Leserbriefe

"Verbote besser kontrollieren"

Nach Aussagen von BVG-Sprecherin Petra Reetz gibt es auf Berlins U-Bahnhöfen schon längere Zeit ein Verbot, übermäßig Alkohol zu konsumieren. Da stellt sich die Frage, warum seit Jahren nichts bei Verstößen dagegen unternommen wurde? Die U-Bahnhöfe sind verdreckt, es wird gesoffen und geraucht, aber vonseiten der BVG ist kein Personal vorhanden, dies zu kontrollieren und zu unterbinden. Darum sollen sich lieber die Fahrgäste kümmern und gegebenenfalls einschreiten. Warum haben BVG und Senat so lange stillgehalten? Es muss sofort Personal auf die U-Bahnhöfe. Wenn dafür eine Fahrpreiserhöhung nötig ist, dann ist das so. Auf keinen Fall aber darf aus wahltaktischen Gründen bis nach der Wahl gewartet werden.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Wir befinden uns auf einem immer schnelleren Weg in einen Bevormundungsstaat. Gestern hat man die Raucher aus den Gaststätten verbannt, heute will man ein Bier in der Bahn verbieten, morgen dürfen wir nur noch korrekte Lebensmittel essen. Heizpilze in Gartenlokalen und Glühbirnen sind ohnehin schon tabu. Berlin braucht kein Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln. Stark alkoholisierten Personen ist es ohnehin schon nicht erlaubt, in S- und U-Bahnen einzusteigen. Aber was ist dagegen einzuwenden, wenn sich ein Arbeiter nach Feierabend an einem heißen Tag in der Bahn ein kühles Bier aufmachen möchte? Das stört nicht mehr oder weniger als anderer Getränkekonsum. Wenn Getränkeverbot in der Bahn, dann für alle. Die meisten Menschen, die in der Bahn ihr Bier trinken, machen dies friedlich, ohne irgendjemanden zu stören. Sie nun an den Pranger zu stellen und Bier in den Bahnen verbieten zu wollen geht weit über das Ziel hinaus. Das Argument, dass sich manch einer wegen feiernder Jungendlicher nicht mehr in die Bahn traut, kann ich nicht gelten lassen. Größere Gruppen ausgelassener Halbwüchsiger sind immer problematisch, ob nun mit oder ohne Alkohol. Auch in meiner Zeit gab es Gruppen von Jugendlichen in der S-Bahn, die sehr bedrohlich wirkten, obwohl sie allesamt nüchtern waren. Wollen S-Bahn und BVG jetzt auch noch große Gruppen von Jugendlichen verbieten?

Veronika Richter, per E-Mail

Ausgleich aus Gesundheitsfonds notwendig

Zum Artikel: "Patienten-Geschacher nach BKK-Pleite" vom 13. Mai

Die Reduzierung der Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen ist erklärtes Ziel der Politik. Pleiten werden dabei billigend in Kauf genommen. Der knallharte Wettbewerb soll entscheiden. Kann dies das Ziel eines Sozialstaates sein? So ist es doch den im Wettbewerb stehenden Kassen nicht zu verdenken, dass sie sich die Risiken nach Möglichkeit aussuchen und hohe Risiken möglichst an andere Krankenkassen abschieben. Keiner möchte den Weg der City BKK gehen. So lange unsere Politiker das System der gesetzlichen Krankenkassen offensichtlich nicht richtig verstanden haben und verkennen, dass gesetzliche Krankenkassen Aufgaben des Staates für den sozialen Frieden übernehmen, wird es nicht die letzte Kasse sein, die schließen muss. Es muss ein tatsächlich ausreichender Ausgleich aus dem Gesundheitsfonds für die alten und kranken Versicherten gewährt werden. Dann würden die Bedürftigen nicht mehr abgewiesen. Es werden noch viele Versicherte den unwürdigen Bittgang zu anderen Krankenkassen gehen müssen. Die City BKK ist eine kleine Kasse mit vergleichsweise wenigen Mitgliedern. Nicht auszudenken was passiert, wenn eine große Kassen mit eventuell hohem Rentneranteil schließen muss.

Bernd Zilvar, per E-Mail

Polizeipräsident mit Visionen und Rückhalt erforderlich

Zum Artikel: "Schnelle Glietsch-Nachfolge droht zu scheitern" vom 14. Mai

Ich beglückwünsche den Innensenator zu seiner innovativen Personalplanung bei der Nachfolge des Polizeipräsidenten. Die diskutierte Besetzung mit einem wegen eines Burn-out-Syndroms vorzeitig in den Ruhestand versetzten Bewerber halte ich für einen ganz wesentlichen Beitrag für das bekannte Bemühen der Innenverwaltung um Deeskalation bei der Polizei.

Bernd Walter, per E-Mail

Danke an Innensenator Ehrhard Körting, dass er sich der Geduld nicht berauben lässt, einen geeigneten Kandidaten dem Senat vorzustellen. Innere Sicherheit ist der Garant für inneren und sozialen Frieden. Beide Säulen stehen spätestens seit der Häufung von kapitalen Straftaten in der Öffentlichkeit massiv infrage. Es wird sich zu Recht über Einsparungen bei der Polizei beklagt. Hoffen wir für Berlin und die inneren Sicherheit, dass ein Präsident gefunden wird, der Notwendigkeiten erkennt und umsetzt.

Ulrich Merz, per E-Mail