Leserbriefe

"Sparen an der falschen Stelle"

Unsere Politiker betonen in ihren Sonntagsreden immer so schön, dass die Jugend unsere Zukunft ist. Doch wenn man die Realität betrachtet, sieht es ganz anders aus. Es ist völlig falsch, wenn man im Senat und in den Bezirken immer wieder den Rotstift dort ansetzt, wo es um Institutionen und Fördermaßnahmen im Jugendbereich geht. Gerade der Sport und vor allen Dingen die Musik sind wichtig für die Entwicklung jugendlicher Persönlichkeiten. Wer hier spart, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Kriminalität und Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen weiter ansteigen wird, denn die Politiker sind es letztlich, die durch ihr unverantwortliches Handeln die Rahmenbedingungen dafür erst schaffen.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Da kürzt ein unbedarfter Stadtrat einem nachgewiesen erfolgreichen Jugendorchester mal schnell zehn- oder zwanzigtausend Euro der Zuschüsse, weil er ein anderes Konzept möchte. Welch ein kleiner Geist ist da wohl am Werke gewesen. Lautet nicht das Erfolgskonzept zur Verringerung der Jugendkriminalität "Runter von der Straße"? Muss man doch leider allmorgendlich von neuen brutalen Körperverletzungen durch Jugendliche lesen, deren Resozialisierung viele Tausende Euro pro Täter kosten kann. Hat nicht ein Stadtrat, der mit der Jugendförderung derart Schindluder treibt, seine Unfähigkeit für dieses Amt bewiesen?

Marcel A. Hoffmann, Eichwalde

Staatliche Kontrolle ist wesentlich umfangreicher

Zum Artikel: "Wir brauchen im Netz ein Recht auf Vergessen" vom 2. Mai

Erbarmungslos, nach dem Buchstaben des Gesetzes, meist ohne Vorwarnung wurde rund eine halbe Milliarde an Riesterzulagen von 1,5 Millionen Versicherten zurückgebucht, weil sie die komplizierten Vorschriften nicht eingehalten haben. Die systematische Kontrolle der Riester-Verträge ist möglich, weil die Zulagenstelle inzwischen vollständig mit den Meldebehörden, der Rentenversicherung, den Familienkassen und dem Finanzamt vernetzt ist. Schon Neugeborene bekommen als Begrüßung und zur Identifizierung die lebenslängliche Steuernummer verpasst. Soweit das Recht, unbeobachtet zu sein. Mehr als im Internet sind wir staatlich verdrahtet und ständig kontrollierbar.

Dr. Alois Lipka, per E-Mail

Einnahmen aus Eintrittsgeldern werden dringend benötigt

Zum Artikel: "Park Sanssouci: Erst das Ticket, dann der Genuss" vom 28. April

Die Politiker lassen keine Gelegenheit aus, uns Bürger mit Gebühren- und Steuererhöhungen zu belasten, und finden es nun unzumutbar, Eintrittsgelder für Sanssouci zu verlangen. Aber ohne Mithilfe der Bürger würde dieses wertvolle Kulturgut unserer Nation auch für künftige Generationen nicht mehr zu erhalten sein. Es würde dann wahrscheinlich nur noch eine vergammelte Wiese mit Müll geben. Man fragt sich schon, welchen geistigen Horizont unsere Politiker haben und sich nicht schämen, ihre Denkweise in die Öffentlichkeit zu tragen - und das bei zwei Euro Eintrittsgeld. Bei unserem französischen Nachbarn liegen bei vergleichbaren historischen Anlagen die Eintrittsgelder bei zehn Euro und sogar darüber. Und es kommt dort nicht ein Tourist weniger. Von einem befürchteten Einbruch bei den Besucherzahlen zu sprechen ist lachhaft. Für die Potsdamer gäbe es mehrere Möglichkeiten für freien Eintritt, etwa die Vorlage des Personalausweises.

Frank Giessau, per E-Mail

Geeignete Kandidaten setzen sich ohne derartige Regelung durch

Zum Artikel: "Integration: SPD plant Migrantenquote für Parteiführung" vom 3. Mai

Nach Artikel 3 des Grundgesetzes und Artikel 10 der Verfassung von Berlin sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Wenn alle Institutionen diesen Grundsatz beachten, sind Quotenregelungen für Frauen, Migranten, nach Ost-/Westherkunft oder Glaubenzugehörigkeit überflüssig. Wenn jetzt die SPD-Parteiführung unter Hinweis auf die Debatten über Thilo Sarrazin sogar eine Quote für Migranten in Führungsämtern der Partei anstrebt, beschreitet sie den falschen Weg. Auch in der Vergangenheit haben sich geeignete Frauen und Männer mit Migrationshintergrund durchgesetzt, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen für eine Funktion erfüllten. Ich bezweifle, dass bei Beachtung der jeweils gewünschten Quoten wirklich noch der geeignetste Bewerber gefunden werden kann. Ich kann mir kaum vorstellen, dass derartige Überlegungen in anderen modernen Demokratien jemals angestellt worden sind. Wenn man es humorig ausdrückt, so ähnelt es der Suche nach einer Eier legenden Wollmilchsau.

Dieter Meier, Tegel