Leserbriefe

"Schulstart wird zum Fehlstart"

Trotz leerer Kassen finden es die Politiker chic, sich zur Schulpolitik zu äußern. Scheinheilig wird die Fahne der Bildung gehisst, und in der Realität wird alles getan, um möglichst nichts ändern zu müssen. Spätestens wenn es um die Kosten geht, werden die Kinder zum Störfall. Alles bleibt beim Alten, die besser ausgebildeten Lehrkräfte unterrichten an den Gymnasien, die schwächeren Kinder werden von weniger anspruchsvoll ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet. Es fehlt jegliche Transparenz zur Lehrerfortbildung. Die OECD-Lehrerstudie attestiert, dass Deutschland zu den Ländern mit den geringsten Fortbildungsaktivitäten der Lehrkräfte zählt. Doch ein Bildungssystem kann nicht besser sein als die Lehrkräfte, die in ihm arbeiten. Ebenso wenig gehört der Umgang mit Lernschwierigkeiten zur Lehrerausbildung in der Grundschule. Das geht zulasten der Kleinsten, und so wird der Schulstart zum Fehlstart.

Thomas Wasilewski, per E-Mail

Das Ergebnis der Studie kommt nicht ganz überraschend. Denn das Grundproblem besteht darin, dass nicht die Qualität, sondern die Quantität des Wissens den Unterricht bestimmt. Und somit die Situation an vielen Universitäten und Schulen mittlerweile eher an eine stumpfe Lernfabrik als einen Ort des selbstbestimmten Denkens und der Erkenntniserweiterung humboldtscher Prägung erinnert. Weswegen die fehlgeleiteten Bildungsreformen der jüngeren Vergangenheit dringend und nicht erst auf längere Sicht auf den Prüfstand gehören. Zumal der bisherige Status quo keinesfalls mit den Anforderungen des modernen Wirtschaftslebens übereinstimmt.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Die geringe Qualität der Bildung in Deutschland im Vergleich zu früher mit unseren "Dichtern und Denkern" sowie unseren "Wirtschaftswundern" ist bereits in den vergangenen Jahren in fast jeder Beziehung zu beobachten. Der Bürger wird im täglichen Leben von Wirtschaftsunternehmen, teilweise auch von öffentlichen Verwaltungen, ja sogar vom Gesetzgeber sehr nachlässig, sogar geradezu schluderig behandelt. Zum Beispiel gehen Antwortschreiben ein, in denen nicht angegeben ist, worauf sich diese konkret beziehen. Oder diese Schreiben gehen absichtlich arrogant oder aus reiner Dummheit an der Sache glatt vorbei. Die Bildungsmisere führt dazu, dass Seriosität, Anstand und Moral sowie Kundenfreundlichkeit keine Rolle mehr spielen.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Immer mehr Kinder werden vernachlässigt

Zum Artikel: "Kind in Tierkot: Zehn Monate Haft für die Mutter" vom 23. März

Die Fälle von Kindesmissbrauch, schwerer Gewalt gegen Kinder und Vernachlässigung von Kindern häufen sich hier in Berlin in einer Form, die zu tiefster Besorgnis Anlass gibt. Man hat den Eindruck, dass die Ämter nicht so genau hinsehen und Probleme einfach dadurch lösen, dass sie den Eltern Geld geben, was die Sache meist noch verschlimmert.

Horst Jungsbluth, per E-Mail

Bei Stern 1900 in Steglitz herrscht noch Ehrgeiz

Zum Artikel: "Trainerwechsel: Löw und Bierhoff fürchten um Ansehen der Liga" vom 23. März

Da hat Herr Löw recht. Dieses nervöse Austauschen der Bundesligatrainer macht die deutschen Fußballvereine lächerlich. Man spürt, wie groß der finanzielle Druck sein muss, der entsteht, wenn eine Mannschaft ein paar Niederlagen hintereinander kassiert. So verkommt Fußball, getrieben vom jeweiligen Stand der Werbeeinnahmen, allmählich zur Farce. Er wird selbst zum Spielball allmächtiger Sponsoren und hilfloser Vereinsbosse, die mit Entsetzen erst auf den leeren Platz und dann in die leeren Kassen starren. Schuld am Desaster darf aber nur einer sein: der Trainer. Da gucke ich mir dann doch lieber die Spiele von Stern 1900 Steglitz oder Fortuna Pankow direkt auf dem Platz an und freue mich darüber, wie ehrgeizig das da zugeht.

Horst Segemüller, Friedenau

Als Botschafterin der Moral kommt sie nicht mehr infrage

Zum Artikel: "Margot Käßmann ist auf dem Weg zum perfekten Moralpromi" vom 24. März

Der Artikel über Frau Käßmann gibt mir die Zuversicht, dass es noch Menschen gibt, die das Fahren unter Alkohol und das "Pech", dabei erwischt zu werden, nicht als Versehen oder Zufall einordnen. Frau Käßmann sollte sich jetzt nicht wieder als Moralapostel einsetzen. Sie könnte eventuell als erfolgreiche Geschäftsfrau akzeptiert werden, aber dass sie sich weiterhin als Botschafterin der Moral ausgibt, ist eine Unverschämtheit.

Günter Voß, per E-Mail