Leserbriefe

"Streikrecht überarbeiten"

Der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) sollte klar sein, dass jeder Streik der arbeitenden Bevölkerung schadet. Wenn die Gewerkschaft wenigstens unmittelbar nach Beendigung eines Streiks sofort in den vorhandenen Fahrplan einsteigen würde, hätte wohl kaum jemand etwa gegen einen Streik. Genau das kann die Gewerkschaft aber nicht garantieren. Da stellt sich doch die Frage, warum der Verkehrsminister nicht eingreift.

Manfred von Paczkowski, per E-Mail

Herr Ramsauer sollte, auch wenn er Bundesverkehrsminister ist, mehr Zurückhaltung im Bahn-Tarifkonflikt walten lassen. Das gegenseitige Aufhetzen von Teilen der Gesellschaft kann er sich sparen. Ich fühle mich als Fahrgast nicht in Geiselhaft genommen, wenn die Lokführer streiken. Im Gegenteil: Ich bin froh, dass endlich einmal eine Gewerkschaft wie die GDL dem Lohndumping im Billiglohnland Deutschland Einhalt gebieten will. Daran sollten sich andere Gewerkschaften ein Beispiel nehmen.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Streikrecht ist ein fundamentales Werkzeug zur Darstellung von Arbeitnehmerinteressen. Es schützt sie vor der Willkür des Arbeitgebers und hilft, eigene Interessen durchzusetzen. Im Gegenzug besitzt der Arbeitgeber das Recht der Aussperrung als Abwehrmaßnahme. Leider gelten diese elementaren Ansätze in vielen Fällen heute nicht mehr. Splittergewerkschaften wie die GDL artikulieren ihre Interessen auf dem Rücken unbeteiligter Bürger, ohne dem Arbeitgeber damit zu schaden. Der kann sein Abwehrmittel allerdings auch nicht einsetzen. So kommt es, dass die profilierungssüchtige GDL ihre Interessen ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen will. Man erkennt daran, dass unser Streikrecht dringend überarbeitet werden muss.

Rolf Gunhold, Marienfelde

Fahrzeuge hätten gar nicht erst stillgelegt werden dürfen

Zum Artikel: "Verstärkung für die S-Bahn: Die 'Coladosen' kommen zurück" vom 5. März

Verstärkung kommt aus der DDR - das hätte man über den Beitrag schreiben sollen. Damit ist nichts gegen die Tatsache zu sagen, dass einst von ostdeutschen Ingenieuren entwickelte Fahrzeuge noch einmal im Interesse der Berliner auf die Schiene müssen. Die S-Bahn GmbH hätte diese Fahrzeuge gar nicht erst stilllegen dürfen. Stilllegung und jetzige Neuinbetriebnahme haben das Ganze vermutlich viel teurer gemacht. Und das die Arbeiter im Bahnwerk Dessau erst verstehen mussten, wie die vor gut 20 Jahren gebauten Züge funktionieren, ist ein Armutszeugnis. Sie hätten ja die Ingenieure fragen können, die die Fahrzeuge einst entwickelt hatten. Vermutlich wollte man denen aber nicht auch noch ein Honorar zahlen.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Viele handwerklich dilettantische Fehler gemacht

Zum Artikel: "Eltern starten berlinweite Protestaktion" vom 5. März

Der Landeselternausschuss hätte die Reißleine schon 2010 ziehen müssen und sich nicht immer von Jürgen Zöllner aufs Neue verschaukeln lassen dürfen. Berlins SPD-Bildungssenator hat während seiner Amtszeit viele handwerklich dilettantische Fehler gemacht. Wenn er einen Funken Anstand besitzt, tritt er zurück. Die vielen Äußerungen von Zöllner ,,die Schulen haben genug Lehrkräfte", "der finanzielle Spielraum ist nicht gegeben", und jetzt auf einmal kurz vor der Wahl werden 1000 Lehrkräfte benötigt. Dazu der marode bauliche Zustand vieler Schulen. Dass der Regierende Bürgermeister dieses Trauerspiel zulässt, ist nicht nachvollziehbar. ,,Berlin ist, wenn das Gegenteil von dem passiert, was angekündigt wurde", hat Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin gesagt. Zum Wohle unserer Kinder wäre das gut.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Bürgerbeteiligung an wichtigen Entscheidungen für die Stadt

Zum Artikel: ",Wir umarmen die ganze Stadt'" vom 6. März

Die Umarmung von Renate Künast, der Spitzenkandidatin der Grünen, dürfte für viele Berliner zum Würgegriff werden. Zumindest für Autofahrer, Gymnasiasten, Gewerbetreibende und Wohnungseigentümer. Bliebt zu hoffen, dass den Berlinern dieser Schwitzkasten erspart bleibt.

David Eckel, Charlottenburg

Die Grünen werben für eine "Politik der Beteiligung". Nur zu. Wir sollten die Grünen beim Wort nehmen. Vorab keine Festlegung zum Ausbau der A 100, zu Tempo 30, zur möglichen Abschaffung der Gymnasien. Alle Berliner sollten umfangreich an derartigen Entscheidungen, etwa durch Volksabstimmungen, beteiligt werden.

Hans-Joachim Krause, Schmargendorf