Leserbriefe

"Die Solidarität ist aufgebraucht"

Als Inhaber einer BahnCard 100 pendle ich fast täglich zwischen Hamburg und Berlin, bin also auf die Bahn angewiesen. Die Lokführer irren, wenn sie behaupten, dass wir Fahrgäste für den unsinnigen Streik am Donnerstag Verständnis haben. Mich würde interessieren, wie weit das Verständnis vom Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), Herrn Weselsky, und seinen Lokführern geht, wenn mal flächendeckend und bundesweit die Mitarbeiter aller Lebensmittelmärkte für zehn bis 14 Tage die Arbeit niederlegen und der Streik auch erst zwölf Stunden vor der Öffnungszeit des nächsten Tages, also mit Ladenschluss, angekündigt wird. Wie viel Solidarität bringen sie den dann streikenden Arbeitern und Angestellten entgegen, wenn nach getaner Arbeit zu Hause kein Kotelett auf dem Teller liegt, kein Bier im Kühlschrank steht und ihre Kinder ohne Milch und Pausenbrot zur Schule gehen müssten. Die Bahn mit ihrem weitverzweigten Schienennetz ist die pulsierende Lebensader unseres Landes und hält die Wirtschaft in Gang. Deutschland hat die weltweite Krise der letzten Jahre fast unbeschadet überstanden, und wir sollten uns die Erfolgswelle, auf der wir zurzeit schwimmen, durch die GDL nicht kaputt machen lassen. Es wird Zeit, dass sich die Bundesregierung einschaltet und dieser Zwergengewerkschaft endlich Einhalt gebietet.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Streiken ja, aber bitte nicht dauernd, jetzt schon fast wöchentlich. Als Bonn-Berlin-Pendler bin ich auf das Verkehrsmittel Bahn angewiesen, immer wieder kommt es zu neuen Problemen. Im Sommer Ausfälle durch Hitze, im Winter Vereisungen der Oberleitungen, jetzt Streiks, zum x-ten Mal. Schon wieder musste ich meine Fahrt mit dem ICE verschieben. Kann die Bahn eigentlich auch mal einen normalen Service anbieten? Probleme der Tarifpartner können doch nicht ständig auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden und das bei vollem Fahrpreis. Auf die im Dezember von der Bahn versprochene Fahrpreisrückerstattung warten wir übrigens noch heute.

Christian Lukner, per E-Mail

Die Solidarität der Fahrgäste mit den streikenden Zugführern ist erschöpft. Diese nutzen ihre Möglichkeit, über den Unmut der Fahrgäste Druck auf ihre Arbeitgeber auszuüben, reichlich aus. Diese Maß- und Rücksichtslosigkeit ist ein schlechtes Beispiel für Arbeitskämpfe in der heutigen Zeit, wenn eine Monopolstellung in der Daseinsvorsorge unerbittlich als Druckmittel eingesetzt wird. Wenn Streik, dann bitte im Güterverkehr ohne Beeinträchtigung des Personenverkehrs. Alles andere ist schlicht Erpressung. Und das widerspricht den Prinzipien der Auseinandersetzung zweier Tarifparteien.

Tobias Löffelmann, Zepernick

Wie lange wollen sich die Bahnkunden das noch gefallen lassen? Ist es nicht an der Zeit, gegen die Streikenden zu demonstrieren? Auch die Folgen eines Streiks dürfen nicht mehr als höhere Gewalt angesehen werden. Die Streikführer sollten dafür zur Verantwortung gezogen werden und für Entschädigungen aufkommen müssen. Ich bin froh, ohne Bahn von A nach B fahren zu können.

Wolfgang Heller, Westend

Streik der Lokführer? Ja, für die Lokführer und Heizer der alten Dampflokomotiven, die tatsächlich härteste körperliche Arbeit leisten mussten. Tonnenweise Kohlen schaufeln, vorn geröstet und im Winter den Hintern vereist, das Gesicht schwarz vom Ruß. Bekohlen der Tender, zum Feierabend die Lok entschlacken, reinigen und Wartungsarbeiten vornehmen. Bei dem jetzigen Streik geht es nur noch darum, reichlich "Kohle" zu bekommen. Dafür gibt es nur wenig Verständnis in der Bevölkerung.

Frank Künzel, Kladow