Leserbriefe

"Sicherheit der Bürger gefährdet"

Leser zur Erhöhung des Krankenstandes bei der Berliner Polizei und zu den neuen Dienstzeiten

Die durch dieses sogenannte Arbeitszeitmodell entstandenen Zustände bei der Polizei sind unzumutbar. Durch die Verzögerung der Notrufaufnahme in der Funkbetriebszentrale ist die Sicherheit der Bürger gefährdet. Die durch den Senat vollzogene Reduzierung des Personals im Allgemeinen wirkt sich nun sogar auf die Beamten aus, welche für sofortige Hilfe zuständig sind. Das ist ein Skandal. Natürlich ist die Gewerkschaft der Polizei entsetzt, doch gegen die Sturheit der Behörde ist anscheinend kein Kraut gewachsen.

Wolfgang Pickert, E-Mail

Seitens der Polizeiführung werden negative Auswirkungen für den Bürger seit Einführung des neuen Arbeitszeitmodells erwartungsgemäß dementiert. Ein unmittelbarer Zusammenhang hinsichtlich der Überlastung betroffener Dienstbereiche als Folge der drastischen Verschlechterung von Arbeitsrahmenbedingungen und dem damit verbundenen Anstieg des Krankenstandes liegt auf der Hand. Bereits die Vorbereitungsphase zur Abschaffung des Zwölf-Stunden-Wechseldienstes und der Planung kürzerer Arbeitszeitphasen stieß auf geschlossene Ablehnung bei den Polizeibeamten. Die Mitarbeiter fühlen sich von der Behördenleitung verhöhnt, da diese organisatorische Veränderung als Einführung eines familienfreundlicheren und gesünderen Arbeitszeitmodells vorgestellt worden ist. Im Vorfeld geäußerte Bedenken der Betroffenen haben sich nach den ersten sechs Wochen Erprobungsphase voll bestätigt. Die Mitarbeiter sehen sich durch dauerhaft unregelmäßige Schichtfolgen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt, die aus arbeitsmedizinischer Sicht nicht hinnehmbar sind. Das Familienleben und die sozialen Kontakte der Schichtdienstleistenden bleibt in nicht akzeptablen Umfang auf der Strecke. Die Mitarbeiter der von der aktuellen Arbeitszeitveränderung betroffenen Dienstbereiche erhoffen sich zur Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben und zur eigenen Motivation die Rückkehr zum Zwölf-Stunden-Wechseldienst, der sich seit Jahrzehnten bei der Berliner Polizei bewährt hat.

Michael Moebius, Kriminalhauptkommissar

Die Auswirkungen des neuen Arbeitszeitmodells kann ich als Polizistenehefrau spüren. Unregelmäßiger Schlaf, eingeschränkte sozialen Kontakte und vieles mehr. Dass Polizeipräsident Glietsch erst von Polizeimedizinern über gesundheitlichen Folgen informiert wurde, ist ein Unding. Die Reform wurde lange genug geplant. Wurde dabei nicht über die gesundheitlichen Folgen nachgedacht? Herr Glietsch, Hausaufgaben nicht erledigt, Note 6, setzen!

Manuela Gubesi-Watzke, per E-Mail

Nicht nur an Demokratie, auch am Wohlstand interessiert

Zum Artikel: "Exodus aus Tunesien" vom 14. Februar

Die Instabilitäten in Nordafrika nehmen weiter zu. Dort haben die Völker begriffen, dass Diktatur und Despotie immer nur von den kleinen Leuten bezahlt werden müssen. Leider haben sie auch verstanden, dass die Europäer vor ihrer Haustüre nur Demokratie, aber keinesfalls den Wohlstand mit ihnen teilen wollen. In dieser Situation könnte es geschehen, dass sie millionenfach nach Mitteleuropa aufbrechen.

Jürgen Böck, per E-Mail

Brauchen die Menschen in Afrika eine harte Hand, damit Chaos vermieden und der Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer gebremst wird? Wir wünschen zwar den Ägyptern und andern Völkern von Herzen die Freiheit. Aber geht das, trotz zunehmender Verarmung? Jahrzehnte lang stiegen in Ägypten nur die Preise, nicht aber die Löhne. Und weiter südlich nimmt das Elend noch kontinuierlich zu. Ist Misswirtschaft die Ursache für den wirtschaftlichen Niedergang? Nein, diese Länder wurden von den Industriestaaten finanziell ausgesaugt.

Hans Oette, per E-Mail

Zweifel an fachlicher Kompetenz etwa in Bildungsfragen

Zum Artikel: "Geschlossen in den Wahlkampf" vom 13. Februar

Gerne würde man die Aussage der Berliner CDU "geschlossen in den Wahlkampf" glauben, um die zur Zeit desaströsen politischen Zustände in Berlin zu beenden. Offen bleibt allerdings, wie sich der Spitzenkandidat der CDU etwa mit einem seiner wichtigsten Ziele, der Bildungspolitik, gegen die Fachpolitiker der anderen Parteien durchsetzen will. Wie unlängst zu lesen war, ist er doch bereit, seinen eigenen erfahrenen Bildungspolitiker Sascha Steuer parteiinternen Machtkämpfen zu opfern. Es ist daher sehr mutig, von "Geschlossenheit" zu sprechen. Ob dieser Schlingerkurs tatsächlich zur Ablösung der rot-roten Regierung reicht, darf bezweifelt werden.

Markus Oegel, per E-Mail