Leserbriefe

"Ein Gefühl der Unsicherheit"

| Lesedauer: 4 Minuten

Die Meldungen zu Gewaltexzessen von Jugendlichen - nicht erst seit dem Angriff in Lichtenberg - offenbaren die Versäumnisse der Politik in den letzten Jahrzehnten. Erst jetzt wird mehr auf Bildung und Bildungsbegleitung Wert gelegt. Für einige Generationen ist das bereits zu spät. Darüber hinaus hat Überwachungstechnik die Präsenz von Abfertigungs- und Sicherheitspersonal abgelöst. Zwar hilft Technik bei der Identifikation, sie wird aber nie Überfälle verhindern. Rationalisierungsberechnungen gehen niemals auf, wenn Menschen zu Schaden kommen. Im Kommunikationszeitalter sollte der Mensch endlich wieder im Mittelpunkt stehen.

Rainer Szymanski, per E-Mai

Die Politiker dieser Stadt wissen mit Sicherheit schon längst über das Problem der alltäglichen Gewalt. Unternehmen kann und will man aber nichts, weil dazu das Personal bei der Polizei schlichtweg fehlt und es auch ein negatives Image auf die Touristenstadt Berlin werfen würde. So werden bedauerliche Einzelfälle, wie es "offiziell" heißt, hingenommen. Sicher fühle ich mich in dieser Stadt schon lange nicht mehr.

Thorsten S., per E-Mail

Mit Bestürzung habe ich von dem erneuten Übergriff auf einen hilflosen Menschen - dieses Mal ein Wohnungsloser, der Schutz vor der Kälte auf dem U-Bahnhof Hansaplatz gesucht hat - erfahren. Die Berliner Stadtmission fährt seit 15 Jahren im Winter - und seit 2010 auch im Sommer - nachts durch die Stadt, auf der Suche nach denjenigen, die selber nicht in geeigneter Weise für sich sorgen können. Der Übergriff am Hansaplatz ist der dritte uns bekannte dort in diesem Winter. Gewalterfahrungen gehören für Menschen, die auf der Straße leben, häufig zu ihrem Alltag. Sie sind ihnen in besonderer Weise ausgesetzt, auch wenn das nur selten an die Öffentlichkeit dringt.

Karen Holzinger, Tiergarten

Ignoranz gegenüber der historischen Substanz Berlins

Zum Artikel: "Gaslampen in Moabit leuchten bald elektrisch" vom 24. Februar

Die Nachricht, dass sich die Stadtentwicklungsverwaltung an einem Baudenkmal vergriffen hat, um die historische Gasbeleuchtung - die erst vor zwei Jahren technisch völlig erneuert wurde - zu entfernen und eine belanglose Elektrobeleuchtung zu installieren, treibt einem die Zornesröte ins Gesicht. "Man wolle nicht in eine neue Gasleitung investieren" und "bei Elektrifizierungen stünden auch historische Leuchten auf dem Prüfstand" sind Aussagen, die von einer unglaublichen Ignoranz gegenüber der historischen Substanz Berlins und den Kulturgütern dieser Stadt zeugen. Die Verantwortlichen dafür befinden sich in bester Gesellschaft mit Kräften, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges nichts auslassen, um der Stadt ihre Seele zu nehmen. Immer wieder waren es SPD-Politiker, die an der Zerstörung des Stadtbildes beteiligt waren.

Bettina Grimm, per E-Mail

Selbst Hand anlegen, um Stadt sauber zu halten

Zum Artikel: "Alles 'to go', doch der Müll bleibt" vom 25. Februar

Der Artikel spricht mir aus dem Herzen. Menschen und ihre Gewohnheiten ändern sich, und jeder muss damit leben. Wir sehen ständig die Verdreckung im Stadtbild, nehmen es aber einfach mit einem Achselzucken hin. Weiterhin für alle attraktiv zu bleiben muss unsere größte Aufmerksamkeit haben. Also könnte die BVG an ihren Haltestellen bitte für mehr Sauberkeit sorgen, die Geschäftsleute oder deren Beauftragte auch mal selbst den Besen in die Hand nehmen, so wie auch Anlieger nicht nur meckern, sondern auch mal selbst zupacken sollten. Die Freude über den Touristenboom ist groß, bleibt er aber aus, werden wir uns bestimmt fragen: Warum?

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Ohne Durchgangsverkehr wäre das Leben der Tiere sicherer

Zum Artikel: "Plattform zur Beobachtung von Bibern geplant" vom 23. Februar

Mit Freude habe ich gelesen, dass dieser Schatz inmitten der Stadt, das von Bibern bewohnte Sumpfgebiet, aufgewertet wird. Nicht verstehen kann ich, dass dem Schutz der Tiere nicht mehr Bedeutung beigemessen wird. Immer noch müssen die Tiere eine stark befahrene Straße queren. Erst im vergangenen Sommer fand ich dort einen überfahrenen Biber. Es gibt zwar eine Geschwindigkeitsbegrenzung und ein Nachtfahrverbot, doch das wird kaum kontrolliert. Die Situation ist vergleichbar mit der geplanten Schnellstraße durch die Serengeti. Dabei kann das Gebiet bei uns ohne Umweg umfahren werden. Wann wird der Durchgangsverkehr aus der Rhenaniastraße verbannt?

Norbert Piel, Spandau