Leserbriefe

"Eine bittere Blamage beschert"

Der überfüllte Veranstaltungssaal in der Gedenkstätte Hohenschönhausen erlebte am 6. Februar eine politische Sternstunde. Man kann der Gedenkstättenleitung nicht genug danken, dass sie dieses Gedenken für Ronald Reagan ermöglichte - und damit den rot-roten Berliner Stadtvätern, die das verweigerten, eine bittere Blamage bescherte. Karl-Theodor zu Guttenberg würdigte in einer inhaltlich überaus bemerkenswerten und rhetorisch brillanten Rede angemessen die Verdienste Reagans um Berlin und forderte ein längst überfälliges, sichtbares Signal das Dankes der Stadt, etwa einer Straßenbenennung nach dem amerikanischen Präsidenten. Das "ideologische Brett vor dem Kopf", das zu Guttenberg dem derzeitigen Berliner Senat bescheinigte, hat eine lange Tradition in Berlin. Bei den Demonstrationen gegen den "Kriegstreiber" Reagan habe ich an der Tauentzienstraße dieses selbst erleben dürfen, als von durchgeknallten Fanatikern Betonplatten und Pflastersteine von mehrgeschossigen Häusern auf Menschen geschleudert wurden - damals ermuntert von Grünen-Politikern.

Dirk Jungnickel, Lichterfelde

Dass die Politiker des Berliner Senats sich einer Ehrung anlässlich des 100. Geburtstages von US-Präsident Ronald Reagan versagen, ist nicht unbedingt verwunderlich. Man erwartet von denen auch nichts anderes. Dass die Initiative dazu von der SED-Opfergedenkstätte Hohenschönhausen ausging, ist wirklich bemerkens- und anerkennenswert. Für zu Guttenberg war das eine gut genutzte Steilvorlage, die sicherlich gen USA berichtet werden wird. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem politischen Sensor der sogenannten bürgerlichen Parteien CDU und FDP. Hier hätte man doch wirklich einmal publikumswirksam punkten können, anstatt sich auf die reaktive Beschimpfung des politischen Gegners zu beschränken. Aber wahrscheinlich waren sie über die Art und Weise und den Umfang der Reagan-Ehrung noch nicht einmal informiert.

Wolfgang Walczynski, per E-Mail

Auch Ronald Reagan verdanken wir die Wiedervereinigung des deutschen Volkes. Es ist daher unverständlich, dass der Berliner Senat es nicht fertigbrachte, eine angemessene öffentliche Veranstaltung zu organisieren. Liegt es daran, dass die SPD keine Wiedervereinigung wollte, oder hindert die Linkspartei die SPD, den 100. Geburtstag würdig zu begehen. Für Rosa Luxemburg gehen die Roten auf die Straße und ehren sie jährlich, obwohl sie ein mörderisches System glorifizierte. Ihr Motto "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden" hört sich gut an, wurde aber in ihrem System nie gelebt. Man sollte Reagan in Berlin einen Platz oder eine Straße widmen, vielleicht den Rosa-Luxemburg-Platz.

Gerhard Grigoleit, Wannsee

Einsatz externer Fachkräfte könnte die Not lindern

Berlin: Auch zweites Schulhalbjahr beginnt mit Lehrermangel vom 8. Februar

Am meisten wurde Anfang der 70er-Jahre in die Bildung investiert. Damals wurde Schulen und Hochschulen förmlich aus dem Boden gestampft. Heute ist noch nicht mal Geld für Renovierungsarbeiten da. Geschweige denn für ausreichend Lehrpersonal, insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern. Es verwundert daher nicht, wenn auch das neue Schulhalbjahr erneut mit Lehrermangel beginnt. Es gäbe genügend Leute aus der Industrie oder ältere Lehrkräfte, die in der Lage wären, Mathe- oder Physikunterricht zu erteilen. Der Senat sollte im Interesse unserer Kinder schnell und unbürokratisch handeln.

Christian Lukner, per E-Mail

Problem liegt eher in der Unterversorgung mit Fachärzten

Zum Artikel: "SPD will Gleichbehandlung von Kassenpatienten" vom 8. Februar

Es ist nicht das Problem der Gleichbehandlung, sondern das in bestimmten Teilen unserer Stadt - und auch unseres Landes - nicht genügend Fachärzte zur Verfügung stehen. Es ist bereits gelebte Realität, dass in Facharztpraxen keine neuen Patienten mehr angenommen werden. Sehe ich mir die Wartezimmer der Praxen an, so kann ich die Wartezeiten verstehen. Außerdem stellt sich die Frage, ob mit überlasteten Fachärzten und dem damit verbundenen Schnellverfahren den Patienten geholfen ist. Die ausreichende fachärztliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten würde dem Gesundheitsexperten besser zu Gesicht stehen. Auf diesem Gebiet haben die SPD und ihr Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der selbst Mitglied des Deutschen Bundestags ist, kläglich versagt. Bevor dieses grundlegende Problem nicht beseitigt wird, sollte sich - insbesondere - die SPD mit Lösungsvorschlägen zu Wartezeiten und Terminvergabe in der Öffentlichkeit zurückhalten.

Heinrich Philipp, Mahlsdorf