Leserbriefe

"Mindestlöhne sind unumgänglich"

Die Zahlen kommen nicht überraschend und sollten insbesondere jenen zu denken geben, die aus überlebten ideologischen Motiven immer noch einen gesetzlichen Mindestlohn ablehnen. Denn ein ausufernder Niedriglohnsektor wie in Deutschland im Allgemeinen und in Berlin im Speziellen bedeutet alles andere als einen guten Wachstumsmotor für eine Gesellschaft. Da er nicht nur die Moral in der Wirtschaft zunehmend untergräbt, sondern auch letztlich der Steuerzahler für den Geiz vieler Unternehmer, ihre Beschäftigten nicht mehr ausreichend und fair zu entlohnen, in Form von staatlichen Aufstockungen aufkommen muss. Was keinem geringen sozialen Foul entspricht und weswegen es zu einem Umdenken durch bessere von der Politik gesetzte ökonomische Anreize kommen muss. Zumal mittlerweile selbst des Sozialismus unverdächtige Orte wie Hongkong sich für allgemeine Mindestlöhne aussprechen, und damit in ihrem Denken wesentlich weiter als viele deutsche Politiker und Vorzeigevolkswirte sind.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Wenn man von dem parteipolitischen Gezänk (Wahlkampf) über Ursachen und Wirkung absieht, liegt doch die Begründung auf der Hand. Entweder sind die Löhne zu niedrig oder aber die Hartz-IV-Sätze zu hoch. Wenn die Hartz-IV-Sätze angehoben werden, ohne dass zugleich die Löhne steigen, so wird die Zahl der Aufstocker höher. Das niedrige Lohnniveau ist in erster Linie bei Ungelernten beziehungsweise bei Hilfsberufen zu registrieren. Hier trägt auch die öffentliche Hand ein Mitverschulden. Die Stellen der Niedriglohngruppen, für die ordentliche Tarifverträge galten (Gartenarbeiter, Reiniger, Wächter, Pförtner, Küchenkräfte, Fahrkartenverkäufer, Aufsichtspersonal) wurden gestrichen und die Aufgaben privatisiert. Dies brachte vordergründig erhebliche Einsparungen, obwohl klar sein musste, dass der private Übernehmer den niedrigeren Preis nur durch Lohnsenkungen, Erhöhung des Arbeitsmaßes oder durch Vernachlässigung der ordentlichen Erledigung anbieten konnte. Bei den Selbstständigen steigt die Anzahl der Aufstocker nicht zuletzt deshalb, weil kleine Handwerker gegen die Schwarzarbeit zu kämpfen haben und kleine Einzelhändler vielleicht noch zur fachmännischen Beratung aufgesucht werden, während die Beschaffung beim Discounter oder im Großmarkt erfolgt. Eine weitgehende Festlegung eines Mindestlohns würde zugleich einen Eingriff in die Vertragsfreiheit bedeuten. Immer mehr Regelungen zu Steuerungen machen den Staat und damit uns alle immer unbeweglicher, ohne eine echte Lösung zu bringen. Wir sollten uns darauf besinnen, dass es schon immer Arme und Reiche gegeben hat und dass der Wahlslogan "Wohlstand für alle" eine Utopie ist.

Dieter Meier, Tegel

Mögliche Terrorangriffe im Szenario nicht berücksichtigt

Zum Artikel: "Atomkraftwerke fallen bei Stresstest durch" vom 18. Mai

Dass viele Deutsche Atomkraftwerke nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert sind, ist in Fachkreisen seit Jahrzehnten bekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flieger genau auf den Reaktor fällt, ist fast vernachlässigbar. Natürlich gibt es ein Restrisiko. Unverantwortlich ist jedoch, dass gezielte Terrorangriffe, wie etwa der vom 11. September 2001 in New York, zu keiner neuen Bewertung und entsprechenden Konsequenzen geführt haben. Unverantwortlich auch die Laufzeitverlängerung der überalterten Technik, was selbst von Atomkraftbefürwortern kritisiert wird. Leider lassen Politiker wie Jürgen Trittin den Eindruck entstehen, dass mit dem Abschalten alles erledigt sei. Die Unfallrisiken, insbesondere durch Auswirkung von außen, bleiben jedoch noch Jahrzehnte bestehen, bis wieder strahlungsfreie grüne Wiesen entstanden sein werden. Wo der Ersatz für die fast CO2-neutrale Grundversorgung herkommt, wenn nicht aus ausländischen Atomkraftwerken, sagt Trittin aber nicht.

Frank Altstädt, Tempelhof

Die meisten Abfälle kommen von den Discountern

Zum Artikel: "Deutsche werfen tonnenweise Lebensmittel weg" vom 17. Mai

Ich wehre mich gegen die alleinige Behauptung der Vernichtung von Lebensmitteln durch den Endverbraucher. Die immense Anzahl der Supermärkte hat zur Folge: Jede Filiale bietet zur Befriedigung der Kunden das volle Sortiment an. Diese große Auswahl kann nie verkauft werden, und meine Recherche hat ergeben, dass nur ein äußerst geringer Teil zu wohltätigen Zwecken weitergegeben werden kann. Das ist bei der riesigen Anzahl der Läden auch verständlich. Was also passiert mit den Resten? Jeder kann sich darüber seine Gedanken machen. Also wäre es nur richtig, diese riesigen Mengen aus jeder Zählung und Betrachtung zu streichen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf