Leserbriefe

"Weiterer Schuldenerlass nötig"

Die Diskussion über die Umschuldung Griechenlands zeigt schon jetzt die Gefahren einer Transferunion mit dem Rettungsschirm für den Euro. Die "PIGs" (Portugal, Irland, Griechenland) sowie wohl auch bald Spanien sind überschuldet, ihre Garantien werden auf dem Kapitalmarkt als wertlos sowie ihre Zinssätze für Staatsanleihen als nicht marktfähig eingestuft. So musste die Europäische Zentralbank (EZB) bereits Staatsanleihen in Höhe von 75 Milliarden Euro aufkaufen. Der Finanzbedarf dieser Länder wird bis 2013 auf 434 Milliarden Euro geschätzt. Schon jetzt schulden sie den Banken 1,86 Billionen Euro, wovon ein Fünftel deutsche Banken tragen. Der nächste Wackelkandidat Spanien steht bei deutschen Banken mit etwa 136 Milliarden Euro in der Kreide. Daher haben die Banken bei Zehn-Jahres-Staatsanleihen der "PIGs" schon mit 34-prozentigen Abschlägen reagiert. Vor diesem Hintergrund sollten die europäische und deutsche Finanzpolitik nicht nur mit Blick auf die Not leidenden Euro-Länder, sondern auch mit Blick auf die belasteten Steuerzahler noch einen Rettungsschirm mit einem mehr als 30-prozentigen Schuldenerlass vorsehen.

Dierk Stelzer, Wannsee

Glückliches Volk der Finnen, das den unfähigen Politikern in den übrigen europäischen Ländern gezeigt hat, dass es mit dem Irrsinn des Euro-Rettungsschirms nicht so weitergehen darf. Nur eine sofortige Umschuldung der bankrotten Länder kann diese noch vor dem totalen Ruin retten. Schaden werden mit Recht nur die verantwortungslos spekulierenden Banken erleiden. Und die derzeit wirtschaftlich missbrauchten noch gesunden Länder würden dann vor dem sonst drohenden Bankrott gerettet werden, der die Europäische Union zu einem Scherbenhaufen macht.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Grüne müssen sagen, was sie konkret wollen

Zum Artikel: ",Merkels Politik gleicht einem Zufallsgenerator'" - SPD-Chef Sigmar Gabriel spricht über den Höhenflug der Grünen und künftige Kanzlerkandidaten" vom 17. April

Recht hat Sigmar Gabriel, wenn er den Grünen unkalkulierbare Politik vorwirft. Die Grünen sind zwar für den schnellen Atomausstieg, aber wenn es um die Kosten geht, bleiben sie sehr vage. Gegen Kohlekraftwerke sind sie ebenfalls, weil diese die Umwelt verschmutzen. Na, und Energieleitungen von den Windkrafträdern zu den Verbrauchern werden wegen heftiger Proteste der Grünen auch nicht gebaut. Die Grünen müssen sagen, was sie ganz konkret wollen. Sonst verstärken sie die Politikverdrossenheit, wenn sie nämlich an die Regierung kommen und die Bürger dann enttäuschen. Die Grünen sind zu unscharf, als dass ihnen große Politik überlassen werden sollte.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Entscheidungsdiktatur des Landeskonservators

Zum Artikel: "Jagdschloss Glienicke: CDU-Politiker schaltet Unesco ein" vom 17. April

Entscheiden Denkmalbehörden immer richtig? Wenn dies so wäre, stünde das Charlottenburger Schloss nicht mehr, dessen Abriss in den 50er-Jahren besiegelt war. Verhindert haben ihn nicht die Denkmalbehörden, sondern das beherzte Eingreifen einer Frau, die nicht bereit war, derartigen Frevel hinzunehmen: Margarete Kühn drohte öffentlichkeitswirksam an, sich während der Abrissarbeiten im Schloss aufhalten zu wollen. Der Proteststurm der Berliner Bevölkerung führte hier zu einer politischen Entscheidung für den Erhalt des Schlosses. Auch das Jagdschloss Glienicke war 1960 zum Abriss vorgesehen. Auch hier scheiterte der Abriss nicht am Veto der Denkmalbehörden, sondern an den Kosten eines Neubaus für eine Jugendbegegnungsstätte. Unter dem Beifall des damaligen Landeskonservators durfte Max Taut das barocke Schloss teilweise zurückbauen, altes Mauerwerk aufbrechen und kostbare Innenausstattung verschrotten. Die Denkmalbehörden hielten es nicht einmal für nötig, den Zustand vor der Zerstörung zu dokumentieren. Die aktuelle Entscheidungsdiktatur des Landeskonservators steht somit in Kontinuität seines Vorgängers der 60er-Jahre. Obwohl der Landeskonservator inzwischen eingestehen musste, dass der noch nicht abgerissene Teil des 60er-Jahre Eingangsfragments so desolat ist, dass er abgerissen werden muss, hält er an seiner alten Entscheidung fest. Und sei es, dass Taut 2011 als Denkmal des Landeskonservators rudimentär nachgebaut wird, ohne die tautschen Flachdachgänge, Pergolen und den Pförtnerpavillon. In den spärlichen Werkmonografien von Max Taut wird übrigens sein Glienicker Alterswerk dezent ausgeklammert. Warum wohl? Es wird dem Betrachter nicht erspart bleiben, hinzuschauen, statt blind einem (vermeintlich) "großen" Namen zu huldigen.

Ingrid Hoppel, per E-Mail