Leserbriefe

"Ansehen der SPD geschadet"

Die Schiedskommission hat entschieden. In einer Demokratie hat man nicht nur andere Meinungen zu akzeptieren, es gehört auch zum demokratischen Geschäft, einen Schiedsspruch hinzunehmen, auch wenn dieser einem nicht gefällt.

Dieter Uffelmann, per E-Mail

Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet die SPD, eine Volkspartei mit langer und demokratischer Vergangenheit, heute ihre potenziellen Wähler verprellt und einen Mann wie Sarrazin nach wie vor in ihren Reihen duldet. Welche Wähler-Klientel möchte sich die SPD mit dieser Entscheidung erschließen?

Michael Hirdes, per E-Mail

In unserer Demokratie kann jeder seine Meinung frei äußern, doch muss die SPD deshalb weiterhin einem Mann wie Thilo Sarrazin eine Heimat bieten? Seine umstrittenen Thesen und Äußerungen zu Hartz-IV-Empfängern und Migranten sind meiner Ansicht nach mit einer sozialdemokratischen Partei unvereinbar. Das durchschaubare wahltaktische Manöver wird der SPD eher schaden als nützen.

Thomas Henschke, Waidmannslust

In seiner Erklärung nimmt Sarrazin zwar nichts von seinen umstrittenen Thesen zur Ausländerpolitik zurück, schlägt aber einen versöhnlichen Ton an. Aber bei Lichte besehen ist dieser Burgfrieden nur ein fauler Kompromiss. Womöglich tritt Sarrazin jetzt sogar als Wahlkämpfer für die SPD in Berlin an.

Hanskarl Hindenberg, Lichtenrade

Thilo Sarrazin wird fälschlicherweise auf seine Äußerungen zu den Migranten reduziert. Dabei beschreibt er in seinem Buch viel mehr, was in Deutschland schiefläuft, etwa in der Berliner Schulpolitik. Die Hauptstadt gibt am meisten für ihre Schüler aus, erzielt aber überwiegend die schlechtesten Ergebnisse. All das beschreibt Sarrazin. Und er wird nach wie vor beschimpft, allerdings vornehmlich vom linken Flügel seiner Partei und anderen linken Politikern. Wohl nur deshalb, weil man viele Realitäten nicht wahrhaben will. Fazit: Thilo Sarrazin hat in seinem Buch viele Dinge wahrheitsgemäß dargestellt. Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky hat sich immer wieder ähnlich geäußert. Auch er ist in seiner Partei nicht unbedingt der Liebling. Der Beschluss, den Antrag auf Parteiausschluss zurückzunehmen, war richtig. Dass die Parteioberen ein Problem mit der Begründung dieser Rücknahme haben, hätten sich diese Leute früher überlegen müssen.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Die SPD schmückt sich mit zweifelhaftem Demokratieverständnis. Meine Frage an Herrn Sarrazin: Was machen Sie mit den Einnahmen aus dem Buchverkauf? Hier wäre es angebracht, diese Einnahmen für einen guten Zweck, etwa zur besseren Integration der von ihm verunglimpften Menschen, zu spenden.

Andreas Großmann, per E-Mail

Sarrazin bleibt (vorerst?) in der SPD. Sehr zum Ärger derer, die nicht begriffen haben, dass seine Meinung auch in der SPD-Anhängerschaft mehrheitlich gebilligt wird. Die Parteiführung fürchtet deshalb bei einem Rausschmiss Stimmenverluste. Und die kann sich die SPD nun wahrlich nicht mehr leisten.

Helmut Maier, Westend

Gut, dass es doch noch Gerechtigkeit gibt und Wahrheiten auch in der SPD gesagt werden dürfen. Es ist zu hoffen, dass bei der SPD die Rede und Meinungsfreiheit wiederhergestellt ist, die seitens der SPD-Oberen außer Kraft gesetzt war. Die SPD-Basis muss sich ernsthaft die Frage stellen, haben die Antragsteller, die Sarrazins Rausschmiss gefordert haben, nicht das Ansehen der SPD nachhaltig geschädigt und müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden? Der Großteil der Mitglieder war immer gegen dieses Verfahren, da er die Richtigkeit von Sarrazins Thesen im Alltag erlebt.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Wer ein derartiges Verfahren einleitet, der muss es auch durchziehen. Sarrazin hat sich nur unzureichend von seinen verfehlten Äußerungen distanziert. Hätte er seine integrationsfeindlichen Thesen aus seinem Buch tatsächlich bereut, hätte er die Einnahmen aus der Veröffentlichung integrativen Zwecken gespendet.

Heiko Bitterhoff, per E-Mail

Ich finde es gut, dass Sarrazin SPD-Mitglied bleibt. Nach unserem Grundgesetz hat nämlich jeder das Recht der freien Meinungsäußerung. Nichts anderes hat Sarrazin getan. Er hat sich mit der deutschen Migrationsproblematik beschäftigt, sie analysiert und Schlussfolgerungen gezogen. Warum haben viele Immigranten aus der Türkei und arabischen Ländern Schwierigkeiten mit unserem Schulsystem und am Arbeitsmarkt?

Norbert Neugebauer, Mitte