Leserbriefe

"Spitzenpolitiker sind Vorbilder"

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Die Nonchalance, mit der Guttenberg seinen Doktortitel erworben hat, ist nicht zu beschönigen, und seine lauen Erklärungsversuche waren auch misslungen. Mit der Häme muss er leben. Aber die Wadenbeißerei, mit welcher der Minister attackiert wird, der ansonsten eine ziemlich gute Arbeit leistet, ist schon grotesk. Welcher Vorgänger hat sich schon so zügig, konsequent und zielorientiert der strukturellen Probleme der Bundeswehr angenommen? Dass eine Opposition, die Leichtmatrosen im Scharping-Format zu verantworten hat, der Regierung einen so erfolgreichen Minister schlicht nicht gönnt, ist nur zu offenkundig und nicht weniger peinlich.

Klaus Jänicke, Steglitz

Zu Guttenberg hat zu seinen Fehlern gestanden, und ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute. Ich bin überzeugt, dass es nicht der einzige Doktortitel ist, der falsch erworben wurde. Widerlich finde ich dagegen die Hetzerei der Politiker anderer Parteien, die von Neid und Missgunst zeugen. Die sollten sich schämen. Sie haben gewiss nicht nur meine Sympathie verloren.

Ingrid Schultze, Steglitz

Es stellt sich doch die Frage, warum die Universität Bayreuth binnen weniger Tage einen Doktorgrad, der durch eine mit summa cum laude bewertete Dissertation verliehen wurde, nach wenigen Tagen der "Prüfung" aberkennt. Meines Wissens ist dies laut Promotionsordnung Bayreuth nur durch die Unwürdigkeit des Promovierten möglich. Des Weiteren vermisse ich in der Verlautbarung der Universität die Ankündigung von rechtlichen Schritten, immerhin ist der wissenschaftliche Kredit dieser Universität vornehmlich durch Herrn zu Guttenberg und nachrangig durch seinen Doktorvater sowie den Zweitkorrektor nachhaltig beschädigt worden. Weiterhin fehlen mir Aussagen der zuständigen Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Themen Meineid, Betrug, Titelerschleichung, Urheberrechtsverletzung. Meiner Meinung nach ist eine solche unehrliche Persönlichkeit keinem Soldaten als Vorgesetzter zuzumuten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte die Reißleine ziehen und Guttenberg entlassen.

Torsten Hübner, Schöneberg

Die Pro-Reaktionen zu Guttenberg sind nur schwer nachvollziehbar. Hat er bewusst abgeschrieben, ist es Betrug, und ein Rücktritt ist notwendig. Hat er unbewusst kopiert, ist es Überheblichkeit, verbunden mit Dummheit, und der Rücktritt muss unausweichlich sein. Auch die bisherige Meinung der Kanzlerin - er habe gebeichtet, und nun sei alles wieder gut - öffnet nach meiner Meinung weiterhin Tür und Tor für weitere Ungereimtheiten.

Peter Röthig, per E-Mail

Mit einem Schuldeingeständnis und einer einfachen Entschuldigung ist es hier nicht getan. Spitzenpolitiker sind Vorbilder und sollen Leitwerte wie Moral, Anstand, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit vermitteln. Somit wäre sein sofortiger Rücktritt nur angemessen und geboten. Rückendeckung bekommt Minister zu Guttenberg von der Bundeskanzlerin, die es augenscheinlich mit diesen Grundwerten auch nicht so genau nimmt. Aber was kann man schon von einer Frau erwarten, die den Wechsel von der Leitungssekretärin der FDJ am Zentralinstitut für Physikalische Chemie zur Bundeskanzlerin so geschmeidig geschafft hat?

Holger Schwalbe, per E-Mail

Die Plagiatsaffäre um zu Guttenberg hat das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland und der Bundeswehr im In- und Ausland nachhaltig beschädigt. Hier darf ein Bundesverteidigungsminister, der sich seinen Doktortitel durch umfangreiche Betrügereien regelrecht erschlichen hat, weiterhin den obersten Krieger am Hindukusch verkörpern. Was für eine Lachnummer. Jeder zweitrangige Politiker hätte wegen der Plagiatsaffäre umgehend zurücktreten müssen.

Roland Klose, per E-Mail

Minister zu Guttenberg ist der mit Abstand beliebteste Politiker, der sein Metier beherrscht. Ist es purer Zufall, dass zu Beginn des Super-Wahljahres seine vor Jahren angefertigte Dissertation ausgegraben und zerpflückt wird? Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Anstatt sich um dringend anstehende Sachthemen zu kümmern, werden Nebenkriegsschauplätze von der Opposition eröffnet, und es wird teilweise unter die Gürtellinie "geschossen". Am widerlichsten war der Auftritt von Jürgen Trittin, der sich nach seinem unsäglichen Redebeitrag feixend und grinsend auf seinem Abgeordnetenstuhl herumrekelte. Oberst Ulrich Kirsch hat recht, wenn er sagt, man solle von den Machtfragen wieder zu den Sachfragen kommen. Im Übrigen empfehle ich dem Bundestagspräsidenten, die Doktorarbeiten aller Politiker der SPD, Grünen und Linkspartei mit der gleichen Akribie, wie bei Minister zu Gutenberg geschehen, überprüfen zu lassen.

Detlef Heller, per E-Mail