Leserbriefe

"Grüne profitieren vom Zeitgeist"

Offenbar hat die Atomkatastrophe in Japan die Grünen so beflügelt, dass diese auch in Berlin ganz oben liegen. Ob eine grüne Regierende Bürgermeisterin Renate Künast auch besser für Berlin ist, bleibt fraglich, genau so fraglich wie die angekündigte Umgestaltung Baden-Württembergs. Eine neue Politik ja, aber sie muss zu besseren Ergebnissen führen. Wenn der Wähler eine Partei wegen eines Themas wählt, dann wählt er aber diese Partei auch mit ihren anderen Themen. Das bedeutet, dass diese Partei dann ihre Vorstellungen umsetzt, mit denen der Wähler aber nicht immer einverstanden ist. Deshalb sollten alle, die die Grünen wegen der Atomgeschichte nun wählen, genau überlegen, ob dies wirklich der einzige Grund sein kann. In der Schulpolitik zum Beispiel sehe ich bei den Grünen nicht unbedingt die besseren Konzepte. Denn auch diese Partei betreibt in diesem Punkt Gleichmacherei und damit nur Durchschnitt. Auch in der Wirtschaftspolitik werden von den Grünen eher linke Vorstellungen verkündet. Und die Verkehrspolitik mit dem Slogan "Tempo 30 auf allen Berliner Straßen" ist ja wohl der Gipfel. Die Berliner sollten gut überlegen, ob Grün wirklich gut für Berlin ist.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Jeder, der die Grünen bejubelt, sollte sich deren Wahlprogramm ansehen: Vermögensabgabe, Straßenausbaugebühren, eine Krankenkasse, bei der alle Einnahmen zur Beitragsfestsetzung herangezogen werden. Gemeinschaftsschulen, damit das Versagen der Politik in der Integration auf unsere Kinder abgeladen wird. Gebt diesen Leuten die Macht, und wir werden Deutschland nicht wiedererkennen.

Diethard Sommer, per E-Mail

Es sind immer bestimmte Themen, die eine Partei nach oben katapultieren, denn sie verstehen es zu genau, diese Themen für sich einseitig auszuschlachten. Wenn aber die Wogen geglättet sind und keine neue Sau durch das Dorf gejagt werden kann, schrumpfen diese Parteien wieder auf ein Normalmaß zurück. Das passierte mit der FDP, und genau das wird mit den Grünen passieren.

T. Neubrandt, per E-Mail

Die Verschiebungen im politischen Parteienspektrum sind zum großen Teil Trend des Zeitgeistes, von dem die Grünen besonders profitieren. Hoffentlich geht die Zeitenwende in die richtige Richtung! Zum Beispiel, was die Energiefrage betrifft, nicht zurück in die Steinzeit. In der Verantwortung sieht manches etwas anders aus als aus Sicht der Opposition. Die Grünen werden jetzt ein Energiekonzept vorlegen müssen, welches sich an der derzeitigen Realität orientiert. Wie bekommt man die Energiewende hin? Eine Bewährungsprobe! Mit der Totalopposition ist es jetzt vorbei. Auch muss die Frage beantwortet werden, wo im Falle eines schnellen Atomausstiegs der radioaktive Müll hin soll? Die Grünen haben in der Hauptstadt das schärfste Profil, das wird offensichtlich von den Bürgern auch so gesehen. Eine großartige Chance, die politische Mitte einzunehmen.

Christian Lukner, per E-Mail

Ich kann nur hoffen, dass die Berliner im September bei der Abgabe ihrer Stimme bei der Abgeordnetenhauswahl nicht blöd sind. Ansonsten werden Künast und Komplizen Berlin zum größten Kuhdorf Europas machen.

Detlef Schönfeld, per E-Mail

Allein der derzeit wegen der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima herrschende Aufwind für die Grünen wird sie bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen im September nicht zwangsläufig zum Wahlsieg tragen. Die Erinnerung an die atomare Bedrohung wird verblassen, und Berliner Alltagsfragen werden wieder an Bedeutung gewinnen. Und wenn es da ans Eingemachte geht, haben die Grünen nicht viel zu bieten. Denn gute Regionalpolitik ist weniger von bundespolitischen Themen gefärbt, als sie glauben mögen. Erinnern werden sich die Bürger aber nach den Sommerferien an die hohen Benzinpreise, die ihnen auch wegen des Öko-Sprits E10 das verfügbare Urlaubsbudget geschmälert haben. Noch ist die Wahl für Künast längst nicht gewonnen.

Peter Toller, Wittenau

Diese Oberflächlichkeit ist erschreckend. Gemeint ist die Oberflächlichkeit eines Teils der Wählerschaft, die wegen der Ereignisse in Japan nun auf einmal die Grünen wählen wollen. Ist denn der Ausstieg aus der Atomenergie, der unweigerlich kommen wird und der, nicht zu vergessen, von einer SPD-geführten Regierung beschlossen wurde, das Einzige, was zählt? Auf wichtige Fragen des Lebens geben die Grünen keine Antworten. Mir ist auch völlig rätselhaft, wie 30 Prozent der Menschen mit der Arbeit von Renate Künast zufrieden sein können. Was für eine Arbeit? Sie hat für Berlin, und darum geht es ja, nichts geleistet. Und das, was sie bis jetzt von sich gegeben hat, stieß bei der Mehrheit der Berliner auf Ablehnung.

Ingo Schulz, Zehlendorf