Leserbriefe

"Tarifpolitischer Imperialismus"

Es ärgert mich, wenn ich immer öfter von Streiks lesen muss, die immer rücksichtsloser gegen Patienten, Bahnkunden und in anderen öffentlichkeitswirksamen Bereichen durchgeführt werden. Dabei gebärden sich die Funktionäre von Ver.di besonders rigoros. Die wirtschaftliche Lage der bestreikten Betriebe und die Auswirkungen auf die Preise der entsprechenden Dienstleistungen werden total ignoriert. Es muss Schluss gemacht werden mit dem tarifpolitischen Imperialismus.

Wolfgang Heller, Westend

Ich bin Pfleger auf der operativen Intensivstation im Campus Benjamin Franklin und finde es durchaus erwähnenswert, dass beim letzten Ärztestreik (der etwa 16 Prozent Lohnerhöhung brachte) ebenfalls Intensivstationen und Rettungsstellen bestreikt wurden und es damals nur eine Notversorgung gab. Ein Streik ohne diese bedeutenden Bereiche ist eben nicht mehr als ein Witz. Denn würden wir auf unserer chirurgischen Intensivstation nicht streiken, so hätten die Operateure keine Gründe, nicht normal zu operieren. Denn ob und wie die Kollegen auf den bestreikten Normalstationen zurechtkommen würden, wäre vielen der ärztlichen Kollegen egal.

Diese Behauptung wurde in den vergangen Tagen des Öfteren durch Aussagen von leitenden Ärzten unterstrichen. Uns wurde bereits vor dem Streik mit Staatsanwaltschaft und Polizei gedroht.

M. Grieße, per E-Mail

Aus vielen Pflegebedürftigen werden Almosenempfänger

Zum Artikel: "Jeder soll künftig ein Jahr Pflege selbst bezahlen" vom 3. Mai

Die kurze Notiz zum Thema Reform der Pflegeversicherung zeigt wieder einmal, wie abgehoben Politiker und ihre angeblichen Sachverständigen sind. Wenn Professor Raffelhüschen meint, dass ein Normalbürger mit durchschnittlichem Einkommen im Laufe seines Lebens so viel sparen kann, dass er ein, zwei oder sogar drei Jahre die Pflege im Heim allein finanzieren kann, so irrt er gewaltig. Nur wenige haben ein professorales Einkommen. Die von ihm angedachten finanziellen Vorschläge werden aus vielen Pflegebedürftigen Almosenempfänger machen, obgleich sie ein Leben lang gearbeitet und Kinder großgezogen haben, vielleicht unter Entbehrungen ein kleines Häuschen gebaut haben. Es kann nicht Sinn unserer Gesellschaft sein, dass hemmungslos die wehrlosesten Mitbürger, nämlich Alte, Kranke und Behinderte, immer wieder abgezockt werden sollen, bis sie um ein Taschengeld dann womöglich auch noch betteln müssen. Es scheint sich mit Pflegebedürftigen ein außerordentlich gutes Geschäft machen zu lassen (Investitionskostenzuschläge), nicht umsonst sind Heime nach der Einführung der Pflegeversicherung wie Pilze aus dem Boden geschossen; die Pflegekosten haben sich seither annähernd verdoppelt, natürlich nicht die Gehälter der Pfleger und Pflegerinnen.

Monika Weber, per E-Mail

Patienten können viel aus Praxisalltag berichten

Zum Artikel: "Ärzte fürchten Bewertung im Internet" vom 4. Mai

Das wird allerhöchste Zeit! Anderthalb Stunden Wartezeit und dann wenige Minuten Behandlung, ohne dass etwa ein HNO-Arzt einem ins Ohr sieht. Beschwerden bei den Krankenkassen gingen ins Leere. Wenn im Warteraum einer Steglitzer Hautärztin steht, bitte kommen Sie nur einmal im Quartal, weil ich mehr nicht bezahlt bekomme, ist das schon erwähnenswert. Es gäbe eine Menge zu berichten.

Annemarie Wachsmann, per E-Mail

Vitrinen sind unwürdig, zu simpel und ohne Esprit bestückt

Zum Artikel: "125 Jahre - der Kudamm als Lebensgefühl" vom 3. Mai

Die Vitrinen auf dem Kudamm sind bestückt. Dolle sehen sie nicht aus, für ein solches bedeutendes Jubiläum unwürdig, zu einfach, zu simpel, kein Esprit. Auch fehlt das neue goldene Logo des Kudamms, das ja ganz schön geraten ist.

Hanna Hirschmann, Grunewald

Entscheidung nicht im Interesse der Bevölkerung

Zum Artikel: " Die Haft nach der Haft muss neu geregelt werden" vom 5. Mai

Unser Rechtsstaat verkommt zu einem bürokratischen Rechtsmittelstaat. Es ist ungeheuerlich, dass einige Richter in Karlsruhe unter Fehlinterpretation des Freiheitsbegriffes und rein formaljuristisch begründet die Freiheit von bestialischen Verbrechern höher einstufen als den Schutz des Lebens unschuldiger Kinder. Sie stellen sich damit gegen den Willen einer Mehrheit der Bevölkerung.

Herbert Gaiser, per E-Mail