Leserbriefe

"Mehr Geld für Personal"

| Lesedauer: 4 Minuten

Ich kann die Lehrer teilweise verstehen. Wobei ich jedoch bezweifele, dass eine Stunde weniger Unterricht pro Woche die Anzahl der dauerkranken Lehrer erheblich senken würde. Der steigende Arbeitsaufwand ist auch einem Großteil der zahlreichen Reformen zu verdanken, die der Schulsenator in den vergangenen Jahren durchgesetzt hat, ohne die Folgen zu bedenken. Alleine das verkürzte Abitur hat dazu geführt, dass der Unterrichtsstoff in noch kürzerer Zeit beigebracht werden muss. Zusätzliche Belastungen sind durch die verpflichtende MSA-Prüfungen oder die Einführung von JÜL erfolgt. Das ist auch für die Schüler eine große Mehrbelastung. 36 Unterrichtsstunden pro Woche, dazu Hausaufgaben, Klausur- und Prüfungsvorbereitungen. Lehrer wie Schüler leiden unter der Situation. Hier müssen wieder Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die den Anforderungen gerecht werden. Nur motivierte Lehrer können Schüler begeistern, nur motivierte Schüler lernen gut.

Andrea Gowitzke, per E-Mail

Der Bürokratiezuwachs durch zentral gesteuerte Vergleichsarbeiten zeigt exemplarisch, dass lediglich an den Symptomen herumgedoktert wird. Den offensichtlichen Qualitätsverlust im Bildungswesen wird man dadurch nicht aufhalten können. Notwendig ist Geld für ausreichend Personal, das bei entsprechend attraktiver Vergütung in einer angemessenen Umgebung individuell auf die Schüler eingehen kann. Zentrale Qualitätsstandards in einer Mangelwirtschaft sind wenig aussichtsreich. Und Aussagen zu einem vermeintlich attraktiven Gehalt mögen für ältere Berliner Lehrer gelten. Beginnt aber im kommenden Schuljahr ein alleinstehender Lehrer den Schuldienst in Berlin, so erhält er bis zum Ende seiner Laufbahn 2200 Euro netto. Davon kann der Senat jederzeit 400 Euro "freiwillige Zulage" streichen. Befristete Verträge sind die Regel. Wer will sich da in überalterten Kollegien und katastrophaler Ausstattung mit der schwierigen Berliner Schülerklientel auseinandersetzen? Andere Bundesländer verbeamten sofort und zahlen netto knapp 1000 Euro mehr.

Björn Schindler, per E-Mail

Lehrer fühlen sich eigentlich immer überlastet. An der Arbeitsmenge kann es aber nicht liegen. Denn laut dem Bundesamt für Statistik gibt es bundesweit für 13 Schüler einen Lehrer. Sind also durchschnittlich 26 Schüler in einer Klasse, ist schon jeder zweite Lehrer vom Unterricht befreit. Die Hälfte, die überhaupt noch unterrichtet, tut dies nur die Hälfte eines Jahres, die andere Hälfte sind die Schulen geschlossen (104 Sonnabende und Sonntage, 80 Ferien- und Feiertage). Und in dieser Restunterrichtszeit fällt dann 40 Prozent irgendwie aus - etwa wegen Krankheit. Wie soll da Belastung entstehen?

Gerolf Kurowski, Burgwedel

Die Lehrer haben meine volle Solidarität. Denn so kann es nicht weitergehen. Der gesamte Berliner Senat muss sich fragen lassen, wann er diese unsinnige Sparpolitik endlich beenden will, die letztlich nur auf dem Rücken der Angestellten und Beamten ausgetragen wird. Insbesondere die Lehrer mussten in den vergangenen Jahren erheblich Lohneinbußen hinnehmen und sind deshalb in Scharen in andere Bundesländer abgewandert.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Durch die hohe Arbeitsbelastung fehlt im Durchschnitt jeder der im öffentlichen Dienst von Berlin beschäftigten Beamten, Arbeiter und Angestellten pro Jahr 82 Arbeitstage (Urlaub eingeschlossen). Betroffen sind neben Schulen auch Polizei, Feuerwehr und Finanzämter. Bei unveränderter Situation wird der Krankenstand noch ansteigen. Der öffentliche Dienst wird weiterhin Arbeitskräfte an die freie Marktwirtschaft verlieren.

Ulrich Sonns, per E-Mail

Besonnenes Handeln für einen Atomausstieg notwendig

Zum Artikel: "Energiewende im Eiltempo" vom 5. April

Schon im Interesse unserer Nachkommen muss der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen werden. Dafür braucht man keine Ethikkommission, das sagt der gesunde Menschenverstand. Nur diesen Atomausstieg bitte mit Maß, nicht überhastet und aus wahltaktischen Gründen und schon gar nicht durch Zukauf von Atomenergie aus unseren Nachbarstaaten. Dadurch machen wir uns nur lächerlich und stehen nicht als gutes Beispiel da.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Schon rächen sich die ersten Schnellschüsse der Politik. Ich kann eben die Atomkraftwerke erst abschalten, wenn ich Ersatz für den dort erzeugten Strom habe. Die Konferenz, die die Energiewende im Eiltempo herbeiführen soll, ist genau so ein Quatsch. Es ist ja gerade der Fehler, dass heute kein Gedanke mehr mit allen Konsequenzen bis zum Schluss durchdacht wird. Das führt zu Chaos und nicht zu Lösungen.

Regina Kröning, per E-Mail