Leserbriefe

"Großer Glaubwürdigkeitsverlust"

Die Bürgerschaftswahl in Bremen hat erneut gezeugt, dass die CDU ihren Status als Volkspartei wie zuvor schon in Hamburg verloren hat. Für die Christdemokraten ist die Bremer Wahl mehr als ein Debakel. Als nur noch drittstärkste politische Kraft hinter den Grünen verlieren die Christdemokraten immer öfter ihre Regierungsfähigkeit. Das politische Vertrauen der Wähler in die CDU sinkt von Landtagswahl zu Landtagswahl. Auch die FDP entwickelt sich nicht nur in Bremen zu einem politischen Auslaufmodell ohne Bedeutung im bundesdeutschen Parteiensystem. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt das Wahlergebnis in Bremen erneut: Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist ein Kabinett auf Abruf.

Albert Alten, per E-Mail

Harold Camping sagte den Weltuntergang für den 21. Mai voraus. Ich glaube eher, er meinte das schwarz-gelbe Bremen-Desaster bei der Bürgerschaftswahl, wo die CDU hinter den Grünen nur noch drittstärkste Kraft wurde und die FDP abgeschlagen den Einzug in den Bremer Senat deutlich verfehlte. Dabei wurde der Zickzackkurs von Bundeskanzlerin Merkel und FDP-Chef Rösler in der AKW-Politik nach Baden-Württemberg ein zweites Mal rigoros abgestraft. Merkels Taktik ging wieder nicht auf. Ihr Stern sinkt unübersehbar, weil auch der letzte Bürger in Bremen nicht mehr versteht, warum zwar die Banken, die Unternehmen, Griechenland, Irland oder Portugal per Euro-Rettungsschirm unbedingt alternativlos gerettet werden müssen, aber Menschen mit Hartz IV, Hartz-IV-Aufstocker, die Rentner, die Geringverdiener und die Armen in Deutschland im Regen stehen gelassen werden. Die geringe Wahlbeteiligung von 54 Prozent beweist eindrucksvoll die hohe Politikverdrossenheit im Lande und den enormen Glaubwürdigkeitsverlust der schwarz-gelben Bundesregierung.

Roland Klose, per E-Mail

Auf wachsende Zahl der Senioren schlecht vorbereitet

Zum Artikel: "Deutschland altert weltweit am schnellsten" vom 19. Mai

Der demografische Wandel in den Industrieländern ist sicher ein großes Problem, umso mehr, als Deutschland dabei die Spitzenstellung einnimmt. Schlimm genug, dass wir auf die Folgeprobleme wie die wachsende Zahl der Senioren offenbar schlecht vorbereitet sind. Das Hauptproblem ist die Frage, was im Zuge dieser Entwicklung aus Deutschland wird, wenn zunächst die Innovationskraft erlahmt, später unser Land wegen fehlender Arbeitskräfte wirtschaftlich zurückfällt und schließlich durch starken Zuzug seinen jetzigen Charakter verliert. Das ist längerfristig das Hauptproblem.

Dieter Eifler, Rudow

Populistische Maßnahmen auf dem Weg in den Ruin

Zum Artikel: "Atomausstieg 2022 ist 'richtiger Zeitraum'" vom 22. Mai

Mit vermeintlich populistischen Maßnahmen löst man keine Probleme in unserem Lande. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit ihrer "Wendehalspolitik" die CDU ruiniert, jetzt macht der bayerische Ministerpräsident und Parteivorsitzende Horst Seehofer die Schwesterpartei CSU zu einer Allerwelts- und Splitterpartei. Nicht nur der überstürzte Atomausstieg, sondern vor allem die Zustimmung, den irrsinnigen Euro-Rettungsschirm weiter zu unterstützen, sind gravierende Fehlentscheidungen. Wer immer noch nicht einsieht, dass eine ins Unermessliche gesteigerte Verschuldung Deutschlands zugunsten von bankrotten Ländern, die ihre Kredite niemals zurückzahlen können und damit auch Deutschland in den Ruin treiben, die falsche Politik ist, ist unfähig, eine Volkspartei zu führen. Der Verzicht auf die Mitgliederbefragung zu diesem Thema ist ein politisches Armutszeugnis und darf nicht hingenommen werden.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Prestigeobjekt mit hohem wirtschaftlichem Risiko

Zum Artikel: "Olympia 2018: Rogge erwartet 'ein sehr knappes Rennen'" vom 19. Mai

Die Befürworter der Olympischen Winterspiele 2018 in Garmisch-Partenkirchen haben gesiegt, die Bewerbung wird beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht. Innerhalb der Bevölkerung war eine klare Mehrheit nicht zu erkennen. Die Befürworter argumentieren, dass Ansehen und Image der Bundesrepublik Deutschland gesteigert wird und die Wirtschaft gefördert wird. Auch vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wurde dies versprochen, eingetroffen ist es nicht. Wenn die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen durchgeführt werden, wird man auch dort am Ende wohl ein Minus feststellen müssen.

Detlef Alsbach, Köln