Leserbriefe

"Äußerst fragwürdige Ehrung"

Margot Käßmann bekommt als Belohnung für ihren Rücktritt infolge ihrer Trunkenheitsfahrt einen Preis für Zivilcourage von der Kulturstiftung Pro Europa. Es gibt so viele Menschen in unserem Land, die eine derartige Ehrung wirklich verdient hätten. Oder hat sich Frau Käßmann ohne Rücksicht auf ihr Ansehen oder ihre Gesundheit für andere eingesetzt? Nein, sie hat in ihrer Vorbildfunktion nur konsequenterweise ihren Hut und ganz nebenbei sich selbst aus der Schusslinie genommen. Ich verstehe nicht, was ihre grobe Verfehlung mit dem Zweck der Kulturstiftung Pro Europa zu tun hat.

Thomas Wermter, per E-Mail

Da verstehe einer die Menschheit. Fährt ein Politiker betrunken Auto, so wird sein Rücktritt gefordert. Wird eine Vorsitzende der Kirche dabei erwischt und tritt freiwillig zurück, dann erhält sie einen Preis für Zivilcourage. Bei aller Anerkennung der Beliebtheit dieser Persönlichkeit muss man sich fragen, was in den Köpfen einiger Menschen vorgeht.

Willi Juhnke, Mariendorf

Frau Käßmann fährt betrunken Auto. Als dies öffentlich gemacht wird, tritt sie von ihren Ämtern zurück. Das ist für mich eine logische Schlussfolgerung. Und jetzt soll sie für diesen Rücktritt den "Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage" erhalten? Für mich bedeutet Zivilcourage, wenn man etwa anderen Menschen in Not oder Gefahr hilft. Und dafür gibt es wohl genug Beispiele in Deutschland und in anderen Ländern der EU. Über diese Auszeichnung kann man doch nur den Kopf schütteln.

Marianne Mewes, per E-Mail

Die Meldung hat mir fast die Sprache verschlagen. Da fährt eine herausragende Person des öffentlichen Lebens stark betrunken Auto und soll dafür, weil sie daraufhin ihr Amt zur Verfügung stellt, den Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage bekommen. Es ist es schon beachtlich, dass jemand für sein Fehlverhalten einsteht. Nicht nachzuvollziehen aber ist, dass man dafür einen Preis bekommt. Dies ist eher eine nachträgliche Verharmlosung ihres Fehlverhaltens.

Bernd Wolke, per E-Mail

Jetzt endlich weiß ich, wie man den Europäischen Kulturpreis erringen kann: Man begeht eine Straftat und stellt dann sein hohes Amt, das man ja ohnehin nicht mehr glaubwürdig ausüben könnte, zur Verfügung. Schon in der Bibel steht: "Im Himmel ist mehr Freude über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen." Sicherlich aus diesem Grunde wird sich Frau Käßmann nicht zieren, diese Auszeichnung anzunehmen.

Dr. Peter Ollick, per E-Mail

Wenn Frau Käßmann den Preis annimmt, ist sie kein gutes Vorbild. Der Rücktritt vom Amt war selbstverständlich. Zivilcourage könnte sie beweisen, indem sie diesen fragwürdigen Preis ablehnen würde.

Klaus Peters, Wilmersdorf

Ein richtungsweisender Erfolg für mehr Transparenz

Zum Artikel: "Erstmals Erfolg für Berliner Volksentscheid - Wasserverträge: Mehr als 26 Prozent stimmen für Offenlegung der geheimen Unterlagen" vom 14. Februar

Über das Ergebnis des Volksentscheids kann man sich nur freuen. 27,5 Prozent der Bürger gaben ihre Stimme ab. 98,2 Prozent der abgegebenen Stimmen votierten mit Ja. Das ist ein Erfolg. Die Zeiten, in denen Politiker in dieser Stadt machen und tun konnten, was sie wollten, scheinen wohl doch vorbei zu sein. Ärgerlich ist aber dennoch die Tatsache, dass 73,5 Prozent der Berliner dieses Thema überhaupt nicht interessiert. Sie verlassen sich lieber auf ihre Mitbürger, denn die werden schon für sie die Stimme erheben, so ihre Einstellung. Überall auf dieser Welt streben Menschen nach Freiheit und Demokratie, sie gehen auf die Straße und riskieren ihre Gesundheit dafür. Diese Verweigerer gelebter Demokratie werden wohl erst bei einem Volksentscheid abstimmen, wenn es darum geht, dass die Kaufhäuser 24 Stunden am Tag die ganze Woche über geöffnet sein sollen.

Michael Kohl, per E-Mail

Das Thema Wasser ist viel zu ernst, um auf die leichte Schulter genommen zu werden. Wasser ist Lebenselixier. Zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen lebenswichtig. Mehr als zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Wasserqualität darf keineswegs der Profitgier einiger Konzerne geopfert werden. Wasser gehört in die Kategorie der Daseinsvorsorge, sollte deshalb nach Möglichkeit in staatliche Obhut. Der Bürger hat ein Recht zu erfahren, wie es um die Wasserverträge steht. Insoweit war und ist der Volksentscheid ein Erfolg, der in die richtige Richtung geht.

Christian Lukner, per E-Mail