Leserbriefe

"Autofahrer werden abgezockt"

Wie erwartet, hat der Benzingipfel Einigkeit zwischen Bundesregierung, Auto-, Öl- und nun auch der Bauernlobby gebracht. Nur der Endverbraucher wurde mal wieder komplett übergangen. Dass die finanziellen Interessen Vorrang vor Vernunft und Verträglichkeit des neuen Sprits haben, hat ja hoffentlich nun auch jeder verstanden. Zum Glück gibt es ja noch einen Vertreter der geplagten Autofahrer, den ADAC. Doch man staunt und wundert sich: Auch der ADAC schlägt sich auf die Seite der vermeintlich ökologischen Befürworter. Der Deal der Bundesregierung scheint perfekt, und jeder hat hier wohl seinen finanziellen Nutzen davon. Bleibt zu hoffen, dass der Autofahrer klaren Kopf behält und sich durch Werbekampagnen und diffuse Aufklärung nicht blenden lässt.

Michael Klages, Staaken

Nicht nur für Umweltminister Norbert Röttgen kann diese Tank-Diktatur zum Problem werden, sondern auch für die Merkel-Regierung. Wir brauchen unbedingt Tage des Zorns, um der Kanzlerin zu demonstrieren, dass wir Bürger uns diese Öko-Diktatur nicht mehr gefallen lassen wollen.

Wolfgang Heller, Westend

Es ist eine Unverschämtheit, dass der Bürger genötigt wird, den neuen Kraftstoff E 10 zu tanken. Er möchte es nicht. Wer dafür die Schuld trägt, ist unerheblich. Deutschland ist geprägt von freier Marktwirtschaft. Und die deutschen Verbraucher haben entschieden: Kein E 10! Warum jetzt also dieser Aufriss mit einem Benzingipfel?

Swantje Neumann, per E-Mail

Wie erfreulich: Daimler und BMW wollen anfangen, Praxistests zu machen. Wenn die Politik diesen Kraftstoff will, muss sie doch zuerst Tests veranlassen und nicht hinterher. Die Negativliste der Automobil Treuhand GmbH ist nett gemeint und die erste dieser Art, die ich sehe, aber diese GmbH haftet nicht für ihre Angaben, und das erwarte ich, bevor ich tanke. Und warum soll ich anschließend öfter Ölwechsel machen? Ich muss doch mit dem teuren Sprit schon genug Kosten tragen. Durch drohende Strafzahlungen werden wir Autofahrer zusätzlich abgezockt. Das Ganze ist völlig unglaublich, so viel Inkompetenz und Naivität. Die Mineralölkonzerne mögen gewinnorientiert sein, aber die komplette Unfähigkeit liegt nicht dort, sondern in der Politik.

Regina Kröning, Spandau

Wo gibt es den Tankwart, der mich überzeugend aufklären kann, wenn dies nicht einmal die Werkstatt kann, die ich regelmäßig aufsuche, sondern die mich an den Hersteller und dessen Hotline verweist, die ständig überlastet ist? Wo bleibt der Umweltschutz, wenn ich jetzt für die gleiche Strecke häufiger tanken muss? Das Risiko trägt wieder einmal der Verbraucher, von den zu erwarteten Mehrkosten für Grundnahrungsmittel ganz zu schweigen.

Joachim Schuldei, per E-Mail

Die Aussage vom Umweltminister Röttgen kann kaum dazu dienen, E 10 zu tanken, wenn sich kein Automobilhersteller bekennt, für eventuell durch E 10 entstehende Schäden aufzukommen. Nach Rückfrage bei meinem Hersteller wurde mir zwar mitgeteilt, dass ich Benzin-Ethanol-Gemische tanken kann, aber es wurde mir aus heutiger Sicht empfohlen, weiterhin Super zu tanken, bis alle Bedenken ausgeräumt sind.

A. Panske, per E-Mail

Bei der E 10-Diskussion wird die Abhängigkeit der Regierung von der Mineralöl- und Autowirtschaftslobby sowie den Agrarverbänden deutlich. Die Entwicklung von spritsparenden Fahrzeugen wäre sicherlich die bessere Alternative.

Peter Röthig, Mitte

Seit Jahren wird uns von der Mineralölindustrie gebetsmühlenartig vorgepredigt, dass bei Verknappungen auf dem Markt die Preise steigen müssen. Nun quellen die Lager über, die Gesellschaften wissen nicht mehr, wohin mit dem Kraftstoff - aber wo bleibt die so oft beschworene Regulierung des Marktes? Ein Überangebot hat meist Preissenkungen zur Folge?

Klaus Wittke, Lankwitz

Auf Nachfrage beim Autohersteller verträgt mein neues Auto E 10. Eine Garantie bei einem möglichen Motorschaden konnte/wollte man nicht übernehmen. Wir Autofahrer sollten überlegen, ob man nicht einen Monat lang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann und somit die Benzinfässer zum Überlaufen bringt.

W. Lehmann, per E-Mail

Wie können wir es rechtfertigen, Nahrungsmittel zu Kraftstoff zu verarbeiten, wo es auf der Welt Menschen gibt, die hungern. Wie können wir verantworten, dass der Regenwald abgeholzt wird, damit wir genügend Öko-Benzin zur Verfügung haben. Wenn schon, dann sollten wir unsere eigenen Wälder dazu nehmen.

Heidemarie Brauer, Woltersdorf