Leserbriefe

"Vollständiger Verzicht schwierig"

| Lesedauer: 4 Minuten

Die Ostermarschierer sind nichts anderes als Hobbydemonstranten. Wenn sie nach Hause gehen, zapfen sie - wie wir alle - den Strom aus der Steckdose ab, der bekanntlich zu einem Drittel aus Atomkraftwerken stammt, demnächst aus Anlagen aus Frankreich und Tschechien. Was sich hier abspielt, ist nicht mehr nachvollziehbar, schade nur, dass unsere Regierung darauf hereinfällt! Was für ein Irrsinn? Und auch die Ukraine macht keine Anstalten, künftig auf die Kernenergie zu verzichten. Trotz Tschernobyl will man dort weitere Kernkraftwerke bauen.

Christian Lukner, per E-Mail

Ich möchte nach den schrecklichen Bildern aus Japan das sehr emotional besetzte Thema der Atomkraft und die Diskussionen darüber versachlicht sehen. Die "harten" Fakten sind, dass derzeit etwa 23 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs durch Atomstrom gedeckt wird, der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung beträgt weniger als 16 Prozent. Bis wir die Atomkraft durch erneuerbare Energien ersetzen können, ist es noch ein langer Weg. Bis dahin brauchen wir die Atomkraft als Übergangslösung. Ob bei dem derzeitigen Strombedarf und einem stetigen Wirtschaftswachstum die erneuerbaren Energien die Atomkraft jemals vollständig ersetzen können, ist fraglich. Was die Machbarkeit des Atomausstiegs betrifft, verunsichern einige Politiker die Bürger zum Teil durch Unwissen und Unwahrheiten. Damit sich jeder Bürger selbst eine Meinung darüber bilden kann, ob wir wirklich auf Atomstrom verzichten können und wollen, schlage ich vor, für drei Tage die deutschen Atomkraftwerke abzuschalten und auch keinen Atomstrom zu importieren. Ich bin sicher, dass dieses kurzzeitige und volkswirtschaftlich vertretbare "Experiment" jedem Bürger eindrücklich vor Augen führen wird, ob und inwiefern uns die Entscheidung, für immer ganz auf Atomstrom zu verzichten, in unserem täglichen Leben beeinflussen würde. Die von den Bürgern in ihren konkreten Lebenssituationen gemachten Erfahrungen werden die gesellschaftspolitische Diskussion über den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft über Parteigrenzen hinweg beeinflussen.

Volker Koschay, per E-Mail

Stadtparks sind keine Biotope und Rosengärten

Zum Artikel: "Sonne, Park - und der Müll der anderen" vom 27. April

Im Mauerpark habe ich bereits seit Wochen das Gefühl, als ob im Vorlauf zum 1. Mai die Reinigung nicht mehr wirklich stattfindet. Ansonsten ist das Thema Grillen im Park derselbe Kalauer wie jedes Jahr. Und trotz allem: Stadtparks sind keine Biotope und Rosengärten, solche haben woanders ihren Platz.

Alexander Erban, per E-Mail

Bürokratie-Monster hilft Bedürftigen nicht wirklich

Zum Artikel: "Bildungspaket - Leyen fordert von den Eltern mehr Initiative" vom 24. April

Das Bildungspaket der Bundesregierung wird bundesweit nur von zwei bis drei Prozent der Betroffenen genutzt. Dieses Bildungspaket sollte ursprünglich Hartz-IV-Familien mit Kindern entlasten. Das Gegenteil ist der Fall: Die Bürokratie macht dieses Paket zunichte. Ad absurdum führt sich dieses Regelwerk, wenn arme Familien zur Inanspruchnahme des Bildungspakets mehr bezahlen müssen als vorher. Wenn allein die Anträge für die Vereinspauschale eine mehrmalige Rückkoppelung mit den Vereinen sowie einer Unmenge an beglaubigten Kopien als Anlage zum Antrag erforderlich machen, so erstickt dieses Bildungspaket mit seinen minimalen Finanzspritzen jegliche Initiative der betroffenen Familien. Dieses Bürokratie-Monster hilft den Betroffenen nicht wirklich, am gesellschaftlichen Vereinsleben teilnehmen zu können.

Albert Alten, per E-Mail

Gesamte Bahnorganisation nicht mehr zeitgemäß

Zum Artikel: "Zug überfüllt - Fahrgäste müssen ICE verlassen" vom 25. April (online)

Auch im industrialisierten Japan mit der räumlichen Enge fährt niemand mit dem Shinkansen ohne eine Platzreservierung, die ergibt sich automatisch wie bei einer Flugbuchung. Dort leben 100 Millionen Menschen auf engstem Raum, ähnlich viele wie bei uns. Der Vorteil dort: Es fährt alle 15 Minuten ein Zug etwa zwischen Tokio und Osaka. Die Deutsche Bahn hat es leider versäumt, über Jahre hinweg vernünftige Gleisstrukturen zu schaffen. Selbst auf der Neubaustrecke Nürnberg-München quälen sich ICE, Regionalexpress und Regionalbahn. Fazit: Die gesamte Organisation bei der Bahn stimmt einfach nicht.

B. Christophe, per E-Mail