Leserbriefe

"Krieg ist keine Lösung"

| Lesedauer: 4 Minuten

Die Mitglieder des Nahost-Forums in Berlin sind zutiefst beunruhigt über die jüngste Entwicklung in Libyen, die durch die Bombardierungen zu einem offenen Krieg eskaliert ist. Aber Krieg ist keine Lösung der dort angestauten Probleme, er verschärft sie nur und führt zu einer humanitären Katastrophe. Wir rufen alle Seiten dringend auf, dem Blutvergießen unverzüglich ein Ende zu bereiten. Für die Menschen in Libyen macht es keinen Unterschied, ob sie von französischen, britischen, amerikanischen oder libyschen Waffen getötet oder verwundet werden. Deshalb unterstützen wir die Haltung der Bundesregierung, sich nicht an diesem Krieg zu beteiligen. Das erdölreiche moderne Libyen mit einem im Vergleich zu Nachbarregionen hohen Lebensstandard läuft Gefahr, in eine Steinzeit zurückgebombt zu werden, seine territoriale Einheit ist in Gefahr, gefördert durch Kräfte von außen, die sich die komplizierte innenpolitische Lage zunutze machen wollen.

Dr. Karl-Heinz Werner, Nahost-Forum Berlin e.V.

Das eigentliche Problem in Libyen beruht auf der Tatsache, dass niemand die politische Situation des Landes wirklich einschätzen kann. Die Informationen über die Probleme und sogar über die Rolle des Machthabers Gaddafi sind nicht überzeugend. Das Militär des Abendlandes kann bomben, wie es will, die Stammesfürsten werden sich nicht davon beeindrucken lassen. Afghanistan zeigt zur Genüge, dass ein so tief in seiner eigenen Tradition und Konflikten steckendes Land selbst nach Heilung suchen muss. Wir Europäer handeln wie Europäer und wissen nicht so recht, was wir sein wollen, neue Kolonialisten, Lehrer, Sozialarbeiter oder Bewacher. Wir werden da eines Tages verschwinden müssen, egal, was dann passiert. Nur die Chinesen werden dableiben, die sind eifrig dabei, sich der Bodenschätze zu bemächtigen, um die es eigentlich geht.

Wolfgang Fleischer, Wedding

Steigende Preise sind nie ein gutes Zeichen

Zum Artikel: "Mietsteigerungen: Degewo-Vorstand greift Senat an" vom 20. März

In großen Zügen hat Frank Bielka vermutlich recht. Eine Aussage in dem Interview ist allerdings daneben: "Steigende Mieten sind ein positives Zeichen. Nur sie geben dem Vermieter die Möglichkeit, in den Bestand zu investieren ..." Das ist völliger Unfug. Wäre denn auch ein steigender Brotpreis ein gutes Zeichen, weil nur so der Backwarenhersteller neue Öfen kaufen kann? Steigende Preise sind nie ein gutes Zeichen, sondern nur ein Merkmal für die traurige Tatsache, dass weder Politik noch Wirtschaft die Inflation in den Griff bekommen. Die Degewo könnte Investitionsmittel ja auch durch Kosteneinsparungen erzielen. Zum Beispiel durch Einsparung bei Verwaltungsausgaben oder durch Deckelung der Vorstandsgehälter.

Ralf Drescher, per E-Mail

Politisches Spiel mit dem Thema Atomenergie

Zum Artikel "Brüderle bringt Regierung in Erklärungsnot" vom 25. März

Das Theater um die umstrittenen Äußerungen Brüderles - Moratorium sei reine Wahltaktik - empfinde ich als genauso lächerlich wie das politische Spiel mit dem Thema Atomenergie überhaupt. Wer wie die Kanzlerin nach dem Unglück in Japan behauptet, dass alles auf den Prüfstand muss, hätte das genauso gut auch vor der Fukushima-Katastrophe fordern können, ja müssen. Das ist aber niemandem eingefallen, auch den Grünen nicht. Lief ja alles ruhig. Und jeder hatte sich mit dem Modus des Ausstiegs in ferner Zukunft abgefunden - ich wie die meisten Bürger wohl auch. Es sollte mich dann doch wundern, wenn unsere promovierte Physikerin plötzlich eine Konfrontation mit der Atomlobby sucht. Da werden wir dann also doch erst in etwa 32 Jahren sauberen Strom haben. Der kommt dann aus Frankreich. Und zwar Atomstrom.

Lukas Richter, Prenzlauer Berg

Eintönige Klötze aus Beton und Glas

Zum Artikel "Landeskasse profitiert von Immobilien-Boom" vom 24. März

Das ist ja alles sehr schön, wenn der Senat seine Grundstücke verkauft. Schön auch, dass dann tatsächlich gebaut wird. Dass die Vergabepraxis architektonische Maßgaben umfasst, glaube ich angesichts der gerade in Mitte erschreckend eintönig hingesetzten Klötze aus Beton und Glas nicht. Was da so inzwischen in der Gegend Ackerstraße, Invalidenstraße und Nordbahnhof herumsteht, ist kalt und langweilig. Wir beginnen, etwas zu verspielen, was Berlin auszeichnet und liebenswert macht, die Einheit von Wohnen, Arbeiten und Ausspannen in der Stadt. Ich hoffe, dass es Architekten gibt, die das auch so sehen.

Günther Weinreich, Mitte