Leserbriefe

"Mit Solidität Wähler überzeugt"

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Leser zu dem Ergebnis der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft und dem Sieg von Olaf Scholz (SPD)

Die Exit-Strategie von Angela Merkel klingt nicht überzeugend. Denn wenn eine Partei so viele Prozentpunkte verliert wie die CDU in Hamburg, dann kann es hierfür nicht nur lokale Gründe geben. Zumal ein Großteil der bisherigen Wähler einfach zu Hause geblieben ist. Was im Regelfall für eine generelle Parteienverdrossenheit - und damit eine bundespolitische Komponente - spricht. Die nicht zuletzt dadurch mit verursacht sein dürfte, dass die Bundesregierung die Wirtschaftskrise bereits für sich weitgehend als beendet erklärt hat, obwohl viele Menschen mehr denn je um die Sicherheit ihres Jobs bangen. Weswegen die Christdemokraten, ohne ihr soziales Profil zu schärfen, ebenfalls bei den nächsten Wahlen Schiffbruch erleiden dürften. Schließlich machen sich Parteien, die nicht mehr auf die Sorgen und Nöte der Bevölkerung reagieren, sondern lediglich passiv danebenstehen, überflüssig.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Olaf Scholz war als Arbeits- und Sozialminister in der großen Koalition maßgeblich daran beteiligt, Wege aus der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929 zu suchen und zu finden. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes und das Auflegen der Konjunkturpakete I und II sind eng mit seinem Namen verbunden. Deshalb ist Olaf Scholz, der Krisenmanager, zu Recht der haushohe Wahlsieger von Hamburg. Mit ihm kann und wird es in Hamburg wieder aufwärts gehen. Er könnte mit Sigmar Gabriel und Andrea Nahles die neue Führungstroika der SPD bilden.

Roland Klose, per E-Mail

Die erdrutschartige Niederlage der Hamburger CDU als regionalspezifisches Ereignis abtun zu wollen, greift zu kurz. Vielmehr haben die Wähler das Hin-und-Her-Taktieren der Politiker satt und sehnen sich nach Solidität und sozialer Gerechtigkeit. Offensichtlich konnte Herr Scholz mit diesem Eindruck punkten und die politische Mitte für die SPD zurückgewinnen. Selbstverständlich strahlt das Hamburger Ergebnis auch auf die nächsten Landtagswahlen aus, und auch die Bundespolitiker wären gut beraten, aus der Hamburger Wahl zu lernen.

Christian Lukner, per E-Mail

Bei einer Wahlbeteiligung von 57 Prozent und dem erdrutschartigen Absturz der CDU ist es doch kein Wunder, dass die verbleibenden Parteien neben der SPD auch einige Prozentpunkte abbekommen. Dies nun so groß herauszustellen, halte ich nicht für richtig. Man wird sehen, was die nächsten Wahlen in Deutschland für die FDP bringen. Vergessen sollte auch nicht sein, dass sich die Hamburger SPD ihre Hochburg zurückerobert hat und dies bestimmt auch mit einem guten, überzeugenden Programm.

Christoph Költzsch, per E-Mail

Der Sieg der SPD bei den Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft ist nicht das Verdienst der SPD, sondern eines einzelnen Mannes: Olaf Scholz, der sich mit seiner kühlen hanseatischen, besonnenen und gradlinigen Art das Vertrauen der Hamburger und auch der Wirtschaft erworben hat. Olaf Scholz besitzt kein Charisma, aber offensichtlich die Gabe, Menschen von seinen Vorhaben zu überzeugen. Olaf Scholz ist ein Macher und kein Marktschreier, wie sie in der Parteispitze zu finden sind. Und da er allein regieren darf, wird er vermutlich auch vieles bewegen können. Für einen zweiten Helmut Schmidt allerdings fehlt es ihm an Temperament und für einen Bundeskanzler der Zukunft Format.

Eleonore Klein, per E-Mail

Es ist vor allem auch die Bundeshauptstadt, wo man nach diesem Wahlergebnis nicht einfach "Weiter so" sagen kann. Keine Wechselstimmung wohl nur, weil die Spitzenkandidatin der grünen, Renate Künast, mit ihrem ideologischen Radikalprogramm Wowereit wieder Mut gemacht hat. Aber ihm fehlt die Vision von der Dimension Berlins.

Jürgen Spiegel, per E-Mail

Die CDU in Hamburg ist an dem miserablen Ergebnis selbst schuld. Die Kapriolen des früheren Bürgermeisters Ole von Beust haben einen großen Schaden hinterlassen. Es wird Jahre dauern, bis dies alles aufgearbeitet ist. In Berlin sollte der CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel nun nicht so tun, als ob ihn das nichts anginge. So doll ist die CDU hier nicht aufgestellt, insbesondere, wenn man den Bekanntheitsgrad von Herrn Henkel berücksichtigt. Und wenn sie nicht aufpasst, dann landet sie bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September ebenfalls nur bei 20 Prozent wie in Hamburg. Alle Träume auf einen Politikwechsel in der Hauptstadt wären dann ebenfalls dahin. Insbesondere muss aber das Profil der CDU geschärft werden. Hamburger Verhältnisse, wo mit der CDU je nach Belieben alles ging, dürfen nicht sein. Die Leute wollen klare Verhältnisse. Nun haben die Hamburger Bürger diese Verhältnisse. Für die CDU brechen harte Zeiten an.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail