Leserbriefe

"Fell wird zu Markte getragen"

Dass viele, nicht nur Berliner, den toten Eisbären Knut im Zoo vermissen, ist nachzuvollziehen. "Ihm soll nicht das Fell über die Ohren gezogen werden", heißt es in dem Artikel und wieder an anderer Stelle: "Ihn auszustopfen wäre das Gleiche, wie einen Menschen auszustopfen." Ich frage mich allerdings: Wo blieben die Proteste, als es darum ging, Menschen in der Ausstellung "Körperwelten" als "Ganzkörper-Plastinate" auszustellen? Protest war kaum zu hören, allenfalls von kirchlicher Seite. Zum Umgang mit dem toten Eisbären und zu den präparierten und plastinierten Leichen wird jeder seine eigene Meinung haben. Nur sollte man dann seine Meinung konsequent vertreten.

Prof. Dr. Volkmar Schneider, Lichtenrade

Das Eingreifen vom Tierpfleger Thomas Dörflein, ein hilfloses Wesen aufzunehmen, hat die Menschen stark berührt. Dieser kleine Eisbär wurde zum Symbol für die heile Welt, wo sich mit gutem Willen alles zum Guten lenken lässt. Nach dem Tod von Herrn Dörflein wurde der kleine Eisbär allein gelassen. Er hatte keinen Beschützer mehr. Nun soll sein Fell (seine Haut) zu Markte getragen werden, um Geldeinnahmen zu erzielen. In unserem digitalen Zeitalter muss keiner mehr ausgestopfte Tiere für die Wissenschaft und zur Anschauung präsentieren. Es täte dem Ansehen von Zoo-Chef Blaszkiewitz gut, wenn Natur vor Kommerz den Vorrang behält.

Veronika Ratajczak, per E-Mail

Knut ist tot, ganz einfach, und es wäre sehr interessant, im Naturkundemuseum einen präparierten Eisbären zu sehen. Das Fell ist ihm ja schon am Tag nach seinem Tod abgezogen worden. Es war beschämend, im Fernsehen diese aufgebrachten Damen zu erleben. Das Geld für Blumen und Kerzen sollten sie an den Zoo oder an eine Kita in Neukölln spenden.

Ingrid Hahn, per E-Mail

Was mich an dem Hype um Knut sehr stark stört und befremdet, ist, dass man sich große Sorgen um einen ausgestopften Eisbären macht, während Zigtausende Japaner der Katastrophe zum Opfer fielen. Den Trend, als Bürger gegen und für alles demonstrieren zu müssen, finde ich allmählich sehr nervig. Es ist ein Ausdruck einer tiefen Entfremdung von Staat, Politik und Bürgern.

Hans-Georg Reiss, per E-Mail

Die letzten Lücken sollen geschlossen werden

Zum Artikel: "Auch Berlin hat ein S-21-Problem " vom 1. April

Das nimmt kein Ende mit dem Hickhack um den Ausbau der S-Bahn. Dabei wäre es doch wirklich vernünftig, wenn der Senat wenigstens einen Teil der geplanten S-21-Strecke (zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz) kippt, weil er insgesamt einfach zu wenig Vorteile im Verhältnis zu den Baukosten bringt. Sollte es wirklich daran scheitern, dass die vom Bund spendierten Mittel nur dafür benutzt werden dürfen? Das ist Bürokratendenken! Wirklich notwendig wäre es hingegen, die letzten Teilungslücken in Berlin zu schließen, die Verlängerung der "Heidekrautbahn" nach Gesundbrunnen zum Beispiel.

Horst Grümmel, Wedding

Umsteuern ist dringend notwendig

Zum Artikel: "Hellmuth Karasek: Das hybride Auto" vom 3. April

Danke, Herr Karasek. Deutlicher hat wohl bisher niemand diese Perversion, Getreide zur Erzeugung von Bio-Sprit zu missbrauchen, auf den Punkt gebracht. Ob Frau Merkel angesichts ihrer Herkunft aus christlichem Hause auch hier dazulernen kann und will, wie sie es in Sachen Atomkraftnutzung nach dem japanischen Reaktorunglück behauptet? Ein Umsteuern ist jedenfalls auch hier dringend geboten.

Dieter Fiedler, Tempelhof

Kleine Fahrradfirmen haben das Nachsehen

Zum Artikel: "Künftig nur noch 30 Leihstationen für die DB-Räder" vom 25. März

Hoch frustriert bin auch ich über die Abschaffung des Call-a-Bike-Systems in Berlin - zumal einige Bürokraten in der Senatsverwaltung für Verkehr sich sogar haben an der Nase herumführen lassen, dass das System anders irgendwie praktischer sei. Das ist nicht nur Unfug, sondern ein harter Schlag für die Szene der Fahrradverleih-Firmen in Berlin, die sich jetzt einer steuersubventionierten Konkurrenz gegenübersehen: Vorher war Call a Bike ja ein System für den kleinen Individualverkehr, jetzt ist es ein stationärer Verleih, der auf eine ganz andere Kundschaft abzielt: nämlich Touristen, die die Fahrräder ganztägig nutzen. Die haben vorher bei kleinen Fahrradfirmen gemietet. Jetzt kommt die Bahn mit Dumpingpreisen.

Tom Levine, per E-Mail