unvertretbar missachtet.

Dierk Stelzer, Wannsee

Beschwerliches Reisen mit vielen Hindernissen

Zum Artikel: "Südkreuz komplett" vom 26. Mai

Der Bahnhof ist keineswegs komplett. Nutzt man mangels anderer Gelegenheiten die Parkpalette, so steht man mit dem Gepäck seiner Gäste vor leeren Aufzugsschächten. Anstelle der Aufzugtüren nur Blechtafeln. An welchem der drei Fernbahnsteige der Zug abfährt, bleibt mangels Anzeigetafeln ein Geheimnis. So schleppt man sein Gepäck unter Umständen über drei Stockwerke zum falschen Gleis. So bleibt nur der weite und beschwerliche Umweg über die Verteilerebene des S-Bahnhofes. Nicht nur für Alte und Behinderte ist das eine Zumutung. Der westliche Vorplatz liegt im Dornröschenschlaf, Pkws dürfen dort nicht vorfahren. Weshalb, ist nicht nachvollziehbar. Nur ein paar einsame Busse und Taxen beleben die Ödnis. Die kleine Kehrschleife am Sachsendamm zum Absetzen der Fahrgäste ist viel zu weit weg. Auch hier zeigt sich: Nichts wird in Berlin zu Ende geplant.

Hans-Joachim Junge, Lankwitz