Leserbriefe

"Nach wie vor erhebliche Defizite"

Das Ergebnisder Studie kommt leider nicht ganz überraschend. Denn ein Hauptproblem der heutigen Zeit liegt vor allem darin, dass die erwachsenen Menschen nicht mehr genügend mit ihren Kindern kommunizieren. Woran die zunehmende Inhumanisierung der modernen Arbeitswelt keine geringe Schuld trägt, die dafür sorgt, dass Elternteile in ihrem Job dermaßen gestresst und gefordert werden, dass sie immer öfter erst spät und kaputt nach Hause finden. Weshalb Deutschland mehr denn je verbindliche Reformen benötigt, die nicht nur den Arbeitnehmern, sondern ebenfalls den Arbeitgebern die nötige Flexibilität zu einem besseren Zusammenleben abfordern. In jenem Fehlen besteht ein wesentlicher Grund dafür, warum sich nicht allein Berlin zunehmend zu einer traurigen Singlegesellschaft ohne Kinder entwickelt.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Wir lesen immer wieder, dass es mit der Sprachförderung nicht so ganz klappt. Es gibt nach wie vor erhebliche Defizite. Hierzu der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu:

"Es reicht nicht, den Kitabesuch für Eltern kostenfrei zu machen. Vielmehr müssen die Personalausstattung und die Qualifizierung der Erzieher verbessert werden." In meiner Tätigkeit als Vorklassenleiter gehörte die Sprachförderung mit zu den wichtigsten Inhalten. Nach Abschaffung der Vorklassen an den Grundschulen habe ich die Lehrerausbildung für "Deutsch als Zweitsprache" gemacht. In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder versucht, in der Sprachförderung zu arbeiten, und habe mich in verschiedenen Bezirken beworben. Die Antworten waren und sind identisch: Es sind Lehrerstunden oder aber kein Bedarf. Somit arbeite ich weiter als Betreuer. Die Voraussetzungen dafür sind laut Senats-Homepage: keine! Auch das ist ein Teil der Realität in Sachen Sprachförderung.

G. Maccis, per E-Mail

Gezielte und erbärmlich moralisierende Aufmachung

Zum Artikel: "Dienstwagenaffäre bei der Polizei" vom 22. Januar

Den noch nicht bewiesenen Vorwurf einer Dienstwagenaffäre bei der Polizei zu diesem Zeitpunkt öffentlich zu machen ist in der Absicht durchsichtig, zumal der Vorgang bereits im Sommer durch ein anonymes Schreiben an den Polizeipräsidenten ausgelöst wurde. Aber ebenso merkwürdig und illoyal ist die öffentliche Bewertung dieses Vorganges durch einen ranghohen Polizeiführer, dass "jemand, der die Polizei der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschlands anführen will, über jeden Zweifel erhaben sein muss" und "dass er damit kein glaubwürdiger Kandidat mehr ist". Was ist das für eine gezielte und erbärmlich moralisierende Aufmachung eines unterstellten Fehlverhaltens, der es an jeder sachlichen Bewertung mangelt.

Harry Döring, per E-Mail

Was für ein merkwürdiger Zufall, dass ein Verdacht, der seit dem Sommer 2010 bekannt ist, gerade im Laufe des Bewerbungsverfahrens der Presse zugespielt wird. Bei dem überschaubaren Sachverhalt stellt sich sowieso die Frage, warum das Ermittlungsverfahren nicht bereits mit einem Ergebnis beendet wurde.

Ingo Haberkorn, per E-Mail

Armut ist immer auch eine Frage der Definition

Zum Artikel: "Der Atlas der Armut in Berlin" vom 21. Januar

Kinder von Hartz-IV-Empfängern werden automatisch mit dem Stigma der Kinderarmut belegt. Die Definition von Armut ist in Deutschland in völlig falsche Hände geraten: in die der Politiker, insbesondere der linken. Jeder normal denkende Mensch weiß, was Armut ist: kein Dach über dem Kopf, nichts zu essen, nichts anzuziehen. Hartz-IV-Empfänger leiden unter keinem dieser Aspekte. Arbeitende, die in den unteren Lohngruppen eingestuft sind, haben nach Abzug ihrer Unkosten häufig weniger zur Verfügung als ein gleich großer Hartz-IV-Haushalt.

Jürgen Wiedemann, Moabit

Run auf Abfälle könnte auch bei uns Alltag werden

Zum Artikel: "Ein Drittel aller Lebensmittel weltweit landet im Müll" vom 22. Januar

Eine Schande angesichts der größer werdenden Armut in Deutschland. Kinder gehen hungrig zur Schule, ganze Familien sind auf Tafeln und Suppenküchen angewiesen, weil sie sonst nicht über die Runden kommen. Supermärkte könnten mit Sonderpreisen auf abgelaufene Produkte minderbemittelten Schichten diesen entwürdigenden Gang ersparen. Der Run auf Abfälle und Mülltonnen, wie wir ihn aus Ländern der Dritten Welt kennen, könnte auch bei uns Alltag werden.

Christa Rust, per E-Mail