Leserbriefe

"Gesamtverkehrskonzept fehlt"

Die zuständige Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) weiß vermutlich nicht mehr, was sie tut. Mal davon abgesehen, dass es sich um unverschämte Eingriffe in die Eigentumsrechte von Bauherren handelt, kann Berlin so nicht funktionieren. Sollen die Berliner künftig mit Rucksäcken oder dem Hackenporsche zum Einkauf fahren? Das Einkaufsverhalten unterer Bevölkerungsschichten kann nicht zum Maß der Dinge werden. In diesem Jahr feiern wir den 125. Geburtstag des Automobils. Es war, wie viele andere Dinge jener Zeit - Elektrizität, Eisenbahn, Flugzeug - eine nützliche Erfindung. Die Idee, Automobile aus der Stadt und damit aus unserem Lebensbereich zu verbannen, zeugt von Weltfremdheit und Lebensferne. Mit derartigen Ideen wäre die SPD in Hamburg vermutlich nicht gewählt worden.

Ralf Drescher, per E-Mail

Politiker jeder Partei lassen sich gerne in großen Dienstlimousinen herumfahren. Begründet wird dies in der Regel damit, dass die Wahrnehmung der vielen Termine anders nicht zu bewältigen sei. Nur ausnahmsweise wird für die Fotografen mal auf das Rad geklettert. Augenblicklich überbieten sie sich allerdings im Ausdenken neuer Folterwerkzeuge für das gemeine automobile Volk. Das soll sich am besten nur noch in den überforderten ÖPNV drängen. Der Politikwechsel scheint bitter notwendig. Die Alternative bestünde nur noch darin, der Stadt den Rücken zu kehren. Und das wäre schade.

Rainer Girbig, Wilmersdorf

Diese angestrebte Reduzierung der innerstädtischen Parkplätze wird in der Tat nicht nur potenzielle Kunden, sondern auch die betroffenen Geschäftsinhaber verärgern. Ich fahre selbst nur in Notfällen in die Innenstadt. Meine Einkäufe erledige ich in dem zehn Autominuten entfernten Großeinkaufszentrum Havelpark (Dallgow), wo 4000 Gratisparkplätze zur Verfügung stehen.

Frank Künzel, Kladow

Mit der Stellplatzobergrenzenverordnung beweist der Senat erneut seine autofeindliche Politik. Viele ältere Menschen sind auf das Auto angewiesen, schon jetzt findet man kaum noch Parkplätze. Das Problem ist damit nicht gelöst, und es ist schlecht für die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere der Geschäfte und der mittelständischen Betriebe. Bei dem S-Bahn-Chaos der vergangenen Monate ist es nur zu verständlich, wenn viele Bürger wieder auf das Auto umsteigen. Statt singulärer Maßnahmen sollte der Senat besser ein Gesamtverkehrskonzept vorlegen.

Christian Lukner, per E-Mail

Es reicht. Für eine Familie bedeutet es, dass man mit Einkaufstüten beladen auch noch weite Fußwege zurücklegen muss. Meine Konsequenz daraus ist, dass nur noch dort eingekauft wird, wo ich meinen Pkw parken darf.

Wolf-D. Braun, per E-Mail

Der Senat lässt nichts unversucht, seine ideologischen Vorstellungen zum Schaden Berlins umzusetzen. Zuerst hat man erfolgreich die Industrie vertrieben und sich dann den Autoverkehr vorgenommen. Nachdem die Umweltzone, die roten Ampelwellen, die unkoordinierten Dauerbaustellen und die ausufernde Parkraumbewirtschaftung den Verkehr noch nicht zum Erliegen gebracht haben, kommt nun die Stellplatzobergrenzenverordnung. Zum wiederholten Mal stellt sich der Senat aus rein ideologischen Gründen gegen die Meinung aller Experten.

Michael Koch, per E-Mail

Mit diesen Plänen disqualifiziert sich der Senat, der schon längst nicht mehr unser Senat ist. Zur kommenden Wahl wird jene Partei erfolgreich sein, die Tempo 30 verhindert, den Weiterbau der Stadtautobahn fördert, das unsinnige Fahrverbot in der Innenstadt aufhebt und es den Unternehmen überlässt, wie viel Parkplätze sie für ihre Kunden benötigen. Kurz gesagt die Partei, die verkehrspolitische Entscheidungen mit Sachverstand zu treffen vermag.

Bernhard Bergmann, Britz

Bei dieser Regelung bleiben die in der City wohnenden Älteren, Behinderte und Großfamilien auf der Strecke. Für Supermärkte ist das geschäftsschädigend.

Kurt Hauer, Steglitz

Ob unsere Politiker noch wissen, dass auch Autofahrer Wähler sind? Von jedem Arbeitnehmer wird Mobilität verlangt. Aber die Politiker wollen alle auf das Fahrrad zwingen, obwohl BVG und S-Bahn den Nahverkehr nicht bewältigen.

G. Neumann, per E-Mail

Da wir in Berlin offensichtlich keine Sorgen mit Arbeitslosigkeit, Jugendgewalt oder Straßenschäden haben, können wir uns ganz in aller Ruhe und möglichst klammheimlich um die Reduzierung von Parkplätzen kümmern. Die Einkaufszentren im Umland werden es uns danken.

Hans W. Ruschin, per E-Mail