Leserbriefe

"Der Protest geht weiter"

Warum nicht gleich so, könnte man ausrufen. Egal, ob es um die Wasserpreise oder Lärm oder Bahnhöfe oder was weiß ich geht - da müssen erst die Leute protestieren, da müssen Volksentscheide ran und der Unmut der potenziellen Wähler messbar groß sein, bis sich die Politik bewegt. Jedenfalls sind wir im Süden froh über den jetzigen Vorschlag der Flugroutenführung. Bleibt die Frage, warum so ein Vorschlag erst jetzt auf den Tisch kommt und warum es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte. Vielleicht ist es in unserer Demokratie doch allmählich ratsam, das eigentlich Selbstverständliche zu tun und bei allen derartigen Projekten gleich von Beginn an Bürgerinteressen mit einzukalkulieren.

Friedhelm Kolkowsky, Steglitz

Der Protest geht weiter! Ich freue mich sehr für die Lichtenrader, die ja anscheinend die Einzigen sind, die etwas gewonnen haben. Wir in Kleinmachnow stehen mit einer der drei optionalen Westrouten noch schlechter da. Die Fluglärmkommission gibt eine Karte mit Routen-Linien heraus, obwohl doch jeder weiß, dass es in der Realität gar keine Flugrouten-Linien gibt. Verbreitert man die Linien zu Flugkorridoren, die einige Kilometer breit sind, erkennt man schnell, dass Kleinmachnow und Stahnsdorf betroffen sind, genau wie Teltow, Kleinmachnow und Zehlendorf-Steglitz. Wo haben der Südwesten und die umliegenden Gemeinden einen Sieg errungen? Unsere Forderung war und ist, dass die Flieger geradeaus starten und nicht vor Erreichen des Autobahn-Ringes abkurven dürfen.

Lilian Rimkus, Kleinmachnow

Wir wohnen seit 24 Jahren am Ende der Müllerstraße. Wenn die Flugzeuge vom Flughafen Tegel bei Ostwind in Richtung Wedding starten, sind sie in einer Höhe von vielleicht 300 bis 400 Meter. Bisher haben wir keine Hör- oder sonstige Gesundheitsschäden davongetragen. Ich kann die Aufregung der Anwohner von Wannsee und Potsdam nicht verstehen, wenn sie in einer Höhe von 2000 bis 2500 Meter überflogen werden sollen.

P und C. Lüpke, Wedding

Da gab es mit der Variante der scharfen Kurve endlich eine Möglichkeit, den Berliner Südosten zu entlasten. Und nun das! Die Aussage von Frau Krautzberger, dass sich auch der Osten freuen könne, weil der Bezirk Treptow-Köpenick vom Fluglärm weitgehend verschont bleibe, ist absoluter Hohn. Sollte es jetzt doch zu einem Geradeausstart von der Südbahn Richtung Osten kommen, fliegen die startenden und die landenden Flugzeuge direkt über unseren Bezirk. Man sollte den Vertretern der Initiative "Keine Flugrouten über Berlin" mal erklären, dass Treptow-Köpenick auch zu Berlin gehört, vielleicht würden sie dann von ihrer unbedingten Forderung nach Geradeausstarts abrücken.

K. Lange, Treptow-Köpenick

Ich wette, noch zwei Sitzungen, und wir brauchen gar keine Flugrouten mehr, und es wird trotzdem gestartet und gelandet. Ein Flughafen ohne An- und Abflugrouten. Welche eine Innovation für den Technologiestandort.

Uwe Schmidt, Friedenau

Vertrauen in das Rechtssystem verloren

Zum Artikel: "Zitronensaft auf offene Wunden" vom 29. März

Vier Jahre Gefängnis für vier Tote. Wäre dieser Mann nicht Arzt, hätte er wohl für viele Jahre mehr ins Gefängnis gemusst. Ein lebenslanges Berufsverbot wäre das Mindeste gewesen. Ich verstehe jeden, der daraufhin kein Vertrauen mehr in unser Rechtssystem hat. Das Fatale daran ist, dass sich daraufhin Patienten, die gravierende ärztliche Kunstfehler erlitten haben, oder deren Angehörige, nicht mehr vor Gericht trauen.

Regina Kröning, Spandau

Andere Einwanderer sind längst integriert

Zum Artikel: "Türkei: Deutschland hat Vorurteile gegen Einwanderer" vom 30. März

Man kann es nicht mehr hören, die Schuldzuweisungen an die deutsche Adresse. Immer wieder hört man in diesem Zusammenhang den Vorwurf der "Islamphobie". Das klingt, als wären viele deutsche Mitbürger kranke Menschen und unsere Sorgen und Ängste vor Überfremdung, vor hoher Kriminalität, vor Abschottung, Distanz, Ehrenmorden böswillige Erfindungen. Wir alle warten doch auf Gesten der islamischen Einwanderer in ihrer Mehrheit, dass sie zu uns gehören wollen, dass sie Teil dieser Gesellschaft sein wollen. Andere Einwanderer sind ohne große Probleme in der deutschen Gesellschaft längst integriert. Dies könnten auch islamische Einwanderer schaffen.

Wolfgang Köppen, Hermsdorf