Leserbriefe

"Mehr Liebe und Zuwendung"

Organisierte Verantwortungslosigkeit heißt, dass die Gesellschaft und der Staat zunächst die zentrale Bedeutung intakter Familien nicht geschätzt und sich stattdessen angemaßt haben, die Familie und Eltern ersetzen zu können. So haben es sich viele Eltern einfach gemacht und sich zurückgezogen, der Staat (die Schule) soll es doch richten. Schnell heißt es heute, die Eltern sind überfordert oder arm. Aber Kinder benötigen zunächst keine materiellen Güter. Sie brauchen mehr Liebe und Zuwendung, um gesund aufzuwachsen. Auch arme Eltern können sich mit ihren Kindern beschäftigen, mit ihnen sprechen, lesen, sich bewegen und sie schützen. Würden Kinder so auf das Leben vorbereitet, gäbe es diese derzeit schlimmen Zustände in unseren Schulen nicht.

Peter Reimann, Prenzlauer Berg

Manchmal frage ich mich sorgenvoll, wie unsere Gesellschaft in etwa 20 bis 30 Jahren aussieht. Ich bin selbst als Nachkriegskind (Jahrgang 1954) relativ behütet aufgewachsen. Kein Fernsehen, kein Handy, kein Internet. Stattdessen Hausmusik, Geschichten vorlesen, Plätzchen backen, und alles immer in gemütlicher Ruhe. Ich habe versucht, meinen eigenen Kinder (Jahrgang 1979 und 1981) ein Stück davon mitzugeben, zumindest was Liebe, Fürsorge und Geborgenheit betraf. Die heutige Zeit ist extrem schnelllebig. Lehrer können nicht das ausgleichen, wozu Eltern heutzutage aus Überforderung oder Desinteresse nicht mehr in der Lage sind. Lehrer zu sein bedeutet, Wissen zu vermitteln und nicht Kindern erst das menschliche Einmaleins beizubringen. Ich bin der Meinung, dass sich Lehrer durch die Vielzahl der Reformen, die in den letzten Jahren erfolgten, sehr im Stich gelassen fühlen müssen. Früher habe ich Lehrer wegen ihrer vielen Freizeit beneidet, heute möchte ich mit keinem tauschen.

Monika Pasutti, per E-Mail

Wir brauchen auch künftig Handwerker und Verkäuferinnen

Zum Artikel: ",Kinder sind keine Versuchskaninchen, sondern unsere Zukunft'" vom 20. April

Mit Erstaunen verfolge ich die Diskussion um die Vergabepraxis an den Berliner Oberschulen. Da schreiben Eltern, ihr Kind habe "hart gearbeitet" und einen guten Durchschnitt von 2,7 erzielt. Ich finde einen Schnitt von 2,7 für die Grundschule relativ schlecht. Es muss aber auch nicht jeder Abitur machen. Wir brauchen auch künftig Handwerker und Verkäuferinnen. Dass die Höchstquote der für das Gymnasium empfohlenen Kinder an den Sekundarschulen eingehalten wird, ist jedoch wichtig. Außerdem müssen diese Schulen personell besser ausgestattet werden. Auch beim alten Vergabesystem hat nicht jedes Kind seine Wunschschule bekommen. Ich finde es richtig, dass Leistung das erste Auswahlkriterium ist.

Nina Kluge, per E-Mail

Preiserhöhungen mit professioneller Schamlosigkeit

Zum Artikel: "Und wieder steigen zu Ostern die Benzinpreise" vom 21. April

Pünktlich zu den Ostertagen haben die Mineralölmultis erneut mit professioneller Schamlosigkeit die Benzinpreise erhöht. Die fadenscheinigen Ausreden für diese Erhöhung glaubt kein Mensch mehr. Es wäre schön, wenn der Benzinpreis sich nicht nach den Sonn- und Feiertagen richtet. Auch unsere Politiker sollten nicht lauthals protestieren. Denn mit bis zu 85 Cent pro Liter Benzin greift der Staat den Autofahrern mit seiner Mineralölsteuer tief in die Tasche. Während das Volk kleine Autos mit Energiespareffekt fahren soll, gönnen sich unsere Politiker Luxusschlitten.

Albert Alten, per E-Mail

Nach Knuts Tod ist Rückgang der Besucherzahlen zu erwarten

Zum Artikel: "Diepgen warnt vor Förderstopp für den Zoo" vom 20. April

Bislang konnte man dem Finanzsenator nur zustimmen, wenn er sich etwa bei seinen Besuchen im Tierpark zum Fortbestand und zur Fortentwicklung auch des Zoos geäußert hat. In Schieflage geraten seine Argumente, wenn es um künftige Zuwendungen an den Zoo geht. Da soll es ab 2012 keine Finanzmittel mehr geben, die Planungssicherheit des Zoos gerät so unter gewaltigen Druck. Zu Recht erhält der Finanzsenator daher Schelte vom ehemaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen. Nicht nur durch den Tod des Eisbären Knut wird die Zahl der Besucher deutlich sinken. Das wird sich auf die Einnahmen des Zoos auswirken. Zoologische Gärten sind eigentlich keine Einrichtungen, die dafür geschaffen wurden, gewinnbringend zu arbeiten. Sie sind zuerst Bildungs- und Erholungsstätten, dienen dem Artenschutz und haben einen Forschungsauftrag. Nahezu alle deutschen Zoos sind Zuschussbetriebe und werden von Kommunen oder den Bundesländern gefördert.

Christian Heidt, per E-Mail