Leserbriefe

"Skandalöse Geschmacklosigkeit"

Salome" in der Komischen Oper - das war gar nicht komisch! Eine miserable Peepshow mit anzüglichen und primitiven Sexdarstellungen konnte auch unter dem Deckmantel der Kunst nicht andeutungsweise die Perversität des Stückes legitimieren. Es ist schon erstaunlich, wofür sich Schauspieler für Geld hingeben und was Berlin alles so subventioniert. Richard Strauss würde sich jedenfalls im Grabe umdrehen!

Roger Morell, per E-Mail

Zwar gehört "Salome" nicht zu meinen Lieblingsopern, aber dennoch muss ich meinen Unmut über die Inszenierung in der Komischen Oper loswerden. Was sich dort der Regisseur geleistet hat, ist ein Skandal und an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten. Und dafür zahlt der Besucher und der Steuerzahler Geld. Dies hat nichts mit künstlerischer Freiheit zu tun. Hier wird einfach die Grenze des guten Geschmacks weit überschritten. Regisseure haben Opern oder Theaterstücke für den Zuschauer zu bearbeiten und nicht ihre eigenen Gefühle und manchmal skurrilen Denkweisen auszuleben. Solche Inszenierungen hat es ja in den vergangenen Jahren immer wieder in Berlin gegeben. Der Erfolg war, dass so manches schief gestaltete Werk schnell wieder abgesetzt wurde, weil derartige Vorstellungen schlecht besucht wurden. Gerade die Komische Oper muss doch darauf bedacht sein, eine gute Auslastung zu bekommen. Mit solchen Vorstellungen wird sie es wohl nicht schaffen. Wenn sie wegen Publikumsmangel eines Tages geschlossen werden muss, dann wäre dies kein Wunder, aber schade allemal.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Ohne dieses Machwerk selbst gesehen zu haben, reicht mir schon diesbezügliche Kritik und das Szenenfoto in der Berliner Morgenpost für mein Urteil: Was hier dem Zuschauer zugemutet wird, ist der Gipfel der Blasphemie! Christliche Werte und der Glaube sind für Regisseur Thilo Reinhardt offensichtlich gut genug, um getrost verlästert werden zu können. Fürwahr, in unserem sogenannten christlichen Abendland haben wir es weit gebracht.

Manfred Glimm, per E-Mail

Einstellung zur preußischen Blockbebauung überdenken

Zum Artikel: " Mit Zwang zur schönen Stadtmitte" vom 14. April

Wieder einmal wurde zur "Verschönerung" unserer Stadt ein Architekturwettbewerb ausgelobt, diesmal für den wenig einladenden Bereich um den Hauptbahnhof. Und als erstes Gebäude am benachbarten Humboldthafen ist mal wieder ein Entwurf gekürt worden, der an Langeweile nicht zu überbieten ist und der allenfalls den Charme der 60er- und 70er-Jahre versprüht. Warum bloß werden in Berlin so viele prominente Ecken mit an Tristesse nicht zu überbietenden Beton-Rechtecken und Stahl-Glas-Kubussen bebaut? Mir scheint, als hätte ein Großteil der Architekten beim selben ideenlosen Professor Vorlesung gehabt. Warum werden keine geschwungenen oder spitzen Dächer mehr gebaut, mal eine Pyramide, ein Türmchen oder ein Kuppeldach zur Verschönerung eines Hauses benutzt, mal ein richtiger Wolkenkratzer geplant? Auch der Senat sollte vielleicht mal seine Einstellung zur preußischen Traufhöhe und Blockbebauung - wenigstens an ein paar Orten im Stadtgebiet - überdenken. Ich kann die Damen und Herren Architekten nur bitten, sich einmal in Dubai, Hongkong, Shanghai oder Kuala Lumpur von der dort wirklich herausragenden Architektur inspirieren zu lassen und vielleicht einen Hauch neuer Ideen und Anregungen mit nach Berlin zu bringen.

Marco Rosenwick, per E-Mail

Durchaus Chancen für Menschen in Ost und West

Zum Artikel: "Deutschland lockt 100 000 Zuwanderer" vom 15. April

Der Bericht führt mit seiner positiven Grundeinstellung gegenüber der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes in die richtige Richtung. Denn nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung kann die hiesige Gesellschaft hiervon nur profitieren. Und würde wohlstandsmäßig weitaus schlechter dastehen, wenn sie sich weiter abriegelt. Wobei man allerdings die Personenwanderung nicht nur als Einbahnstraße von Osten nach Westen betrachten sollte. Schließlich bieten sich auch in die entgegengesetzte Richtung für Menschen aus bislang abgehängten Regionen wie in Brandenburg oder Vorpommern erhebliche Chancen. Zumal in einer Boomtown wie etwa Stettin die Löhne zum Teil bereits höher als auf der benachbarten deutschen Seite liegen. Weswegen Schwarzmalerei nicht angesagt ist, sondern entschlossenes Zugreifen und auf politischer Ebene durch die Potsdamer Staatskanzlei sowie das Rote Rathaus eine wesentlich intensivere grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail