Leserbriefe

"Leidtragende sind die Kinder"

Zu kompliziert, zu bürokratisch - kein Wunder, wenn es mit dem Bildungspaket vorne und hinten nicht klappt. Das Chaos war abzusehen. Die Leidtragenden sind die, denen eigentlich geholfen werden sollte, die Kinder. Den Eltern kann man keinen Vorwurf machen, dass sie von den Plänen nichts wussten. Die Leute, die um ihr täglich Brot kämpfen müssen, haben weder Internet, noch lesen sie jeden Tag den Politikteil der Zeitung. Deshalb ist das ganze Paket eine Verschleuderung von Steuern, die Mittel kommen nicht dort an, wo sie dringend gebraucht werden.

Christian Lukner, per E-Mail

Frau von der Leyen meint wohl nicht Eltern-Eigeninitiative, sondern eher Eltern-Eigengeld. Denn was nützen dem kleinen Emil die zehn Euro monatliches Sportvereinsbeitragsgeld, wenn er noch für 100 Euro Sportbekleidung kaufen muss. Auch sind nicht in jedem Haushalt die 25-50 Euro Eigengeld für die Schulspeisung vorhanden. Unser Sohn hat im vergangenen Monat für Sportreisen, Mitgliedsbeitrag und Sportbekleidung für seine drei sporttreibenden Kinder an den Verein 760 Euro überwiesen. Dies können reine Hartz-IV-Familien nicht aufbringen.

Renate Quente, Lichtenrade

Mich wundert die mangelhafte Nachfrage nach dem sogenannten Bildungspaket nicht. Viele Empfänger von Transferleistungen haben doch nicht einmal Interesse daran, eine angebotene Arbeit anzunehmen oder für die vom Steuerzahler finanzierten Bezüge inklusive Miete einer Beschäftigung nachzugehen. Warum sollten sie sich dann für ihre Kinder einsetzen, damit diese davon profitieren? Wenn das Bildungspaket in barer Münze ausgezahlt werden würde, wie es die Linken verlangen, wäre die Glückseligkeit unter den Betroffenen ausgebrochen, und viele hätten das Geld anderweitig ausgegeben.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Besser wäre ein Solarpark für alternative Stromerzeugung

Zum Artikel: "Tempelhof - ein Park für Großstadtcowboys" vom 17. April

In den 90er-Jahren beschloss der Senat, den Flughafen zu schließen, und man ist sich anscheinend bis heute nicht sicher, was mit diesem Gelände geschehen soll. Da ich nun lesen konnte, dass man sich für einen Park entschieden hat, frage ich mich, ob dem Senat sonst weiter nichts einfällt, als noch eine Grünfläche zu schaffen. Bei den Bestehenden ist man bis jetzt nicht in der Lage, diese ordentlich zu pflegen, da es den Bezirken am Geld fehlt, und ein weiterer Drogenumschlagplatz ist bestimmt nicht notwendig. Könnte man sich für dieses Gelände nicht einen Solarpark oder Windräder vorstellen, das würde nicht nur die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude mit alternativer Energie versorgen, sondern es würde auch noch Strom für den Bezirk übrig bleiben. Selbst für einen zentralen Festplatz bliebe dann auch noch ein Eckchen übrig.

Harald David, Buckow

Das Radfahren in Berlin ist sicherer geworden

Zum Artikel ",Berlins Straßen sind für Fahrradfahrer gefährlicher als die in Polen'" v. 16. April

Es ist nicht vernünftig, ein Flächenland wie Polen mit einer Großstadt zu vergleichen, auch wenn dabei vielleicht eine wohlmeinende Absicht dahintersteckt. In einer Großstadt gibt es naturgemäß weniger getötete Kraftfahrer, weil die Geschwindigkeiten sehr viel niedriger sind als

außerorts - und es gibt mehr Radfahrer. Berlin ist in Sachen Fahrrad auf einem guten Weg. Wir haben in Berlin prozentual zurückgehende Unfallzahlen bei Radfahrern. Die Forschungsgruppe FGS hat unlängst 33 000 Unfälle untersucht, bei denen zwischen 2004 und 2008 Radfahrer beteiligt waren. Bei etwa der Hälfte der Unfälle werden die Radfahrer als Verursacher angegeben. Es gab 52 Unfälle mit Getöteten und Radfahrerbeteiligung, das sind 16 Prozent aller Unfälle mit Getöteten in diesem Zeitraum. 67 Prozent dieser Unfälle wurden von Radfahrern selbst verschuldet. Besonders auffällig waren Unfallereignisse, bei denen Radfahrer auf dem Gehweg fuhren und dann häufig an Kreuzungen zu Schaden kamen: Die Kraftfahrer hatten kaum Zeit, die Radfahrer zu erkennen, die verbotswidrig fuhren. Daneben gab es aber auch die klassischen Fehler der Kraftfahrer, die beim Abbiegen den Vorrang der Radfahrer missachten. Spektakuläre Lkw-Beteiligungen sind überraschend nicht die Mehrheit. Ansonsten ist das Radfahren in Berlin sicherer geworden, denn der Anstieg des Radverkehrs ist stärker als der Anstieg der Unfälle. Fast alle Unfälle ereigneten sich an Stellen ohne Radverkehrsanlagen oder mit Radwegen auf dem Gehweg, die meisten an Kreuzungen. Zu Unfällen kommt es häufig an Grundstückszufahrten etwa bei Tankstellen und Einkaufsmärkten. Dort wird der Vorrang der Radfahrer missachtet. Hier sind handfeste verkehrstechnische Maßnahmen gefragt.

Michael Höppner, Wilmersdorf