Leserbriefe

"Kaum zu überbietende Arroganz"

Da kann man ja nur hoffen, dass der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), Claus Weselsky, und seine Mitstreiter nicht auch noch Dankbarkeit dafür erwarten, dass sie die Berliner S-Bahn-Kunden vorübergehend von ihren nicht nachvollziehbaren, willkürlichen Aktionen verschonen. Weselsky und seine Gefolgsleute nehmen die Kunden der S-Bahn als Geiseln und erfüllen vielfach den Tatbestand der Nötigung. Vielleicht sollte die Staatsanwaltschaft einmal darüber nachdenken.

Michael Hirdes, per E-Mail

Das Interview mit Herrn Weselsky ist eine Irreführung der Bahnkunden. Einerseits will die GDL einen Flächentarifvertrag, andererseits pocht sie auf den Abschluss von Haustarifverträgen. Was denn nun? Zweitens: Die weit größere Gewerkschaft EVG schafft für 250 000 Beschäftigte der Bahn einen Tarifabschluss. Wieso meint dann die GDL, ihr Monopol (für allerdings lediglich 25 000 Mitglieder) ausnutzen zu müssen, um noch mehr Geld rauszuholen? Drittens: Warum streikt die GDL im eiskalten Winter? Viertens: Wenn man zuallererst die privaten Bahnkonkurrenten zum Tarifabschluss zwingen will, warum bestreikt man dann die Deutsche Bahn? Fünftens: Wenn man denn doch die Deutsche Bahn treffen will - aus welchen Gründen auch immer -, warum bestreikt man dann nicht nur den profitablen Güterverkehr, sondern trifft bewusst und absichtlich die vielen Zehntausend Fahrgäste im Personenverkehr?

Oliver Laudahn, per E-Mail

Für mich ist die hysterische Aufregung über den Streik bei der Deutschen Bahn und der S-Bahn völlig unverständlich. Im Gegenteil: Ich freue mich über die Arbeitskampfmaßnahmen, denn es ist höchste Zeit, dass sich die Gewerkschaften endlich der seit zehn Jahren rückläufigen Reallohnentwicklung entgegenstellen. Nicht nur unter der CDU-geführten Regierung, sondern auch bereits unter der SPD ist Deutschland zu einem Billiglohnland mutiert, was in der EU zunehmend mit Unbehagen und harscher Kritik begleitet wird. Die Folge ist gefährlich, weil die nur auf Export ausgerichtete deutsche Wirtschaft die Binnennachfrage sträflich vernachlässigt hat. Deshalb nehme ich gern Unannehmlichkeiten und Verspätungen in Kauf, wenn die GDL zu Streiks aufruft, denn schließlich sind solche legitimen Maßnahmen in der Lohnauseinandersetzung, die nun einmal unsere Demokratie auszeichnen, im Interesse aller Arbeitnehmer.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Ich kann mit den Reisenden mitfühlen. Bei uns waren auch Kollegen betroffen, die nach der Nachtschicht nach Hause wollten. Vom Bahnhof Südkreuz fuhr zwischen 6 und 8 Uhr keine einzige S-Bahn. Die Reisenden mussten in der Kälte ausharren. Als ich eine Servicemitarbeiterin fragte, warum der Streik diesmal so extrem war, bekam ich die Antwort, dass nicht nur Züge fehlen. Auch Lokführer fehlen. Das ist für mich unverständlich. Selbst wenn wieder Züge repariert sind, können diese nicht eingesetzt werden, weil das Personal fehlt.

Marcel Mrasek, per E-Mail

Wir als ständige S-Bahn-Nutzer empfinden, dass die Arroganz und die Selbstherrlichkeit des Herrn Weselsky durch nichts zu überbieten sind. Er hat bestimmt noch nie auf einem frostigen S-Bahnhof auf das Eintreffen der Bahn warten müssen. Die Häme von Weselsky im Morgenpost-Interview grenzt an Verachtung der Fahrgäste, die mit ihren Fahrkarten, egal ob Abos oder Tageskarten, zum Lohn der Lokomotivführer beitragen. Wir finden Weselskys Verhalten verwerflicher als das des Herrn zu Guttenberg. Dieser schadet nämlich der Öffentlichkeit nicht.

Günter Ulrich, Fredersdorf

Merkwürdige Nutzung der Brachfläche

Zum Artikel: "Feuerwerksmesse auf dem Tempelhofer Feld" vom 21. Februar

Im November findet auf dem Tempelhofer Feld eine Feuerwerksmesse statt. Tagsüber Verkauf, abends Feuerwerk. Gute Idee. Das passt gut zu den jährlichen Aufrufen zu Silvester, auf Feuerwerkskörper zu verzichten, und sorgt zudem für mehr Arbeit der Berliner Feuerwehr. Vor allem aber scheint die Veranstaltung in das "Konzept" des Senats für das brachliegende Tempelhofer Feld zu passen. Ganz entgegen dem traditionsreichen Deutsch-Amerikanischen Volksfest, das aus ideologischen Gründen abgelehnt wird.

Michael Koch, per E-Mail

Wenn auf dem Tempelhofer Flugfeld eine Feuerwerksmesse stattfindet, dann kann ich jetzt bestimmt auch wieder mit meinem alten Auto innerhalb des S-Bahn-Rings fahren und meinen Wirt bitten, wieder einen Heizpilz vor die Tür zu stellen. Aber vielleicht habe ich es auch nicht richtig verstanden, und die Feuerwerker haben neuerdings umweltfreundliches Feuerwerk.

B. Hensel, per E-Mail