Leserbriefe

"Glaubwürdigkeit verspielt"

Es wird immer deutlicher, dass uns die Politik an der Nase herumführt. Zuerst mussten Tempelhof und Tegel geschlossen werden, weil Flugbetrieb über der Stadt zu laut und zu gefährlich ist. Dann stellt man überrascht fest, dass es durch die Lage des BBI auch weiterhin Überflüge über der Stadt geben wird. Jetzt wird den Wählern wieder Sand in die Augen gestreut, indem man ihnen vorgaukelt, über die Flugrouten könnte noch verhandelt werden. Dabei sind die Äußerungen der Deutschen Flugsicherung eindeutig, dass die vorgeschlagene Alternative über den westlichen Berliner Ring nicht infrage kommt.

Jörg Manteuffel, Groß Glienicke

Alle reden immer nur vom Start Richtung Westen. Seit Ostern haben wir aber nur Ostwind. Alle Bohnsdorfer müssen bei sonnigem Wetter ihre Gärten verwaisen lassen, wegen des Lärms startender Flugzeuge. Schon deshalb muss unbedingt ein Nachtflugverbot durchgesetzt werden.

Bernd Quade, Bohnsdorf

Das ist doch mal eine außerordentlich gute Nachricht. Steglitz-Zehlendorf und die westlichen Umlandgebiete können neu hoffen, vom BBI verschont zu werden. Womit hat man eigentlich dieses Glück verdient? Menschen in Mahlow, Blankenfelde, Eichwalde, Schulzendorf, Köpenick, Bohnsdorf oder Rudow protestieren sich seit Beginn der Bautätigkeiten die Seele aus dem Leib, um vor Lärm geschützt zu sein. Ein Erfolg ist nicht wirklich sichtbar. Und siehe da, plötzlich melden sich Stimmen aus dem Südwesten der Stadt - und erstaunlicherweise finden diese sofort Gehör.

Bärbel Hartenstein, per E-Mail

Man darf gespannt sein, wann endlich die Flugrouten für alle Beteiligten befriedigend geregelt sind. Auf jeden Fall muss festgestellt werden: Alle Flüge sollen nach Schönefeld verlegt werden, natürlich; denn die beiden Flughäfen Tegel und Tempelhof liegen mitten in der Stadt. Das geht nicht. Aber von Schönefeld sollen die Flugzeuge auch nicht starten, denn das macht ja Krach und stört die unmittelbaren Anwohner. Was wollen die Bürger eigentlich? Anstatt die Flughäfen Tegel und Tempelhof im Betrieb zu halten, um Schönefeld etwas zu entlasten, wird geschlossen und alle Flüge zum BBI verlegt, damit wirklich sämtliche Flüge von dort abgehen. Ein Kompromiss wäre günstiger. Aber für solche Zwischenlösungen fehlen Mut und Kompetenz.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Der Streit um die Flugrouten am BBI nimmt zunehmend das Format einer Provinzposse an. So ist davon die Rede, dass der BBI ein Regionalflughafen und kein Drehkreuz sein soll. Der Begriff Drehkreuz ist keine planungsrechtliche Kategorie, sondern beschreibt die Weise, wie die Fluggesellschaften ihn nutzen. Nun hat Berlin vor der Schließung von Tempelhof drei internationale Flughäfen mit sechs Start- und Landebahnen gehabt. Künftig werden es am BBI nur zwei sein.

Schon das verlangt, dass man diese optimal nutzt.

Allen Betroffenen ist in der Lärmkommission viel Raum für ihre Argumente gegeben worden, und die Deutsche Flugsicherung ist auf viele davon eingegangen. Manches ist dabei verbessert worden. Dass die Flugzeuge aber erst in gut 3000 Metern Höhe auf Kurs gehen können, ist nicht hinnehmbar. Dieser Vorschlag kostet Zeit, Kerosin und mindert deutlich die Kapazität des BBI.

Und was den Fluglärm angeht, so werden - bei welcher Entscheidung auch immer - in Berlin und Umgebung weniger Einwohner davon belästigt werden als je zuvor.

Dr. Heinz Schulz, Potsdam

Mehrfach wurde berichtet, "Flugzeuge können ab einer bestimmten Flughöhe nach Freigabe durch die Flugsicherung in Eigenregie abdrehen". Richtig ist, dass Flugzeuge niemals in Eigenregie fliegen, sondern immer den Anweisungen der Flugsicherung zu folgen haben.

Klaus Hartemink, per E-Mail

Wie ernst muss die Flugsicherung die mittlerweile aufgeblähte und nicht wirklich handlungsfähige Fluglärmkommission überhaupt noch nehmen? Die als Kompromiss nach außen getragenen Vorschläge von März, April und Mai sind bei genauer Betrachtung ein Überstimmen der wirklich von Fluglärm Betroffenen durch die von Fluglärmbelästigung bedrohten Anwohner insbesondere der südwestlichen Bezirke. Die äußerst vorsichtigen Äußerungen der Flugsicherung lassen erkennen, dass diese das Zustandekommen dieser Vorschläge genau verfolgt und offenbar eine klare Wahrnehmung dafür hat, dass letzten Endes eine maximale Verlärmung der schon vorher betroffenen Gemeinden und die maximale Verschonung unserer Südwestregion beschlossen wird. Ich könnte es verstehen, denn die Fluglärmkommission hat ihre Glaubwürdigkeit als Lärmreduzierer verspielt - und die Flugsicherung wird sich um die Umsetzung der Empfehlungen einer solchen Kommission kaum mit Elan bemühen.

Rene Albus, Zehlendorf