Leserbriefe

"Atemberaubende Kehrtwende"

Das Ausmaß der Katastrophe in Japan hat auch die Haltung der Bundeskanzlerin zur Kernkraft und deren Risiken verändert. Für eine Wissenschaftlerin ein sonderbares Eingeständnis, zumal sie sich als Befürworterin dieser Kernenergie noch für deren Verlängerung gegen Widerstände in weiten Teilen der Bevölkerung entschieden hat. Nun rennen die ehemals selbst leidenschaftlichen Befürworter der Kernenergie wie aufgescheuchte Hasen durch die Lande. CSU-Politiker Markus Söder empfiehlt sogar einen Wettlauf der Länder um den Ausstieg aus der Kernkraft. Eine etwas zu konfuse Reaktion auf ein entsetzliches Drama in Japan, wo doch die Bedingungen im Vergleich zu Deutschland erheblich anders sind. Dass es bei einem Reaktorunglück auch in Deutschland zu dramatischen Vorgängen führen würde, hat man ja wohl schon früher wissen müssen. Was werden allerdings die Verantwortlichen der mobilisierten demonstrierenden Massen zu den Erweiterungen der herkömmlichen Energiequellen sagen, die dann den Ersatz ausmachen müssen für den Wegfall der Kernenergie? Mit Windspielen wird man dies in naher Zukunft ja wohl nicht ausgleichen können. Und hoffentlich sind die Menschen dann auch bereit, den Preis dafür zu zahlen.

Harry Döring, per E-Mail

Angela Merkel hat etwas sehr Wichtiges gesagt: Wir müssen aus der schrecklichen Japan-Katastrophe etwas lernen. Wohl jeder von uns hat sich seine Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll mit der Energiewende. Nur dem grünen Zeitgeist hinterherlaufen, hilft uns aber nicht weiter. Jetzt muss erst einmal eine genaue Analyse über die Reaktor-Katastrophe auf den Tisch um daraus zu erkennen, wie wir Reaktoren besser gegen mechanische Belastungen schützen können, wie die Stromversorgung im Falle einer Havarie sichergestellt werden kann und wie Kernschmelzunfälle und der Austritt von Radioaktivität verhindert werden kann. Diese Kernfragen müssen erst beantwortet werden, alles andere ist Philosophie.

Christian Lukner, per E-Mail

Ein altes Sprichwort besagt: "Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu." Diesen Spruch kann Angela Merkel für sich nicht in Anspruch nehmen, denn sie ist promovierte Physikerin und kann die wissenschaftlichen Expertisen besser lesen als jeder in der Regierung. Sie braucht nicht über unsere Atomreaktoren plötzlich wie aus heiterem Himmel das Gegenteil von dem vorgeben, was in der alten Koalition beschlossen wurde. Im politischen Geschäft muss Merkel noch einiges lernen. Wenn sie so wie bisher weitermacht, wird sie eine Landtagswahl nach der andern verlieren.

Christoph A. Weidlich, Lenzen-Elbe

Sie ist atemberaubend, die Kehrtwende, mit der sich die Kanzlerin und mit ihr alle führenden CDU-Politiker von der Kernenergie abwenden wollen. Vieles spricht für die Vermutung, dass es vor allem die Landtagswahl in Baden-Württemberg war, die diesen Schwenk ausgelöst hatte. Nach dieser Wahl ist jetzt erforderlich, in Ruhe über die Vor- und Nachteile und die Folgen eines schnelleren Atomausstiegs zu diskutieren und dabei die Erkenntnisse aus der japanischen Atomkatastrophe zu berücksichtigen.

Hanskarl Hindenberg, Tiergarten

Die Bundeskanzlerin muss für ihren Zick-Zack-Kurs in der Atompolitik berechtigterweise ihren Kopf hinhalten. Der Energieriese RWE hat nämlich gegen das Atom-Moratorium Klage beim Verwaltungsgerichtshof eingereicht - mit Aussicht auf Erfolg. Die wahlspekulative Entscheidung Merkels, die sieben ältesten Atommeiler vorerst abzuschalten, entpuppt sich dabei immer mehr zum Rohrkrepierer der schwarz-gelben Bundesregierung, Regressforderungen in Milliardenhöhe könnte die Folge sein. Richtig teuer wird es aber erst, wenn Merkel nach Ablauf des Moratoriums die Verlängerung der AKW-Laufzeiten wieder zurücknimmt. Die Energiekonzerne werden dann ihre vertraglichen Rechte aus dem Merkelschen Teufelspakt mit der Atomlobby auf Heller und Cent einfordern.

Roland Klose, per E-Mail

Autofahrer werden durch Verkehrspolitik diskriminiert

Zum Artikel: "Berlin steigt aufs Rad um" vom 5. April

Es ist schön, wenn viele Leute ihr Fahrrad benutzen. Auch ich habe ein Fahrrad, bin aber verärgert, weil sich nur wenige Radfahrer an die Regeln halten. Man fährt wie man will. Es sollen weitere Radwege gebaut werden, die aber leider nicht genutzt werden. Nun frage ich mich, warum der Innenstadtverkehr für Autofahrer reduziert werden soll, warum muss immer eine Minderheit in Deutschland bestimmen, was richtig ist. Autofahrer werden inzwischen behandelt wie Aussätzige. Ich fühle mich diskriminiert.

Angelika Michalski, per E-Mail