Leserbriefe

"Folgen werden unterschätzt"

Dass die überwiegende Mehrheit der Berliner für den Ausstieg aus der Atomenergie ist, dürfte nach den Ereignissen in Japan nicht weiter verwundern. Ob im Ernstfall die Berliner aber auch wirklich bereit sind, jeden Preis dafür zu zahlen, darf bezweifelt werden. Zum einen steht noch nicht fest, was Strom aus erneuerbaren Energien kostet, zum anderen dürfte es dann wieder eine ganze Reihe von Berlinern geben, die sich den wahrscheinlich erheblich teureren Strom nicht mehr leisten können. Das zahlt dann der Staat, also der Steuerzahler.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Nun also wissen wir, dass 76 Prozent der Berliner bereit sind, mehr für Strom zu bezahlen, wenn die Atomkraftwerke schnellstmöglich abgeschaltet werden. Das ist allerdings verwunderlich, da vermutlich viele dieser Berliner sonst immer sofort aufschreien, wenn die Lebensmittelpreise auch nur um einige Cent steigen oder das Benzin mal teurer wird. Wir erinnern uns noch gut an die Benzin-Wut im vorletzten Jahr. Was macht aber das Meinungsvolk, wenn wegen steigender Strompreise Mieten, Brot, Autos und so weiter teurer und teurer werden? Sinkt dann schlagartig die Begeisterung für Windmühlen und Sonnenkollektoren? Kommt dann die Energie-Wut? Langsam werden mir die Deutschen in ihrer Sprunghaftigkeit und Hysterie unheimlich.

Jörg Weidlich, Lankwitz

Die 17 deutschen Atomkraftwerke (AKW) gelten als und sind auch die sichersten der Welt. Die deutschen Sicherheitsstandards und das deutsche Krisenmanagement im Störfall sind nicht mit denen in Tschechien (AKW Temelín), geschweige denn in Rumänien oder der Ukraine zu vergleichen. In Fukushima fliegen ganze Reaktoren in die Luft - und der Betreiber Tepco ist trotzdem zuversichtlich. Fakt ist, nimmt man die deutschen Atommeiler vom Netz, entsteht ein gewaltiges Stromdefizit von knapp 23 Prozent des Gesamtbedarfs. Dies kann nur durch Stromimporte aus Frankreich und eben Tschechien ausgeglichen werden. Auf diese Weise fördern die deutschen Stromverbraucher die bei Weitem nicht so sicheren Atomkraftwerke im Ausland, da Frankreich mehr als 80 Prozent der dort produzierten Energie mit Atomtechnologie erzeugt. In Polen, vor unserer Haustür also, sind zwei neue AKW geplant. Man schaltet die deutsche Sicherheit ab, importiert dafür das Risiko von den Nachbarn und zahlt noch drauf.

Gerhard Spisla, Haselhorst

Ich vermute, die Fragestellungen für einen schnellen Atomausstieg konnten nicht so sachgerecht wie nötig formuliert werden. Denn was nützt ein Atomausstieg in Deutschland, wenn in unseren Nachbarländern und darüber hinaus weltweit vorhandene Atomkraftwerke nicht nur nicht abgeschaltet, sondern weitere gebaut werden und wir dann gegebenenfalls mit diesem Strom sogar beliefert werden müssen.

Norbert Gewies, Konradshöhe

Gefahren in anderen Bereichen sind wesentlich größer

Zum Artikel: "Rot-Rot will Reaktor überprüfen" vom 8. April

Natürlich ist ein Forschungsreaktor im Wohnumfeld nicht unbedingt prickelnd. Aber ich denke, eine größere Bedrohung sind rasende Radfahrer auf dem Gehweg, unachtsame Autofahrer und andere Gefahren des täglichen Lebens. Trotzdem gehen die Menschen auf die Straße und schließen sich nicht ein. Ich sah jüngst einen Fernsehbericht, in dem gezeigt wurde, wie 52 rücksichtslose Radfahrer in einer Stunde das Rotlicht missachteten. Ist das weniger gefährlich?

Frank Finger, per E-Mail

Abblendlicht und Hecken hätten Unfall eventuell verhindert

Zum Artikel: "Tödliches Inferno auf der A 19" vom 9. April

Um derart schwerwiegende Unfälle zu vermeiden, sollten entlang der Autobahn, die direkt an Feldern mit leichtem Sand entlangführt, zwischen Leitplanken und Feld Hecken mit einer Mindesthöhe von zwei Metern gepflanzt werden. Das wurde bereits in anderen Bundesländern wie Hessen oder Nordrhein-Westfalen erfolgreich praktiziert.

Jürgen Lücker, per E-Mail

Seit 2003 schreibe ich ADAC, Parteien und Medien an und versuche zu erklären, dass das Fahren mit Abblendlicht am Tage eingeführt werden sollte. Wir sind in dieser Frage Schlusslicht in Europa. Der schreckliche Unfall bei Kavelstorf hätte mit Abblendlicht womöglich weit weniger schlimme Folgen gehabt. Mit Abblendlicht könnten bei Nebel, Sandstürmen, Regen, Schneefall und im Tunnel Fahrzeuge noch früher erkannt werden und so ein Beitrag zur Unfallvermeidung oder -minderung geleistet werden.

H.-J. Möller, per E-Mail