Leserbriefe

"Nicht nur unsozial, auch ungerecht"

Dieses Gesetz ist von Anfang ein Skandal gewesen. Nicht genug, dass der Bürger seine Steuern zahlt, er soll auch noch für spezielle Arbeiten der Berliner Verwaltung zusätzlich zahlen. Und da die linken Ideologen in SPD und Linker ohnehin der Meinung waren und sind, dass alle Hausbesitzer reich sind, dachte man, hier sehr leicht an Geld zu kommen. Und wie bei Linken üblich, hat man dann die Verwaltung so organisiert, dass dieses Gesetz am Ende nur Kosten verursachte, aber keine Rendite einbrachte. Jetzt will man das Gesetz bis zu den Wahlen aussetzen, nach den Wahlen geht es weiter wie bisher. Wann endlich merken die Berliner, dass die Berliner Politik nicht in der Lage ist, die Interessen der Bürger zu berücksichtigen?

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Seit Februar 2008 sind die Einwohner Dresdens nicht mehr zur Zahlung von Straßenausbaubeiträgen verpflichtet - und in vielen weiteren Städten wird das Straßenausbaubeitragsgesetz ebenfalls nicht angewandt. Es war doch von der Politik beabsichtigt, dass die Bürger für einen gesicherten Lebensabend selbst vorsorgen sollten, etwa mit Wohneigentum. Um ihren Straßenausbaubeitrag leisten zu können, müssen sich aber viele von dieser vorgesorgten sozialen Absicherung durch Verkauf trennen. Das Gesetz ist nicht nur unsozial, sondern auch ungerecht. Berlin ist eine Mieterstadt, in der nur etwa elf Prozent der Bevölkerung für den Straßenausbau zahlen müssen, der aber allen Berlinern zugutekommt. Auch haben die Verantwortlichen feststellen müssen, dass aus dem Gesetz kein wirtschaftlicher Nutzen zu ziehen ist, denn nach Abzug des Verwaltungsaufwandes sind kaum noch Einnahmen zu verzeichnen. Und nach der Prozesslawine in Dresden fragte sich der dortige CDU-Verordnete Jürgen Eckoldt: "Lohnt sich der Krieg mit der Bevölkerung, um so wenig Geld einzunehmen?"

Detlef Weyer, Marienfelde

Sekundarschulen mutieren zu versteckten Gymnasien

Zum Artikel: "Wir wollen nicht nach Hellersdorf" vom 14. April

Unser Sohn ist eines der wenigen Kinder, der mit einer Gymnasialempfehlung keine der drei Wunschschulen bekommen hat. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, was die Absagen für die Psyche eines zwölfjährigen Kindes bedeuten. Ich finde es unglaublich, dass man sich an die Vergabevorschriften für Sekundarschulen nicht mehr hält und auf den besseren Sekundarschulen einen Notendurchschnitt von 2,0 haben muss und so die Sekundarschulen zu versteckten Gymnasien mutieren. Von einer guten Mischung an diesen Schulen kann man da wohl nicht mehr sprechen. Unser Kind soll nun einen Schulplatz in Köpenick bekommen. Wir wohnen in Lichtenrade. Um nach Köpenick zu gelangen, müsste er mit einer täglichen Fahrzeit von drei Stunden rechnen. Wir werden klagen und raten es jedem, dem diese Schulplatzvergabe zum Verhängnis wurde.

Sandra Masoun, per E-Mail

Jetzt zeigt sich, dass die neuen Zulassungskriterien für den Übergang der Schüler in die weiterführenden Schulen totaler Blödsinn sind. Tausende Schüler werden jeden Tag sehr lange Wege zurücklegen müssen. In den Grundschulen wird künftig auf Druck der Elternschaft eine Inflation der guten Noten einsetzen, um so einen guten Notendurchschnitt zu erhalten.

Wolfgang Bothe, per E-Mail

Auch ohne schulpflichtige Kinder kann einem angesichts solcher Verteilungspraktiken der Schulkinder die Zornesröte ins Gesicht getrieben werden. Es ist wohl eine Zumutung für alle Kinder, die für den Besuch der Schule quer durch die Stadt fahren sollen wie hier von Lichtenrade nach Hellersdorf. Es sollte doch möglich sein, eine Schule in Wohnortnähe zu finden. Für den Dilettantismus des Senates und insbesondere seines Schulsenators findet man keine Worte mehr.

S. Sack, per E-Mail

Neue Kultur zur Unterstützung von Familien notwendig

Zum Artikel: "Wie aus schlauen Mädchen arme Frauen werden" vom 13. April

Die Vorstellung des Gender-Reports kann trotz aller gezeigten Trends leider nicht als Erfolgsgeschichte verstanden werden. In unserer Umgebung kennen wir mehrere Fälle, in denen befähigte Frauen, die anspruchsvollere Positionen anstreben und den Wunsch nach Kindern nicht hintenanstellen wollen, sich außerordentlich hohe Belastungen aufbürden müssen, unter denen nicht nur sie, sondern auch die Kinder beziehungsweise die Familie zu leiden haben. Die vollwertige Eingliederung und Chancengleichheit der Frauen in der Berufswelt wird nur dann eine Erfolgsgeschichte werden können, wenn in Deutschland eine ganz neue Kultur der Förderung und Unterstützung von Familien entwickelt wird.

Prof. Dipl.-Ing. H. Müller, Westend