Leserbriefe

"Notstand wird nur kaschiert"

Das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern gemäß UN-Konvention ist also das oberste Ziel von Bildungssenator Zöllner. In Hessen ist nach der UN-Konvention im Einklang mit dem neuen Schulgesetz die "bestmögliche individuelle Förderung für alle Kinder zu ermöglichen" das oberste Ziel. Im Gegensatz zu Berlin hat man dort das "Wohl des Kindes" in den Fokus gestellt, wobei der sonderpädagogische Förderbedarf durch ein zentrales Verfahren ermittelt wird. Das wahre oberste Ziel von Zöllner wird evident, wenn er einerseits ein Wachsen des Förderbedarfs in den Schwerpunkten Lernen, Sprache und emotional-sozialer Entwicklung feststellt, andererseits dieses Problem "kostenneutral" lösen will. Wo er die vielen Sonderpädagogen herbekommen will, nach denen auch die neuen Integrierten Sekundarschulen (ISS) schon jetzt teilweise händeringend suchen, kümmert ihn nicht. Oberstes Ziel ist und bleibt im Bildungswesen die Ökonomisierung der Reformen, die der Papierform genügen müssen und nichts kosten dürfen.

Detlef Wulff, Lehrer an einer ISS

Zöllners Vorhaben hat offensichtlich einen klaren Grund: Sonderschulen schließen und die Lehrer an die Regelschulen versetzen, um den von ihm herbeigeführten Notstand an Lehrern zu kaschieren. Es kann doch nicht wahr sein, was dieser Mann für Schaden im Schulsystem anrichtet. Seine eigene Reform des jahrgangsübergreifenden Lernens wird jetzt für ihn zur Falle.

Regina Kröning, Spandau

Bei schwierigen Themen Ernst und Anstand bewahren

Zum Artikel: "Guttenberg räumt Informationsprobleme ein, weist aber Vorwürfe der Vertuschung vehement zurück" vom 27. Januar

Am 26. Januar gab es im Bundestag eine aktuelle Stunde zum Thema Bundeswehr. Als CDU-Mitglied möchte ich zum dortigen Auftreten von Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) feststellen: So wie er kann man sich nicht während der Erörterung von ernsten und wichtigen Themen verhalten. Zu Guttenberg sitzt auf der Regierungsbank, lacht, unterhält sich angeregt mit Kabinettskollegen und straft die Redner des Bundestages mit Missachtung. Auch wenn sich Minister zu Guttenberg den Inhalt der Reden nicht zu Eigen macht, bei solch ernsten Themen wie dem Todesfall auf der "Gorch Fock", dem Todesfall beim Hantieren mit einer Handwaffe in Afghanistan und dem Verstoß gegen das Brief-Post- und Fernmeldegeheimnis sollte er zumindest eines beweisen: Anstand.

Joachim Weiß, Kladow

Der Vorgang um die "Gorch Fock" wird zu sehr hochgespielt. In allen Armeen gibt es harte Rituale, die die Offiziersanwärter über sich ergehen lassen müssen, um in schwierigen Situationen zu überleben. Es scheint, die Fälle werden hergenommen, um die Bundeswehr schlechtzureden und einen Vorwand für Reformen zu haben.

Christian Lukner, per E-Mail

Aufgeblähter öffentlicher Dienst und uneffektive Verwaltung

Zum Artikel: ",Es wird bewusst Stimmung gegen Berlin gemacht' - Wowereit appelliert an die Solidarität der reichen Bundesländer" vom 23. Januar

Klaus Wowereit hat vergessen zu erwähnen, dass in Berlin die Kitas kostenlos sind. Das bedeutet, dass Eltern, die gut verdienen, ihre Kinder umsonst in die Kitas geben können. Das ist ungerecht gegenüber denen, die weniger Geld verdienen, und es ist auch ungerecht gegenüber den Geberländern. Dass Wowereit wegen dieses Sachverhaltes von Gerechtigkeit schreibt, ist ein Hohn. Außerdem leistet sich Berlin einen aufgeblähten öffentlichen Dienst und eine uneffektive Verwaltung. Berlin gibt im Vergleich zu allen anderen Bundesländern am meisten Geld pro Schüler aus. Dennoch steht Berlin bei allen Lerntests fast immer am Ende der Skala.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Klaus Wowereit macht sich die Sache zu einfach. Westberlin durfte sich seit Anfang der 60er-Jahre als Bollwerk im "roten Meer" und Schaufenster des Westens einen ordentlichen Speckbauch zulegen. Das interessiert heute aber nur noch Historiker. Es kann ja wohl nicht sein, dass der Senat soziale Wohltaten unter das Volk streut, die sich jene Länder nicht leisten, die den Länderfinanzausgleich bezahlen müssen. Dazu die Unzahl an öffentlich alimentierten Trägern für jede Befindlichkeit als Steuergeldfressmaschinen. Außerdem diskriminiert Wowereit indirekt die Berliner, wenn er behauptet, dass die Menschen hier so unfähig oder träge sind, dass sie bei allen Haushaltsdaten - vom Kindergarten bis zum Museum - einen Sonderbonus brauchen. Weniger jammern, mehr bewegen Herr Wowereit!

Klaus Jänicke, Steglitz