Leserbriefe

"Weniger eine Frage des Geldes"

Die Mutmaßung, dass es bei Ärzten, die lieber in der Stadt als auf dem Land arbeiten, ums Geld ginge, ist schlichtweg falsch. Die meisten Landärzte verdienen besser als ein Hausarzt in der Großstadt. Die Gründe sind eher in den schlechten Arbeitsbedingungen der Ärzte auf dem Land und in der Stadt zu suchen. Eine ungeheure Menge von Patienten in kurzer Zeit, täglich hundert Patienten - auf dem Land noch mehr - müssen gesehen und adäquat behandelt werden. Auf dem Land wird zudem der Nachtschlaf regelmäßig gestört, was auf Dauer an den Kräften zehrt. Im Ausland werden Ärzte mehr geachtet, besser behandelt und haben mehr Zeit für ihre Patienten. Zudem hat nicht jeder Arzt eine Familie, die mit aufs Land ginge. Mancher Kollege möchte vielleicht in seiner Freizeit die Vorzüge von kulturellen und anderen Annehmlichkeiten der Großstadt genießen.

Dr. med. Charles Woyth, Wittenau

Nur fünf Prozent der Ärzte wollen Landarzt werden? Um zu wissen, ob das ein Problem ist, müsste man wissen, wie viele Leute auf dem Land leben. Ich schätze, dass das nur fünf Prozent sind. Dann wäre das doch in Ordnung. Bei der Beantwortung der Frage, ob den Ärzten das Geld wichtiger sei als der Patient, darf nicht vergessen werden, dass die Ärzte nur etwa 35 Euro für die Behandlung eines Patienten im Quartal erhalten. Wenn der Patient zweimal im Quartal kommt, sind das 17,50 Euro pro Behandlung, die in der Regel 10 bis 15 Minuten dauert. Und dieser Betrag soll für eine exzellente, qualifizierte medizinische Behandlung genügen? Wenn der Patient dann auch noch chronisch oder schwer krank ist und jede Woche kommt, gibt es nur noch 2,92 Euro pro Behandlung. Und da wird ernsthaft gefragt, ob den Ärzten das Geld wichtiger sei als der Patient? Ohne Maria-Theresia-Syndrom würde doch kein Arzt seinen Job machen.

Peter Schmidt, per E-Mail

Brandenburg ist Paradies für abgehalfterte Stasi-Spitzel

Zum Artikel: "Polizeisprecher wegen Stasi-Verdachts abgesetzt" vom 18. Februar

Das benachbarte Bundesland Brandenburg erweist sich immer wieder als Paradies für abgehalfterte Stasi-Spitzel und DDR-Nostalgiker. Ein Schelm, wer dabei denkt, die großzügige Übernahme sogar hauptamtlicher Stasi-Leute durch die neue Landesregierung 1990 habe irgendetwas mit der Biografie des damaligen Ministerpräsidenten Stolpe zu tun. Auch am gesunden Menschenverstand der damaligen Funktionsträger braucht man nicht zu zweifeln. Vermutlich war es pure Absicht, Vertreter von Repressionsorganen der SED-Diktatur in der neuen Zeit an die Futterkrippe zu lassen. Das hat übrigens nichts mit der SPD oder anderen Parteibüchern zu tun. Der damalige Bundesgrenzschutz hat ja 1990 sogar Politoffiziere der DDR-Grenztruppen übernommen, die bis heute bei der Bundespolizei ihr Unwesen treiben.

Ralf Drescher, per E-Mail

Motivation der Berliner Lehrer sinkt damit weiter

Zum Artikel: "Die Hauptstadt wirbt um Lehrer aus Bayern" vom 17. Februar

Es ist absolut empörend, dass jetzt verbeamtete Lehrer hier mit offnen Armen empfangen und bezahlt werden, uns Berliner angestellten Lehrern diese Vergütung aber weiterhin verwehrt bleibt. Dieses Mittel ist eins der absoluten Verzweiflung und nicht, weil die Arbeitsbedingungen an Berliner Schulen so "sexy" sind. Hätte man die Verbeamtung 2004 nicht abgeschafft, hätten wir nicht so ein gravierendes Lehrermangel-Problem. Es ist selbst gemacht, absolut kurzsichtig gewesen und unter fadenscheinigen ideologischen Begründungen herbeigeführt worden, von Menschen, die zum Großteil selbst verbeamtet sind. Unmöglich, unter diesen absolut ungerechten und unterschiedlichen Arbeitsbedingungen weiter hoch motiviert zu bleiben.

Eva Reimann, per E-Mail

Kommunikative Blödheit bei jeder Telefonansage zu erleben

Zum Artikel: "Wer wird Millionär? Der Computer" vom 18. Februar

Die kommunikative Blödheit der Computer ist heute bei jeder Telefonansage zu erleben, und nun wird uns das auch noch als "sprachliche Kompetenz und Wortwitz" angedient. Ich kann Ihnen nur zugutehalten, dass dieses Antwort-Frage-Spiel in den USA stattgefunden hat und vermutlich nicht korrekt übersetzt wurde, jedenfalls ist auf die Frage "Was ist Sanskrit?" die einigermaßen detailliert gegebene "Antwort" völlig überzogen und irritierend. Ich muss auch gestehen, dass ich darin keinerlei Hintersinn entdecken kann, der mir einen Aha-Effekt oder ein Schmunzeln entlocken könnte.

Prof. H. Müller, Heiligensee