Leserbriefe

"Lehrer und Schüler überfordert"

Nachdem der Senat den Grundschulen Jahrgangübergreifendes Lernen aufgezwungen hat, kommt jetzt der nächste "Hammer": Inklusion. Dieses Konzept wird sowohl Normalschüler wie auch die Lehrer und die zu inkludierenden Schüler total überfordern. Als ehemaliger Grundschullehrer habe ich erlebt, wie die Stunden von Sonderpädagogen für Integrationskinder im Laufe der Jahre immer wieder gekürzt wurden und zugunsten von Vertretung gestrichen wurden. Besonders die Kollegen der neuen Sekundarschulen, insbesondere die der weniger nachgefragten, müssen sich auf eine extrem schwierige, verhaltensauffällige Schülerschaft einstellen. Es muss endlich Schluss sein mit kostenneutralen "Reformen", die keinem nutzen, aber allen schaden.

M. Böhme, per E-Mail

Das Thema Inklusion beschäftigt die Lehrer und Eltern der Förderschulen für Sprache und Lernen schon seit der Verabschiedung der Menschenrechtskonvention zu diesem Thema. Diese Konvention dient einigen interessierten Theoretikern und Politikern seitdem als Mittel und Legitimation zur uneingeschränkten Durchsetzung der gemeinsamen Erziehung behinderter und nicht behinderter Schüler. Wir Sonderschullehrer halten Inklusion mit Augenmaß für verantwortlich, aber die angestrebte gemeinsame Einschulung aller Kinder, die keine sehr gravierende Behinderung haben, ist zu hinterfragen. Alle Kinder sollen in die Schulanfangsphase der Grundschulen eingeschult werden in Klassen mit 22 bis 26 Schülern. Dann wird von dem Lehrer erwartet, dass er feststellt, ob ein Kind besondere Förderung braucht. Dann muss mit einem Sonderpädagogen ein Förderplan aufgestellt werden, und danach erhält das Kind die Hilfe, die es benötigt. Das Verfahren muss bei allen bedürftigen Kindern durchgeführt werden. Kommt das Kind gleich an eine geeignete Förderschule, kann es sofort individuell gefördert werden und hat die Chance, schon sehr bald in eine Grundschule zu wechseln. Eine frühe und gezielte Therapie bringt schnellen Erfolg, und die Kinder behalten ihre Freude an der Schule.

Marion Kittelmann, Charlottenburg-Wilmersdorf

Behinderte Kinder mit körperlichen und psychischen Einschränkungen benötigen besondere Förderung, aber was die Berliner Bildungspolitik ausbrütet und seit Jahren produziert, ist nicht länger hinzunehmen. Eltern, Kinder, Pädagogen und Verbände laufen Sturm - ohne nennenswerte Korrekturen. Ein neuer Beweis dafür: Diese Politiker sind nicht mehr wählbar.

Andreas Großmann, per E-Mail

Eltern bei der Suche überfordert und ins Chaos gestürzt

Zum Artikel: ",Wir werden klagen'" vom 10. April

Unser Bildungs(verhinderungs)senator hat erneut sein Können unter Beweis gestellt. Die an und für sich gute Idee mit den Sekundarschulen hat Tausende Eltern schon bei der Suche überfordert und ins Chaos gestürzt, weil die Voraussetzungen für eine Chancengleichheit dafür nicht geschaffen wurden. Dazu gehört die Einführung einer gymnasialen Oberstufe auf jeder Sekundarschule sowie die Ausstattung dieser Schulen mit Lehrern, die als 2. Fremdsprache nicht nur Französisch lehren können. Mehr als ein halbes Dutzend Schulen hat man sich angesehen, um die richtige Entscheidung mit seinem Kind zu treffen. Was kam dabei heraus? Ein Kind mit einer Gymnasialempfehlung und einem Zensurenschnitt von 2,5 kommt nicht einmal auf seiner Wunsch-Sekundarschule unter. Wenn man jetzt noch einen Zweit- und Drittwunsch an einer Schule gewählt hat, kommen die Kinder wahrscheinlich auf eine Schule, die mit Schülern aufgefüllt wird, deren Schnitt für keine Schule als Erstwunsch reicht, beziehungsweise die verhaltensauffällig sind. Diese Schule entspricht dann der früheren Hauptschule, sie heißt nur anders. Das hat dann mit Chancengleichheit nichts mehr zu tun.

Thomas Hauptmann, per E-Mail

Das ist doch nicht Sinn einer Sekundarschule, Schüler mit einem Notendurchschnitt von 2,0 bis 2,5 zu nehmen. Damit provoziert man ja eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit Eliteschulen und Schulen, die dann den Rest, die schlechteren Kinder, bekommen. Dann hätte man das System der einzelnen Schulen wie Haupt- und Real- beziehungsweise Gesamtschule nicht erst abschaffen müssen, wenn die schlechteren Schüler jetzt doch wieder alle zusammen sind. Des Weiteren sollte man das Gesetz, am Gymnasium das Abitur in nur zwei Jahren abzulegen, wieder abschaffen. Jetzt haben sich viele Schüler für die Sekundarschule entschieden, da sie dort drei Jahre Zeit für das Abitur haben. Auch dadurch, dass sie sich nicht am Gymnasium angemeldet haben, nehmen diese Kinder auch noch Plätze auf der Sekundarschule weg. Ich finde es sehr traurig, dass so von unserer Politik eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zugelassen wird.

G. Fechner, per E-Mail