Leserbriefe

"Belastung für Integrationsdebatte"

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Nachdem Erdogan schon vor drei Jahren in Köln unmögliche Äußerungen und Ansprüche von sich gegeben hat, hätte die nordrhein-westfälische Landesregierung diese Veranstaltung nie genehmigen dürfen. SPD, Grüne und Linke sollten aufhören mit ihren Sprüchen, dass noch mehr Geld und Kraft bei der Integration nötig seien, viele wollen einfach nicht integriert werden. Erdogan schadet mit seinen Äußerungen allen Ausländern, die sich in Deutschland eingebracht haben. Die Integrationsdebatte hat schweren Schaden genommen. Die Türkei ist noch lange nicht EU-fähig.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Deutschland benimmt sich so, als ob es sich selbst integrieren muss und nicht die Ausländer, die hierherkommen. Integrationsschwierigkeiten gibt es meist nur mit den Zuwanderern aus dem islamischen Raum. Erdogan hat seine Landsleute mit seiner Rede indirekt aufgefordert, sich nicht zu integrieren. Es war nicht zu hören, dass einer der deutschen Politiker dies kritisiert hat. Wenn Ausländer die Sprache sprechen, die Bildungssysteme nutzen und unser Rechtssystem achten, möglicherweise auch die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen, stehen ihnen alle Wege offen.

Horst Eckert, Tegel

Der Auftritt Erdogans war nicht geeignet, das Miteinander der Menschen in diesem Land zu fördern, wobei es mir eher egal ist, in welcher Reihenfolge türkische Kinder welche Sprache lernen - spätestens mit Schulbeginn jedoch sollten sie die deutsche Sprache altersgerecht beherrschen. Besorgt gemacht hat mich vielmehr, dass der türkische Ministerpräsident den hier lebenden Türken die Unterstützung und den Schutz der türkischen Republik garantiert hat. Vor wem will er denn seine Landsleute schützen, und wie will er das tun? Viele der eher entbehrlichen Worte und Gesten des Herrn Erdogan lassen einen islamischen Imperialismus erkennen, der die Zukunft Europas begleiten wird.

Ina Marine, per E-Mail

Erdogan fordert, die türkischen Kinder in Deutschland sollten zuerst Türkisch erlernen, unsere Politiker hingegen sagen, zuerst müssten sie Deutsch können. Das scheint mir eine unnötige Auseinandersetzung zu sein. In unserer Umgebung gibt es mehrere Kinder, die gleichzeitig zwei oder gar drei Sprachen lernen, ohne sie durcheinanderzubringen, also etwa Deutsch, Englisch und Hebräisch. Kinder haben weithin mehr Sprachbegabung, als Erwachsene denken. Auch unsere kleinen Türken also könnten durchaus zweisprachig aufwachsen.

Horst Pillau, per E-Mail

Die Parolen des türkischen Ministerpräsidenten sind so befremdlich wie zweideutig. Was meint er eigentlich? Einerseits will die Türkei in die EU, andererseits lässt Erdogan keine Gelegenheit aus, die nationale Eigenständigkeit auch der hier lebenden Türken zu betonen. Kein Wunder, wenn er die Integration und Akzeptanz unserer türkischen Mitbürger erheblich erschwert.

Christian Lukner, per E-Mail

Die Türkei gehört nicht in die EU. Dieses Land gehört einem anderen Kulturkreis an. Immer noch bestehen dort Rechtsgrundsätze, die mit denen in der EU nicht vereinbar sind. Religionsfreiheit ist nicht gewährleistet. Die in Deutschland und anderen EU-Ländern bestehenden Ängste vor einem EU-Beitritt müssen ernst genommen werden. So wird die Außengrenze der EU im Falle eines türkischen Beitritts an den Irak verschoben. Erdogan sollte seine Landsleute dazu aufrufen, sich besser in Deutschland zu integrieren. Wenn Kinder vom Biologie- und Schwimmunterricht abgemeldet werden oder nicht an einer Klassenfahrt teilnehmen sollen, dann kann eine Integration nicht gut funktionieren. Und wenn türkische Kinder erst Türkisch und dann erst Deutsch lernen, dann entstehen in der Schule große Probleme.

B. Reichelt, per E-Mail

Also weiter wie bisher. Welches Kind lernt schon zwei Sprachen zugleich in der schwierigen Sprachfindungsphase vernünftig? Man tut so, als ob jedes Kind das mal so locker hinbekommt. Gewiss gibt es auch hier Ausnahmen, doch die meisten werden überfordert. Man sieht es seit Jahren an den schulischen Leistungen einer ganz bestimmten Migrantengruppe.

Detlef Popiak, per E-Mail

Vom Atlantik bis in die Mongolei reicht Erdogans panturkistischer und nationalistischer Größenwahn, man lese auch seine "Kölner Predigt" aus dem Jahr 2008 nach. Aber statt zu viele Analphabeten ins Ausland zu entlassen, sollte der Islamist Erdogan zunächst sein Schulwesen bis nach Anatolien hinein ausmisten, bevor er anderen befiehlt, was sie zu tun haben. Ein gebildeter Türke geht dann hoffentlich nicht Erdogans Schutzregeln zur "Bewahrung der türkischen Rasse" auf den Leim.

Klaus Katzur, Zehlendorf