Leserbriefe

"Anderes Demokratieverständnis"

Die Unruhen in Ägypten weiten sich offensichtlich aus, man könnte fast von einem Flächenbrand sprechen. Die Frage ist, wie es jetzt weitergeht in Ägypten, Tunesien und im Jemen. Keineswegs ist sicher, dass Machthaber und Diktatoren durch demokratisch legitimierte Regierungen ersetzt werden, jedenfalls nicht kurzfristig. Mit unseren Vorstellungen von Demokratie liegen wir in Ländern, die kulturell vom Islam geprägt sind, völlig falsch.

Christoph Lauber, per E-Mail

Nicht auszudenken, wenn man die Bilder aus Kairo der vergangenen Tage gesehen hat. Eine Schlagzeile lautete: "Das Ägyptische Museum in Kairo muss vor Plünderung geschützt werden." Immerhin liegt es nicht weit vom Tahrir-Platz entfernt, dort, wo nicht nur friedlich demonstriert wurde, sondern wo es jetzt auch zu regelrechten Straßenschlachten gekommen ist. Wie sich die Situation in Ägypten weiter entwickeln wird, weiß derzeit wohl keiner so recht. Vor mehr als 3000 Jahren geschaffen, wurde die Büste der Nofretete 1913 legal nach Deutschland gebracht. Im Neuen Museum hat sie seit 2009 einen würdigen Platz gefunden. Sie ist damit an ihren ursprünglichen Aufenthaltsort auf der Berliner Museumsinsel zurückgekehrt. Es stellt sich die Frage, ob der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, weiter auf einer Rückführung der Nofretete nach Kairo - auch unter den jetzigen politischen Verhältnissen - beharrt. Vor Ausbruch der Unruhen war seine Argumentation auch nicht gerade überzeugend.

Prof. Dr. Volkmar Schneider, Lichtenrade

Ich verstehe die Überraschung vieler Politiker über die Entwicklung in Ägypten überhaupt nicht. Als ich vor etwa fünf Jahren in Ägypten als Individualreisender im Lande unterwegs war, war mir eigentlich klar, dass es mit Ägypten so nicht weitergehen kann. Ich konnte bereits damals einem zunächst sehr brutalen Polizeieinsatz zusehen, der nur wegen unserer Anwesenheit etwas abgemildert wurde. Dann wurde mir klar, dass man als Tourist nicht so ohne Weiteres durchs Land fahren konnte. Eine Nilkreuzfahrt von Luxor nach Kairo war schon lange nicht mehr möglich, weil der mittlere Teil Ägyptens sehr unsicher war. Eine Busfahrt von Luxor zum Roten Meer war nur zu bestimmten Zeiten und im Konvoi mit Polizeischutz möglich. Wer konnte da noch von einem sicheren Land sprechen. Zudem finde ich die Umgangsweise des Auswärtigen Amtes mit dieser jetzigen Krisensituation haarsträubend. Eine absolute Reisewarnung für ganz Ägypten hätte schon viel früher ausgesprochen werden müssen. Man sieht an der Handlungsweise von Außenminister Guido Westerwelle eindeutig, dass ihm das Wohl der Touristen weniger am Herzen liegt als die Profite der Reiseunternehmen. Auch die Äußerungen unseres Außenministers zu den Verdiensten von Mubarak sind wenig hilfreich für die demonstrierende Opposition in Ägypten. Im Gegenteil, sie sind ein Affront gegen alle Demonstranten, die für eine demokratische Entwicklung in Ägypten eintreten.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Bessere Verkehrssteuerung dient Verbesserung der Luftqualität

Zum Artikel: "Nie wieder Rot, wenn man Grün haben kann ..." vom 29. Januar 2010

Wenn wir aus den ADAC-Erkenntnissen auf einen 20- bis 30-prozentigen Mehrverbrauch von Otto-Motoren beziehungsweise bis zu 60 Prozent erhöhtem Stickoxidausstoß von Diesel-Motoren durch mangelhafte Ampelsteuerung in Berlin schließen müssen, bleibt die Frage nach den politischen Ursachen und Zielsetzungen für die umweltschädigende Verkehrsflusssteuerung. Intelligente Verkehrssteuerung könnte auch in unserer Stadt zu einer besseren Luftqualität und weniger Betriebszeit von Motoren beitragen, wenn der Verkehrsfluss bedarfsgerecht und ohne unnötige Verweildauer vor Ampeln ablaufen würde.

Joachim F. Hildebrandt, Buckow

Offensichtlich keine wirklichen Probleme im Bezirk

Zum Artikel: "Im Rathaus Köpenick dürfen keine Aktfotos ausgestellt werden" vom 2. Februar

Der Bezirk Treptow-Köpenick hat offensichtlich keine richtigen Probleme. Gibt es etwa keine Arbeitslosen, keine kaputten Straßen und keine gammeligen Schulgebäude? Oder warum kann sich eine Bürgermeisterin um Vorschriften für Fotoausstellungen kümmern. Vor etwa 20 Jahren wurden kahle Rathausflure zur Rathausgalerie, auf die man im Bezirk stolz war. Auch ich habe dort schon Aktfotos gezeigt. Von Beschwerden ist mir nichts bekannt. Dass jetzt mit Aktfotos eine ganze anerkannte Kategorie von Fotokunst ausgeschlossen wird, zeigt das Fehlen von Sensibilität und Kunstverständnis bei der Bürgermeisterin und den Kulturverantwortlichen des Bezirks.

Ralf Drescher, per E-Mail